Zum Thema Strategie fallen uns oftmals zahlreiche Instrumente ein, wie Unternehmen ihre Ressourcenbasis und Marktpositionierung nachhaltig zu Wettbewerbsvorteilen ausbauen können. Von Branchen- und Wettbewerberanalysen über zahlreiche Portfoliomodelle und Szenariotechniken bis hin zu sogenannten Stärken- und Schwächen-analysen verfügen wir über eine Vielzahl verschiedener Ansätze der Strategieformulierung. Umso erstaunlicher ist es daher, dass der tatsächliche Umsetzungserfolg dieser fundierten Strategiekonzepte in der Praxis nur bei 30% liegt.

Diese Quote lässt darauf schliessen, dass gerade der Teil der Strategieumsetzung mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist. Oder anders ausgedrückt: Es scheint, als fehlten Managern die geeigneten Mittel zur erfolgreichen Strategieimplementierung. Grund genug, sich in einer Beilage mit dem Thema «Strategie» genauer zu befassen.

Der Grundstein des Scheiterns

Strategieimplementierung bedeutet, eine erfolgreich entwickelte Strategie durch die Neugestaltung von Strukturen, Prozessen und Systemen nachhaltig in der Unternehmung zu verankern. Die damit verbundene hohe Komplexität liefert bereits eine erste Erklärung für die bestehenden Herausforderungen und Schwierigkeiten in der Praxis. Viele Strategieprojekte scheitern, weil es nicht gelingt, die formulierten strategischen Ziele ausreichend in einzelnen Umsetzungsprojekten zu konkretisieren und deren Implementierung durch ein Strategiecontrolling konsequent nachzuverfolgen. Die fehlende Quantifizierung und Detaillierung einer Strategie in das operative Geschäft kreiert oftmals eine unüberwindbare Kluft zwischen Anspruch und Realität.

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Auch unter Anwendung der Balanced Scorecard (siehe Kasten) wird oftmals der Grundstein des Scheiterns in der Stategieumsetzung bereits zu Beginn des eigentlichen Strategieprozesses gelegt. So besteht in der Praxis die Tendenz, Strategieformulierung und -implementierung als zwei nachgelagerte, getrennte Stufen innerhalb des Strategieprozesses zu verstehen. Eine derartige, sukzessive Vorgehensweise widerspricht allerdings schon dem grundsätzlichen Verständnis der Strategieauswahl – schliesslich ist auch nur eine implementierte Strategie wirklich eine gute Strategie. Gerade aus diesem Grund ist es bedauerlich, dass viele Strategieformulierungen zu kurz greifen und die eigentliche Umsetzung nicht bereits am Anfang des Strategieprozesses berücksichtigt wird.

Mit einem derartigen Verständnis des ganzheitlichen Prozesses der Strategieentwicklung haben wir in den letzten Jahren Strategieprojekte des öffentlichen Sektors (z.B. Uefa, WHO) und der Privatwirtschaft (beispielsweise Eurovision, Mercedes-Benz, Ringier) begleitet und/oder analysiert. Erfolgreiche Strategiekonzepte zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie die bestehenden vernetzten und dynamischen Zusammenhänge einer Strategiesituation erkennen und diese Erkenntnisse in den Strategieprozess mit einfliessen lassen. Im Sinne einer ganzheitlichen strategischen Führung wird in diesen Strategieprojekten eine lineare Denk- und Vorgehensweise durch eine kritische, repetitive Reflexion der ausgewählten Strategiealternative ersetzt. So werden Strategieformulierung und -implementierung zu einer Art Kontinuum, das bereits im Rahmen der Stategieauswahl zur Geltung kommt.

Gelebtes Feedback

Darüber hinaus lässt sich eine ausgewogene Konstellation im Projektteam als weiterer Erfolgsfaktor der Strategieumsetzung identifizieren. Ein hierarchisch und funktional diversifiziertes Strategieteam intensiviert die kritische Reflexion der gewählten Strategiealternative und steigert so die Chance, Konfliktpotenziale und Umsetzungswiderstände bereits im Vorfeld zu beseitigen. Der Umsetzungsprozess selbst zeichnet sich, neben der Definition und Kontrolle einzelner Meilensteine, auch durch einen stark partizipativen Charakter aus.

Gelebtes Feedback, sichtbare Anpassungen und Veränderungen sowie die Auseinandersetzung und Würdigung kritischer Anregungen schaffen dabei die Voraussetzungen für Akzeptanz und Partizipation bei allen Unternehmensbeteiligten. Die Einführung regelmässiger Strategie-Reviews kann hierbei sehr hilfreich sein, da in diesen Reviews die ursprünglichen Prämissen zur Strategieauswahl überprüft und gege- benenfalls an die neuen Rah- menbedingungen angepasst werden.