Der frühere Rektor der Universität St. Gallen und derzeitige Präsident der Schweizer Börse, Peter Gomez, präsidiert neu «Die Freunde der FDP. Die Liberalen». Der Förderverein wurde vor sechs Jahren von Wirtschaftsvertretern wie Swiss-Life-Präsident Rolf Dörig, Novartis-Präsident Daniel Vasella und dem früheren UBS-Chef Peter Wuffli ins Leben gerufen. Die 180 Mitglieder unterstützen die FDP jährlich mit rund 500 000 Fr. aus eigener Tasche. Gomez folgt auf Andreas Schmid, der den Verein nach dem Abgang Wufflis interimistisch leitete.

Warum tun Sie sich das nur an?

Peter Gomez: Ich tue mir überhaupt nichts an. Als einer der Gründer der «Freunde der FDP» ist mir bewusst, dass man Freunde nicht nur in guten Zeiten braucht, sondern auch in der Not. Und die FDP hat es jetzt nötig, dass man ihr beisteht.

Die FDP ist also in Not?

Gomez: Alle politischen Parteien befinden sich in der jetzigen Krise in Not - einfach in unterschiedlicher Art und Weise. Die FDP ist in letzter Zeit sicher angegriffen worden, weil sie pointiert zu wirtschaftlichen Themen Stellung bezogen hat. Sie musste sich in der Krise zur Wirtschaft bekennen, was nicht immer einfach war. Andere Parteien versuchten, diese Fragen zu umgehen und sich irgendwie durchzuschlängeln. Die FDP als Wirtschaftspartei muss Position beziehen, womit sie sich auch Probleme einhandelt. Die Wirtschaft hat in der Bevölkerung heute nicht das allerbeste Image.

Sie sagen, die FDP sei die Wirtschaftspartei. Hat diese Rolle nicht längst die SVP übernommen?

Gomez: Nein, das sehe ich überhaupt nicht so. Vielleicht hat die SVP in gewissen Segmenten der Wirtschaft, bei den KMU und im kleinen Unternehmertum, eine breitere Gefolgschaft. Der Slalomkurs der SVP beim Staatsvertrag mit den USA hat aber klar gezeigt, dass die SVP eben nicht die Interessen der gesamten Schweizer Wirtschaft vertritt und daher keine Wirtschaftspartei ist - es fehlt die Glaubwürdigkeit.

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Das behaupten Sie jetzt.

Gomez: Der Staatsvertrag war ein Beleg dafür, dass die SVP die Interessen der Partei höher gewichtet als jene der Schweizer Wirtschaft. Ich kann eine solche wirtschaftspolitische Haltung nicht ernst nehmen. Die FDP setzt sich konsequent für die Anliegen der KMU und der Grossfirmen ein.

Ist das der grösste Unterschied zwischen FDP und SVP?

Gomez: Die FDP propagiert konsequent eine liberale Wirtschaftspolitik. Sie hat in der Sommersession alle wirtschaftspolitischen Vorstösse durchgebracht und ist beim Staatsvertrag gradlinig geblieben.

Die liberale Wirtschaftshaltung hat aber auch ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Gomez: Meiner eigenen Meinung nach hat die liberale Wirtschaftsordnung trotz der Krise nicht abgedankt. In normalen Zeiten funktioniert sie gut.

In der Krise hat sie aber versagt.

Gomez: Es war in der Tat eine unglückliche Verkettung von Extremereignissen, die gezeigt haben, dass die liberale Wirtschaftsordnung auch nicht perfekt ist. Sie ist aber immer noch besser als jede andere Wirtschaftsordnung. Es braucht jetzt eine gewisse Stabilisierung, die auch in Regulierung mündet, aber sicher keine regulatorische Überreaktion benötigt.

FDP-Präsident Fulvio Pelli hat die hohen Boni der CS-Manager gegeisselt. Ex-CS-Präsident Walter Kielholz ist ein «Freund der FDP» und damit auch ein Gönner. Birgt das keinen Zündstoff?

Gomez: Die «Freunde der FDP» nehmen keine Stellung zu sachpolitischen Fragen, sondern unterstützen die Partei.

Das Problematik Abzocker und überrissene Boni ist also kein Thema?

Gomez: Natürlich schon, und wir diskutieren solche Fragen mit der Parteileitung. Aber öffentlich beziehen wir keine Position.

Das Klima könnte sich aber durchaus vergiften, wenn die FDP weitere Angriffe gegen die Hochfinanz reitet, die bei den «Freunden der FDP» stark vertreten ist.

Gomez: Die Grossbanken und die Finanzindustrie haben schwierige Zeiten durchgemacht und einzelne Exponenten auch grobe Fehler begangen. Trotzdem sollte in meinen Augen die FDP-Parteispitze nicht so dünnhäutig reagieren und Breitseiten gegen die Finanzbranche abfeuern. Etwas mehr Gelassenheit von beiden Seiten würde dem Finanz- und Wirtschaftsstandort Schweiz viel mehr dienen. Was zählt, ist die Zukunft.

Die «Freunde der FDP» sind ein Gönner- und ein Förderverein. Inwiefern muss die FDP gefördert werden?

Gomez: Zum einen braucht die FDP, verglichen mit den finanzstarken SVP und SP, mehr Mittel, damit ihre Positionen klarer in die Öffentlichkeit gebracht werden. Zum anderen soll die Partei auf ein Netzwerk, auf Wissenscluster vertrauen können. Gerade bei schwierigen Themenstellungen wie Europa oder Finanzplatzregulierung soll die Partei auf das Know-how ihrer Freunde zurückgreifen können.