Syngenta stellt sein Business auf Hawaii ins Schaufenster. Die Basler Agrochemiefirma verkauft ihre beiden Standorte auf den Inseln Oahu und Kauai. Die Medienstelle bestätigt entsprechende Medienberichte aus den USA. Es geht um über 24 Quadratkilometer Land und über 100 Angestellte.

Syngenta begründet den Schritt mit einem strategischen Wechsel. Über einen möglichen Käufer oder einen Kaufpreis schweigt sich das Unternehmen aus. Die Pressestelle sagt nur, dass der Exit kein finales «Aloha» ist. «Nach dem Verkauf möchte Syngenta mit dem neuen Besitzer zusammenarbeiten», heisst es aus Basel.

Mekka der Saatgutforschung

Der Entscheid kommt überraschend. Hawaii gilt als Epizentrum für Forschung und Entwicklung für genetisch verändertes Saatgut. Syngenta, BASF, Monsanto, Dow, DuPont – alles, was Rang und Namen hat in der Saatgutindustrie, tummelt sich hier im Pazifik. Die Inseln sind ausgedehnte Testfelder, auf denen die Industrie gentechnisch veränderte Mais- und Sojasorten anpflanzt und den Effekt von verschiedenen Pestiziden misst.

Die Gegend eignet sich ideal als Versuchslabor. Das Klima ermöglicht drei bis vier Ernten im Jahr. Rundherum ist nichts als der Pazifik. Bis zum amerikanischen Festland sind es mehrere tausend Kilometer. Ähnlich weit entfernt ist der asiatische Kontinent. Das gentechnisch veränderte Saatgut hat keine Chance, vom Wind aufs Festland getragen zu werden, wo es sich dann unkontrolliert verbreiten kann. Hawaii ist isoliert.

Rechtsstreit auf Kauai

Der ständige Einsatz Gifteinsatz wird für schwere Erkrankungen und Geburtsfehler verantwortlich gemacht. Das führte zu Protesten in der Bevölkerung. Das Parlament von Kauai stimmte 2013 deshalb einem Gesetzesvorschlag zu, der eine Auskunftspflicht für Agrarunternehmen über versprühte Pestizide vorsieht. Ausserdem sollte das Sprühen in der Umgebung von Schulen und Spitälern verboten werden.

Das Gesetz trat allerdings nie in Kraft. Syngenta hatte zusammen mit drei weiteren Agrokonzernen erfolgreich dagegen geklagt. Ein Entscheid des Berufungsgerichts ist ausstehend.

Konzession an die Amerikaner

US-Medien spekulieren nun über einen Zusammenhang zwischen diesem Rechtsstreit und dem Rückzug von Syngenta. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Schritt in Zusammenhang mit dem Verkauf an den chinesischen Konzern ChemChina steht. ChemChina bietet 43 Milliarden Dollar für die Basler. Sie haben das Kaufangebot jüngst zum dritten Mal verlängert, weil noch nicht alle Genehmigungen von Aufsichtsbehörden vorliegen. Die Frist zur Annahme der Offerte läuft bis Anfang November.

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Die grösste Hürde ist aber genommen. Die US-Behörde Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) hat Ende August grünes Licht für den Deal gegeben. Welche Auflagen damit verbunden waren, ist nicht bekannt. Ein Zusammenhang zum Verkauf des Geschäfts auf Hawaii ist aber fast nicht von der Hand zu weisen. Die beiden Entscheide liegen zeitlich derart nahe beieinander. Und das Unternehmen gibt sich äusserst wortkarg in der Erklärung – womöglich ein Maulkorb aus den USA.

Kein Chinese auf Pearl Harbor

Ein weiteres Indiz: Zahlreiche US-Politiker lobbyierten im Vorfeld des CFIUS-Entscheides gegen den Verkauf nach China. Senatoren verschiedener Bundesstaaten sahen die nationale Versorgungssicherheit in Gefahr. Der Verkauf nach China gebe Peking eine stärkere Kontrolle über wichtige Teile der US-Nahrungsmittelindustrie, so die Befürchtung. Ein erzwungener Exit aus Hawaii wirkt da als Zugeständnis an die Skeptiker.

Dazu kommt, dass Hawaii der wichtigste Stützpunkt der US-Navy ist. Der Hafen auf der Insel Oahu ist das Hauptquartier der US-Pazifikflotte. Pearl Harbor gilt als essentiell für die nationale Sicherheit der USA und ist seit dem Angriff der japanischen Streitkräfte im Dezember 1941 Teil des kollektiven Gedächtnisses. Ein chinesischer Konzern passt da nicht ins Bild. Schliesslich kann nur Peking die amerikanische Hegemonie bedrohen.