Zeitarbeit als letzter Strohhalm für Langzeitarbeitslose? Von wegen. Temporäreinsätze haben heute einen guten Ruf und sind beliebt bei Akademikern und Hochqualifizierten. Personalvermittler wie Adecco, Kelly Services und Randstad bestätigen den Trend: Immer mehr Akademiker bewerben sich für zeitlich befristete Einsätze – und Firmen suchen Top-Qualifizierte, die ihr Know-how für bestimmte Zeit zur Verfügung stellen. «Temporärarbeit dürfte künftig noch an Bedeutung gewinnen, und sie wird auch bei Berufseinsteigern immer beliebter», sagt Michel Rey von Kelly Services. Vor allem in der Chemie, Pharma- und Biotech-Branche sowie bei Finanz-Service- und Beratungsfirmen haben junge Akademiker zurzeit gute Aussichten, mit einem befristeten Vertrag einzusteigen. Auch für junge IT-Spezialisten und Ingenieure stehen die Chancen ausgezeichnet.

Von temporär zu fest

Befristete Jobs sind keine Verlegenheitslösung mehr – oder das kleinere Übel angesichts schlecht bezahlter Praktika. Viele Absolventen entscheiden sich bewusst fürs befristete Engagement. «Berufseinsteiger nutzen diese Einsätze, um Erfahrungen in verschiedenen Branchen und Unternehmen zu sammeln», sagt Denise Sonderegger von Randstad. Flexibel und offen bleiben, seine Jahresarbeitszeit selbst planen, eine Zeit lang in Schweizer Firmen jobben und danach ins Ausland gehen – das sind die meistgenannten Gründe für befristete Verträge. «Die junge Generation von Temporärarbeitern möchte sich so viele Optionen wie möglich offen halten und sich nicht zu früh an ein Unternehmen binden», hat José San José von Adecco beobachtet.

Doch auch jene Temporärjobber, die auf eine feste Stelle spekulieren, haben gute Karten. Nach Angaben von Adecco münden rund 40% der temporären Einsätze in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Viele Firmen nutzen dabei die Gelegenheit, sich von der Leistung des Zeitarbeiters zu überzeugen, bevor sie ihn fest einstellen. Anderseits kann auch er sich ein Bild davon machen, ob die Firma für ihn auf Dauer in Frage kommt. Bei Swiss Life beispielsweise werden Zeitarbeiter immer wieder übernommen, sei es, weil gerade eine passende Stelle frei ist, oder weil sich die Person während des Temporäreinsatzes bewährt hat.

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Eines liegt auf der Hand: Jungakademiker, die temporär im Einsatz waren, müssen keine Nachteile für ihre Karriere in Kauf nehmen – im Gegenteil. Personalchefs wissen die Flexibilität und Offenheit zu schätzen. Wer sich wechselnden Aufgaben gestellt, verschiedene Arbeitsplätze kennen gelernt und sich schnell auf neue Teams eingestellt hat, eignet sich besonders für variable Projekteinsätze. Auch bei IBM sind bei Zeitarbeitern vor allem spezielles Fachwissen und «projektbezogene Fähigkeiten» gefragt. Und kurzfristige Einsatzbereitschaft.

Darüber hinaus setzt IBM beim Akademikernachwuchs auf ein eigenes Modell: Das Unternehmen beschäftigt 200 Werkstudenten und Praktikanten, die häufig nach Abschluss ihres Studiums in der Firma bleiben. Vorteil: Die Nachwuchskräfte kennen das Unternehmen bereits und wissen, worauf es ankommt.