Die Güterverkehrstochter der SBB hat schwierige Zeiten hinter sich – und sie hat auch in naher Zukunft hart zu kämpfen. Die Strategie einer frühen Positionierung als schweizerischer Qualitätsanbieter im grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr von Nordeuropa bis Italien wird von Verkehrsexperten als richtig betrachtet. Insofern war die Mannschaft um Daniel Nordmann, den damaligen Leiter von SBB Cargo, auf dem richtigen Weg. Doch dieser Markteintritt war mit hohen Investitionen und Anlaufkosten verbunden. Zu hohen Kosten, wie sich jetzt herausstellt. Im internationalen Geschäft wurden 2007 zwar 592 Mio Fr. Umsatz erzielt, doch das Ergebnis mit 47 Mio Fr. Verlust fiel ernüchternd aus.

Zusammen mit dem starken Preiszerfall der Transportraten wurde das Auslandgeschäft für SBB Cargo zur Hypothek. Besonders, weil auch die beiden anderen Bereiche – Verkehr Inland und Instandhaltung/Wartung des Rollmaterials – zusammen 42 Mio Fr. Verlust produzierten. Nachdem bereits in den Jahren 2003 bis 2006 Fehlbeträge von 239 Mio Fr. angefallen waren, zog der SBB-Verwaltungsrat die Notbremse. Das Eingeständnis von SBB-CEO Andreas Meyer, dass in den vergangenen Jahren «keine verursachergerechte innerbetriebliche Zuordnung der Kosten und Erträge erfolgte» – oder etwas einfacher formuliert: Man wusste überhaupt nicht, mit welchen Leistungen Gewinne respektive Verluste generiert wurden – ist ernüchternd. Mit einem Sanierungsprogramm müssen jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden, SBB Cargo auf eine betriebswirtschaftlich gesunde Basis zu stellen.

Die Voraussetzungen bzw. Rahmenbedingungen für diese Aktion sind allerdings nicht unbedingt als günstig einzustufen. Schon das Ziel, im Rahmen der Eigenwirtschaftlichkeit ein flächendeckendes Netz zu betreiben und im Transit ein qualitativ gutes Produkt anzubieten, um weiterhin massgeblich zur Verkehrsverlagerung beizutragen, ist ein Widerspruch in sich. Allein im in- und ausländischen Güterverkehr 54 Mio Fr. Verluste zu kompensieren, kommt angesichts des brutal harten Wettbewerbes unter den Bahnen einer Herkulesaufgabe gleich. Ob die geplanten Umstrukturierungsmassnahmen greifen, um die erheblichen Verluste zu eliminieren, ist und bleibt offen.

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Längerfristig betrachtet muss für SBB Cargo eine strategische Neuausrichtung der Geschäftspolitik erfolgen. Beispielweise durch eine strategische Partnerschaft mit anderen europäischen Bahnen, aber auch mit Logistikdienstleistern. Allein auf sich gestellt hat SBB Cargo keine Zukunft.