Die Meldung des ZVV war denkbar knapp gehalten: Der Pilotbetrieb der neuen ZVV-Ticketautomaten verzögert sich. Interne Tests hatten ergeben, dass das neue System noch nicht betriebsbereit ist. Das war im April 2008. Die hochkomplexen neuen Fahrscheinautomaten laufen bis heute nicht. Wann die neuen Geräte in Betrieb gehen können, ist noch immer offen, erklärt Beatrice Henes vom ZVV. Für die Hersteller des neuen Automaten ist die Situation etwas unerfreulich. Zumal die Software als kritischer Erfolgsfaktor das Kernstück der neuen Fahrkartenautomaten bildet. Neben zahlreichen Sicherheitsfeatures werden sie dereinst eine ganze Anzahl von neuen Sonderfunktionen erfüllen.

Nico Tschanz, Chef der Schweizer Software Quality Systems (SQS), ist derartige komplexe Anforderungen gewohnt. Mit rund 100 Mitarbeitern sorgt er dafür, dass die Hersteller mit ausgereiften Produkten auf den Markt kommen. «Leider», bedauert Tschanz, «werden wir noch allzu oft erst viel zu spät oder schon mitten im Entwicklungsprozess einer Software hinzugezogen.» Das sei in der Regel ein Versäumnis, das den Hersteller nicht selten teuer zu stehen komme. Allerdings bessere sich die Situation. Seit wenigen Jahren beobachtet Tschanz ein Umdenken.

Imageschaden kommt noch dazu

Insbesondere hätten nun auch KMU erkannt, wie wichtig die frühzeitige Integration des Testings und der Qualitätssicherung bei der Software-Entwicklung sei. «Jeder Fehler, der vor dem Rollout eines neuen Produktes gefunden wird, verhindert das 20-fache der Kosten einer Behebung nach der Inbetriebnahme», stellt Tschanz klar. Den möglicherweise damit einhergehenden Imageschaden will er gar nicht erst beziffern. Misslingt einem kleinen Unternehmen mit nur wenigen Produkten die Entwicklung einer robusten Software, könne das den gesamten Betrieb in Schieflage bringen.

Anzeige

Personal hat keine Ahnung

Dennoch ist das Testen von Software in vielen Unternehmen noch immer schlecht organisiert. Das jedenfalls legt eine aktuelle Untersuchung der Analysten von Pierre Audoin Consultans (PAC) nahe. Zwar halten rund 65% der befragten 1030 Entwickler in 13 Ländern das Implementieren einer Testumgebung für eine entscheidende Investition in die Entwicklung neuer Produkte. Doch mehr als ein Drittel der Spezialisten wusste nicht einmal, wie viele Tester in ihrem Betrieb beschäftigt sind. Transparenz fehlt zudem bei den Kosten fürs Testing und die Qualitätssicherung, gut zwei Drittel der Befragten können sie nicht beziffern.

Grosse Übereinstimmung besteht dagegen darin, dass die Tests unabhängig von der Entwicklung methodisch sauber konzipiert und durchgeführt werden müssen. Tschanz sieht darin die Erkenntnis, dass die Software-Entwickler und das Management erkannt hätten, wie sehr sie in ihrer Arbeit zu Betriebsblindheit neigen. Ständig werden im Entwicklungsprozess immer wieder neue Funktionen entdeckt, die man gern ins neue Produkt integrieren möchte. «Mit dem Essen kommt der Hunger», erklärt der SQS-Mann die Lage. Hier sorgen das methodisch saubere Testing und die Qualitätssicherung dafür, dass nicht ein Fass ohne Boden entsteht. Denn wenn der Überblick verloren gehe, liessen sich auch die Kosten sich nicht mehr kontrollieren, warnt Tschanz. Empfindliche Konsequenzen, die ein neues Gerät schon im Entstehungsprozess torpedieren.

Firmen wie Zühlke Engineering und eben SQS helfen als Externe, den Tritt in derartige Fallen zu vermeiden. Man muss sie nur früh genug einspannen. Beim ZVV wartet man unterdessen noch auf einen realisierbaren Zeitplan für den Pilotbetrieb der neuen ZVV-Automaten.