Griechenland-Krise und schwache italienische Banken: Angesichts der Unsicherheiten an den Finanzmärkten vermeidet Europas grösster Versicherer Allianz jede zu optimistische Prognose. «Wir erwarten noch weitere Schocks, bevor sich alles wieder beruhigt», sagte Controlling-Vorstand Oliver Bäte bei der Vorlage der Quartalszahlen in München. An seinem Ziel für 2012 - einem operativen Gewinn von 7,7 bis 8,7 Milliarden Euro - hielt der Manager zwar fest. Genauer festlegen wollte er sich allerdings nicht. Dafür sei die Lage viel zu unsicher.

Betont optimistisch äusserte sich Bäte zur Entwicklung in Italien, wo die Allianz besonders viel Geld in Staatsanleihen angelegt hat. Der Vorstand sehe die Sparpolitik von Ministerpräsident Mario Monti weiter positiv. Dass die Rating-Agentur Moody's am Montag die Kreditwürdigkeit von 26 Italienischen Banken herabgestuft hat, beunruhigte Bäte kaum. In anderen Ländern Europas seien die Banken teils deutlich schlechter kapitalisiert als in Italien. Für welche Länder dies gilt, wollte er jedoch nicht verraten.

In Staatsanleihen investiert

Die Allianz ist auf dem italienischen Lebensversicherungsmarkt stark vertreten und hat deshalb auch Milliarden in Anleihen des Staates investiert. Ende März summierte sich die Anlagesumme auf 31 Milliarden Euro. Das ist der Löwenanteil der gut 36 Milliarden Euro, die die Allianz insgesamt bei den sogenannten PIIGS-Staaten im Feuer hat. An zweiter Stelle stehen spanische Staatsanleihen. Portugiesische und irische Papiere sind nur noch minimal vertreten, griechische überhaupt nicht mehr.

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Insgesamt hatte die Allianz fast 431 Milliarden Euro in festverzinslichen Papieren angelegt. Die Anleihen der PIIGS-Staaten stellen davon 8,4 Prozent. Die unrealisierten Verluste gingen zwischen Ende Dezember und Ende März um zwei Drittel auf rund 1,2 Milliarden Euro zurück. Die Allianz-Aktie legte nach den Nachrichten vom Dienstag zu. Das Papier lag zuletzt mit einem Plus von rund einem Prozent bei 77,91 Euro. Der Dax-Konzern hatte die Eckdaten zum ersten Quartal bereits bei der Hauptversammlung vergangene Woche veröffentlicht.

Zwischen Januar und März profitierte die Allianz wie erwartet von dem milden Katastrophenverlauf. Unter dem Strich kletterte der Überschuss um 60 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro, nachdem ein Jahr zuvor der Tsunami in Japan und das Erdbeben in Neuseeland das Ergebnis belastet hatten. Von dem Gewinn stammen 82 Millionen Euro aus einer Stützungsaktion für den US-Versicherer Hartford, der im April Finanzhilfen von 2,4 Milliarden US-Dollar zurückbezahlt hatte. Ein Gewinn von weiteren 100 Millionen Euro dürfte daraus im zweiten Quartal dazukommen.

Schaden- und Unfallversicherung als Anker

Auch im eigentlichen Geschäft lief es für die Allianz besser. Der Umsatz wuchs zwischen Januar und März um ein halbes Prozent auf 30,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte gar um 40 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu. Dazu steuerte alleine die Schaden- und Unfallversicherung fast 1,2 Milliarden Euro bei - ein Plus von 79 Prozent. Im Gegensatz zum Vorjahreszeitraum reichten die Beitragseinnahmen diesmal aus, um die Ausgaben für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die Schaden-Kosten-Quote blieb mit 96,2 Prozent unter der entscheidenden 100-Prozent-Marke.

Für das zweite Quartal zeichnet sich bereits die erste Belastung ab: Wegen mehrerer Wirbelstürme in den USA im April rechnet die Allianz mit Schäden von 66 Millionen Euro. In der Lebensversicherung ging die Nachfrage nach fondsgebundenen Produkten zurück. Zudem drückten die Einstellung des Angebots in Japan und ein rückläufiger Absatz in Italien auf die Beitragseinnahmen. Dank höherer Gewinne aus Kapitalanlagen stieg der operative Gewinn der Sparte trotzdem um knapp 18 Prozent auf 826 Millionen Euro. Auch die dritte Säule, die Vermögensverwaltung, steuerte mit 613 Millionen Euro gut 16 Prozent mehr bei als ein Jahr zuvor.

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(vst/laf/awp)