Für Privatanleger wird es immer schwieriger, im Dschungel der neuen Finanzprodukte den Überblick nicht zu verlieren. Denn die Innovationskraft der Anbieter von strukturierten Produkten und Index-Fonds nimmt inzwischen verwirrliche Züge an.

Schon die Namen der Produktgattungen sorgen für Missverständnisse: ETP, ETC, ETT, ETF da wird es für den Privatanleger schnell einmal unübersichtlich. Welche Produkte fallen unter das Segment der jüngst boomenden Exchange Traded Funds (ETF) und bei welchen handelt es sich um strukturierte Produkte? Ein Leitfaden durch das Begriffsdickicht ist dringend nötig.

Exchange Traded Products (ETP) ist der Überbegriff börsenkotierter Produkte wie strukturierte Produkte und ETF. ETF sind Fonds mit unbegrenzter Laufzeit. Im Konkursfall des Anbieters bilden sie Sondervermögen, womit das Gegenparteienrisiko eliminiert ist. ETF haben in den letzten Monaten weltweit rasanten Zulauf erlebt. In der Schweiz sind innerhalb von knapp zehn Jahren an der SIX Swiss Exchange bereits 333 Produkte kotiert. Im März belief sich der Umsatz der ETF an der SIX auf 5,6 Mrd Fr. Zum Vergleich: Mit strukturierten Produkten wurden 3,5 Mrd Fr erwirtschaftet.

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Trittbrettfahrer des ETF-Erfolgs

Diese Differenz lässt es bereits erahnen: Die Ähnlichkeit zu ETF bei der Namensgebung von strukturierten Produkten dürfte kein Zufall sein. «Meines Erachtens ist es offensichtlich, dass die Anbieter von strukturierten Produkten auf die Erfolgswelle von ETF aufspringen wollen», sagt Jakob Baur, Geschäftsführer von fundexplorer.ch. Für Anleger bedeutet das: Längst nicht jedes Produkt, das «Exchange Traded» im Namen hat, ist ein ETF.

Neuester Wurf der «ET»-Familie sind die Exchange Traded Trackers (ETT) der UBS. Auch bei den ETT handelt es sich nicht um Fonds, sondern um strukturierte Produkte, genauer um Index-Zertifikate, welche verschiedene Total-Return-Indizes (Länder- und Sektorindizes) abbilden. Angesprochen auf die frappante Namensähnlichkeit mit den erfolgreichen ETF antwortet Esther Thoma, Head Equity Structured Products for Wealth Management bei der UBS: «Wir haben nicht die Erfahrung gemacht, dass Kunden denken, bei ETT handle es sich um Fonds.» Die Produkte seien lanciert worden, weil man die Tracker-Zertifikate so günstig wie möglich anbieten wollte, erklärt sie. Bei den ETT ist eine Verwaltungsgebühr von 0% in den ersten beiden Jahren garantiert. Auf die Frage, wie die UBS trotz null Verwaltungsgebühren Geld verdiene, antwortet Thoma: «Wir verdienen Geld durch die Geld-Brief-Spanne und durch Courtagen.» Ein Vorteil, den die ETT gegenüber den ETF aufweisen, ist die steuerliche Behandlung. «Die im Total Return Index und somit auch im Index-Tracker reinvestierten Dividenden sind für Schweizer Privatinvestoren nicht einkommenssteuerpflichtig», so Thoma. Trotzdem hält sich das Interesse in Grenzen: Laut Thoma ist die Nachfrage nach ETT «in Ordnung, aber nicht überbordend».

Rohstoffanlage im Kommen

Bereits etwas länger bekannt sind die sogenannten Exchange Traded Commodities (ETC). Das sind börsengehandelte Vehikel, die eine Investition in Rohstoffe ermöglichen. In der Schweiz sind ETC ebenfalls vor allem durch die UBS zu einem Begriff geworden. Auch sie dürfen jedoch nicht mit den hierzulande beliebten ETF auf Edelmetalle verwechselt werden denn rechtlich gesehen sind ETC Schuldverschreibungen.

An der deutschen Börse Xetra finden Anleger für ETC bereits ein eigenes Segment. Der europaweit grösste Anbieter von ETC ist ETF Securities. Dieser ist überzeugt, dass das Wachstum des ETC-Segments auch nach dem erfolgreichen Rohstoffjahr 2009 anhält: «Weltweit rechnet man mit einer Steigerung der Gesamtnettozuflüsse in börsengehandelte Rohstoffsicherheiten um 46 bis 111 Mrd Dollar», schreibt Daniel Wills, Senior Analyst bei ETF Securities.

Zu noch grösserer Verwirrung dürfte die neue Produktgattung Exchange Traded Curreny (Abkürzung ebenfalls ETC) führen. ETF Securities bietet die in Europa neuen Währungs-ETC seit einigen Monaten an der London Stock Exchange (LSE) an. Sie ermöglichen passive Long- oder Short-Positionen in den G10-Währungen gegenüber dem Dollar. Laut ETF Securities sind die neuartigen ETC vollständig besichert, um das Gegenparteienrisiko zu reduzieren. Besicherte Versionen von strukturierten Produkten sind auch in der Schweiz im Angebot. An der SIX sind unter dem Namen «Cosi» insgesamt über 150 Produkte von EFG Financial Products, Vontobel und Clariden Leu handelbar.