Die Allianz leitet den Generationswechsel überraschend früh ein: Vorstandschef Michael Diekmann übergibt das Ruder mit der Jubiläums-Hauptversammlung im Mai 2015 an Oliver Bäte. Der 49-jährige Bäte galt seit längerem als «Kronprinz», obwohl er kein Urgewächs der Allianz ist. Zeitweise war er Finanzchef, zuletzt leitete er das Versicherungsgeschäft in West- und Südeuropa.

Vor Bäte liegen grosse Aufgaben: Die Allianz steuert zwar abermals auf einen Rekordgewinn zu. Doch vor allem die einst so prestigeträchtige US-Fondstochter Pimco macht Sorgen, weil ihr die Kunden weglaufen und Personalquerelen die Schlagzeilen bestimmen. Das alles könnte die Vermögensverwaltung bremsen, die jahrelang der wichtigste Wachstumstreiber im Konzern war.

Seit 2003 an der Spitze

Noch im Sommer hatte Diekmann, der die Allianz seit Anfang 2003 führt, signalisiert, dass er Lust auf eine Verlängerung hat. Etliche Analysten und Investoren hatten bis zuletzt erwartet, dass er trotz Erreichens der Altersgrenze im Dezember noch ein oder zwei Jahre dranhängt.

Doch nun teilte der Konzern im Anschluss an die mit Spannung erwartete Aufsichtsratssitzung mit, der Top-Manager habe angesichts seines bevorstehenden 60. Geburtstages den Wunsch geäussert, seinen Vertrag enden zu lassen.

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Man lässt Diekmann nur ungerne ziehen

Chefkontrolleur Helmut Perlet lässt ihn nur ungern ziehen: «Es ist der Verdienst der exzellenten Arbeit von Michael Diekmann und seinem Vorstandsteam, dass die Allianz Gruppe heute so gut dasteht», erklärte er. «Wir haben ihn gebeten, zur Hauptversammlung 2017 für den Aufsichtsrat der Allianz SE zu kandidieren, damit die Allianz weiterhin von seinen Fähigkeiten und seiner Erfahrung profitieren kann.»

Diekmann hat den Konzern erfolgreich und geräuschlos durch die Finanzkrise geführt, verschlankt und das Abenteuer Dresdner Bank beendet. Nun geht er zu einer Zeit, zu der die Allianz gerade erst die beiden Aushängeschilder von Pimco - Mohamed El-Erian und Bill Gross - verloren hat. Die Aktie der Allianz reagierte nicht auf die Nachricht: Sie notierte in Frankfurt mit dem Gesamtmarkt leicht im Minus.

Stabübergabe am 6. Mai

Die Hauptversammlung am 6. Mai fällt in das Jahr des 125. Geburtstags der Allianz. Auf dem Aktionärstreffen dürfte nach Ansicht von Branchenkennern auch eine Rekorddividende präsentiert werden - der perfekte Rahmen für die Stabübergabe.

Bätes Vertrag läuft dann bis Ende September 2019. Dem früheren McKinsey-Berater, der erst 2008 zur Allianz stiess, dann aber direkt in den Vorstand einzog, dürfte indes nicht viel Zeit zum Feiern bleiben. Denn ob die massiven Mittelabflüsse von Pimco bis dahin gestoppt sind, steht Branchenkennern zufolge in den Sternen.

Probleme bei Pimco

Das Anleihehaus muss sich in den nächsten Monaten vom Personenkult um den abtrünnigen Gründer Bill Gross befreien und mit der neuen Mannschaft behaupten, wie mehrere Grossinvestoren in den vergangenen Tagen im Gespräch mit Reuters mahnten.

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Auch Analyst Ben Cohen von Canaccord Genuity in London ist skeptisch: «Die kurzfristige Herausforderung besteht darin, die Abflüsse zu stoppen und den Tanker wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen», erklärte er.

Bäte stach Riess aus

Bäte setzte sich im Rennen um die Konzernspitze gegen den erfolgreichen Chef der Allianz Deutschland, Markus Riess, durch, dem Vertraute ebenfalls Ambitionen nachgesagt hatten. Er steigt jetzt aber nicht in den Vorstand der Allianz-Holding auf. Dafür beschloss der Aufsichtsrat eine Reihe anderer Personalien: Clement Booth und Gary Bhojwani scheiden zum Jahresende aus dem Führungsgremium aus. Ersterer aus Altersgründen, letzter nach offiziellen Angaben im gegenseitigen Einvernehmen.

Weitere Personalrochaden

Bhojwani war für das US-Geschäft zuständig und für das Sorgenkind Fireman's Fund, das jetzt aufgespalten wird. Die Verantwortung für das US-Geschäft fällt ab 2015 zusätzlich Jay Ralph zu, der die Vermögensverwaltung im Konzern leitet. Der Vertrag von Finanzchef Dieter Wemmer wurde um drei Jahre verlängert. Werner Zedelius (Personal) und Helga Jung (M&A) dürfen ebenfalls bleiben.

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Neu in den Vorstand ziehen Sergio Balbinot und Axel Theis. Balbinot wird von Bäte das Versicherungsgeschäft in West- und Südeuropa übernehmen, Theis leitet das globale Industrieversicherungsgeschäft, die Kreditversicherung und die Versicherungsgeschäfte in Irland und Grossbritannien.

(reuters/ise)