Eines kann man dem Wirtschaftsjahr 2007 wohl ganz sicher nicht absprechen: Dass es für etwelche Spannungen, Turbulenzen und heftige Diskussionen um (Rohstoff-)Preise und Wechselkurse, aber auch um Löhne und Gehälter gesorgt hat. In diesem Umfeld konnten sich die in der Schweiz und Liechtenstein ansässigen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen in ihrer grossen Mehrheit erfolgreich behaupten. Nimmt man die Zahlen der jüngsten Swiss- Top-500-Liste – zusammengestellt von Dun & Bradstreet sowie der «Handelszeitung» – näher unter die Lupe, kann man feststellen, dass es nur eine verschwindend kleine Zahl an Firmen gibt, welche unbefriedigende Ergebnisse bei Umsatz und Ertrag ausweisen müssen.

2007 kann also zu den erfreulichen Jahren für die Schweizer Wirtschaft gezählt werden. Von den 500 in der Liste aufgeführten Unternehmen mussten nur gerade deren 46 einen Umsatzrückgang ausweisen, zehn von ihnen mit einen Einbruch von mehr als 10%.

Wie in den Vorjahren sorgte auch 2007 Fusionen beziehungsweise Übernahmen für teils kräftige Wachstumsraten.

139 Umsatzmilliardäre

Ein Indiz für das erfolgreiche 2007 ist die Zahl der Unternehmen, welche einen Umsatz von mehr als 1 Mrd Fr. erzielten. In der jüngsten Liste sind dies 139 Firmen, zehn mehr als im Vorjahr. Zu den neuen Umsatzmilliardären zählt zum Beispiel der Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail, der unter der dynamischen Führung von Peter Spuhler einen kräftigen Umsatzsprung nach vorne machte. Ab er auch Actelion, Ocrapharma, Keytrade, Lagerhäuser Aarau und die Dätwyler Holding schafften die Hürde der Umsatzmilliarde im vergangenen Jahr.

Wichtiger jedoch als der Umsatz ist der Ertrag, konkret das Betriebsergebnis sowie der Reingewinn. Auch hier sieht es erfreulich aus: Rund 150 Unternehmen weisen ein höheres Betriebsergebnis (Ebit) aus, verglichen mit 2006. Knapp zehn Firmen gelang es, den Ebit zu verdoppeln beziehungsweise gar zu verdreifachen. Drei Konzerne weisen ein Betriebsergebnis von mehr als 10 Mrd Fr. aus, nämlich Nestlé, Roche und Novartis.

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Aus der Tabelle der Firmen mit der höchsten Ebit-Marge (Betriebsergebnis in Prozent des Umsatzes) geht hervor, dass einige Unternehmen erfreulich hohe Margen ausweisen können (siehe Tabelle unten). Unter den zehn Spitzenreitern figurieren drei Namen aus dem Dienstleistungssektor und vier aus dem Bereich Chemie/Pharma/Medizinaltechnik.

Anderseits mussten 52 Unternehmen einen Rückgang des Betriebsergebnisses hinnehmen. Die übrigen Firmen in der Liste hüllen sich punkto Betriebsergebnis in Schweigen.

Fünf Unternehmen, welche 2006 noch rote Zahlen schrieben, konnten im vergangenen Jahr wieder im Plus abschliessen. Es sind dies Charles Vögele, Kardex Remstar, Pizoler Fleischspezialitäten, die Industrieholding Cham und die Swisslog.

Mussten 2006 insgesamt neun Betriebe Verluste verbuchen, waren es 2007 nur noch deren drei, nämlich SBB Cargo, Ascom und die SEZ Holding. Mit Ausnahme von SBB Cargo fielen allerdings die roten Zahlen in eher bescheidenem Rahmen aus.

Teilweise höhere Investitionen

Löste die deutlich bessere Ertragsentwicklung auch höhere Investitionen aus? Antwort auf diese Frage gibt die Tabelle der grössten Investoren (Seite 59). Gesamthaft betrachtet haben knapp 100 Firmen ihr Investitionsvolumen 2007 erhöht. Teilweise sogar sehr kräftig; rund 20 Unternehmen haben ihre Investitionsausgaben sogar verdoppelt. Bei weiteren 20 Gesellschaften liegen die Steigerungsraten zwischen 50 und 100%. Weniger investiert haben aufgrund der vorliegenden Zahlen rund 60 Firmen, die übrigen gewähren keinen Einblick in ihre Investitionen.

Wie sieht die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt aus? Hat die gute Konjunkturentwicklung zu deutlich mehr Arbeitsplätzen geführt? Oder wurde ganz einfach weiter rationalisiert?

Die Bilanz ist zwiespältig: Wohl haben 200 Firmen den Personalbestand erhöht, einige sogar kräftig – auf der anderen Seite weisen rund 50 Unternehmen einen gegenüber 2006 niedrigeren Personalbestand aus. Rund 250 Firmen gaben allerdings keine Auskunft über die Zahl der Beschäftigten.

Ähnlich sieht die Entwicklung der Arbeitsplätze in der Schweiz aus. Aufgrund der vorliegenden Zahlen kann festgestellt werden, dass immerhin rund 120 Unternehmen mehr Personal beschäftigen als im Jahr zuvor. Einige Firmen haben den Personalbestand sogar stark erhöht. Allerdings spielen auch hier Fusionen und Übernahmen eine Rolle bei der Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze. Lediglich 40 Firmen reduzierten Stellen in der Schweiz.

Etwas mehr Schweizer Jobs

Wurden anderseits mit Blick auf die Kostensituation durch Schweizer Firmen im Ausland mehr Arbeitsplätze geschaffen? Rund 90 Schweizer Arbeitgeber haben die Zahl ihrer Beschäftigten im Ausland erhöht, während 15 Unternehmen die Jobs im Ausland im vergangenen Jahr reduzierten – in den meisten Fällen allerdings erfolgte dieser Abbau in eher moderatem Ausmass. Da allerdings die Mehrzahl der Firmen keine Aussagen darüber macht, wie viele Personen sie in der Schweiz beziehungsweise im Ausland beschäftigen, lässt sich keine allgemein gültige Aussage über die Entwicklung der Arbeitsmarktsituation machen. Man muss davon ausgehen, dass bei vielen Betrieben die Kostenentwicklung nach wie vor stark im Vordergrund steht, und sie somit eher zurückhaltend sind, wenn es um die Schaffung neuer Arbeitsplätze geht.

Drei Branchen an der Spitze

In der aktuellen Liste der 500 grössten Schweizer Industrie-, Handels- und Dienstleistungsfirmen figurieren Unternehmen – aus insgesamt über 80 Branchen, wie aus der Spalte Branchen- Code hervorgeht (siehe auch Seite 59). Allerdings wird es bei stark diversifizierten Konzernen immer schwieriger, sie einer bestimmten Branche zuzuordnen. Am stärksten vertreten sind in der jüngsten Swiss-Top-500-Liste die Sparten Grosshandel, Maschinenindustrie und Nahrungsmittel mit je 30 vertretenen Firmen. Dann folgen der Tourismus, die Energieversorger sowie die Logistiker.

In verschiedenen Branchen spielen zahlreiche in der Schweiz ansässige Unternehmen weltweit eine wichtige Rolle. Vor allem Familiengesellschaften haben sich in den vergangenen Jahren eine starke Marktposition in wichtigen Branchen aufgebaut, die nur schwer zu schlagen ist. Diese Unternehmen mit einem meist kleinen Aktionärskreis agieren denn auch oft eher im Hintergrund und legen keinen Wert auf eine Publikation von Geschäftszahlen.

Das macht allerdings die Beschaffung der entsprechenden Firmendaten schwierig. Selbst rudimentäre Eckwerte wie Umsatz oder die Zahl der Beschäftigten werden zurückbehalten. Diese Publizitätsscheu zwang Dun & Bradstreet (Schweiz) AG und die «Handelszeitung» – wie schon in den Vorjahren – zu Schätzungen.