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Alkoholismus: Indianerstamm verklagt Brauereien

Die Oglala-Sioux gehen juristisch gegen den grassierenden Alkoholismus vor. (Bild: Keystone)

Im Indianerreservat Pine Ridge ist Alkoholismus weit verbreitet - jetzt gehen die Oglala-Sioux gegen einige der weltgrössten Bierbrauereien und Spiritousenhändler juristisch vor.

Veröffentlicht am 26.03.2012

Bei den Oglala-Sioux im Indianerreservat Pine Ridge (US-Bundesstaat South Dakota) grassiert der Alkoholismus. Nach Jahren erfolglosen Protests und Einredens auf Politiker verklagt der Stamm nun einige der weltweit grössten Bierbrauereien sowie Spirituosenhändler.

Nach Meinung der Oglala-Sioux haben die Unternehmen wissentlich zum Alkoholkonsum und seinen Folgen in Pine Ridge beigetragen. «Wir sind ein souveräner Staat und handeln wie die US-Regierung in ihren verschiedenen Klagen gegen die Tabakkonzerne», sagt John Yellow Bird Steele, Präsident der Oglala-Sioux.

Millionenschwere Kompensation

Der Stammesrat habe der Klage zum Schutz der Jugend zugestimmt, so Steele. Die Indianer wollen von den Brauereien 500 Millionen Dollar Kompensation für Gesundheitsschäden und andere Folgen. «Der Alkohol zerstört unsere Gemeinschaft», sagt Steele. Vier von fünf Familien kämpfen laut der Klageschrift mit Alkoholismus.

Das Reservat umfasst einige der ärmsten Landstriche der USA. Die Lebenserwartung liege in der Stammesgemeinschaft «zwischen 45 und 52 Jahren», heisst es in der Klageschrift - und damit weit unter dem US-Durchschnitt von 77,5 Jahren. Jedes vierte Kind leide an Spätfolgen wegen des Alkoholkonsums von Frauen während der Schwangerschaft.

Tausende Dosen Bier pro Tag

Der Verkauf und Konsum von Alkohol ist in dem Reservat seit 1832 verboten. Doch wer trinken will, muss nur die nahe Grenze zu Nebraska überschreiten: Dort finden sich im winzigen Dorf Whiteclay, das nur eine handvoll Einwohner hat, gleich vier Getränkeläden.

Die Händler hätten allein 2010 zusammen fast fünf Millionen Dosen Bier verkauft, also mehr als 13'000 pro Tag, sagt der Anwalt des Stammes, Tom White. Der Grossteil gelange ins Indianerreservat.

Politiker sind machtlos

«Ich habe den Gouverneur und die Abgeordneten Nebraskas getroffen, doch die sind alle machtlos», sagt Stammespräsident Steele. Für die Oglala-Sioux sei das auch finanziell ein grosses Problem: «95 Prozent der Kosten unseres Gesundheitssystems und 90 Prozent der Fälle vor Gericht sind auf Alkoholismus zurückzuführen.»

In ihrer Verzweiflung, so die Argumentation, bleibe ihnen nur noch der Weg über die Justiz. Die Bierbrauer und Händler täten nichts, um den Alkoholschmuggel zu unterbinden.

«Es ist, als gebe man einer Person einen Baseballschläger in die Hand - wohlwissend, dass er damit gleich jemandem eins über den Schädel geben wird», sagt White. «Sie wissen genau, welche Konsequenzen ihre Profitmacherei für die Gemeinschaft hat.»

Erfolgschancen ungewiss

Die verklagten Unternehmen und Ladenbesitzer nehmen zu den Vorwürfen keine Stellung. «Wir kommentieren diese Klage nicht», heisst es beim Unternehmen SAB Miller. Auch Anheuser-Busch, Molson Coors, Miller Coors und Pabst Brewing Company stehen im Visier.

Ob die Klage, die vor dem Bundesgericht in Nebraska eingereicht wurde, überhaupt Erfolg haben kann, darüber sind Juristen uneins. Frank Pommersheim, Rechtsprofessor an der Universität South Dakota, glaubt nicht daran.

«Es besteht kein Zweifel, dass das Handeln in Whiteclay unglaublichen Schaden anrichtet», sagte er der Zeitung «USA Today». «Doch die Frage ist, ob die Forderungen vor einem Bundesgericht einklagbar sind.» Sein Kollege Thomas Horton dagegen sagte dem Blatt, dass die Klage durchaus ernst zu nehmen sei. «Ich glaube, das wird ein spektakulärer Kampf.»

(vst/sda)

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