Ein Besuch bei Alois Lageder auf seinem Ansitz Tòr Löwengang in Margreid, im südlichen Teil der Südtiroler Weinstrasse, ist immer eine Begegnung der besonderen Art. Der weltoffene und selbstbewusste Qualitätspionier des Südtiroler Weinbaus macht zusammen mit seinen Mitarbeitern laufend bemerkenswerte Schritte vorwärts. Vorwärts heisst für Alois Lageder jedoch nicht, auf der jeweils neusten Welle einer schnelllebigen Mode mitzusurfen, sondern vielmehr das auf den Grundsätzen der Ganzheitlichkeit basierende Bemühen, beharrlich den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und auf behutsame und die Natur respektierende Weise eigenständige, ausdrucksstarke Weine zu keltern.


Im Einklang mit der Natur

Dabei zählt für Alois Lageder nicht das Endresultat allein. Genauso wichtig ist ihm, dass der Weg, der zum Ziel führt, durch nachhaltiges Handeln geprägt ist. «Nur im Einklang mit der Natur», betont er, «kann man auf Dauer hochwertige Weine erzeugen.»

Alois Lageder, der in fünfter Generation zusammen mit seiner Schwester Wendelgard von Dellemann und deren Gatten, dem Önologen Luis von Dellemann, das 1855 in Bozen gegründete Familienunternehmen leitet, ist nicht ein Mann der grossen Worte, sondern des konsequenten Handelns. Als einer der ersten im Südtirol erkannte er in den 1980er Jahren, dass die Zukunft des Weinbaus nicht in der Quantität, sondern in der Qualität liegt.

Seither hat er unermüdlich daran gearbeitet, seine zukunftsweisenden Vorstellungen zu verwirklichen. Dazu gehört auch die Errichtung des neuen Keller- und Verwaltungsgebäudes in Margreid 1996. Das als Niedrigenergiebau konzipierte Gebäude kommt gänzlich ohne fossile Brennstoffe aus.

Besondere Aufmerksamkeit hat Lageder über die Jahre hinweg der Verbesserung des Rebbaus geschenkt. Neubestockungen, sorgfältige, dem Terroir angepasste Sortenwahl, die Ersetzung der traditionellen Pergel durch Drahtrahmen und die Erhöhung der Stockdichte auf 6000 bis 8000 Rebpflanzen pro Hektar haben dazu beigetragen, die Qualität und die Typizität der Trauben zu verbessern.

Anzeige


Der Boden als Organismus

Seit etlichen Jahren befasst sich Lageder zudem intensiv mit der Biodynamik, die den Boden als lebendigen Organismus begreift und bestrebt ist, diesen zu revitalisieren. «Die Erfahrungen mit unseren biodynamisch kultivierten Rebparzellen sind äusserst positiv», erklärt Lageder. «Die Reben sind eindeutig vitaler und resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge als konventionell oder biologisch-organisch bewirtschaftete Reben.» Deshalb soll nun die Bewirtschaftung der eigenen Rebberge schrittweise umgestellt werden. Und das sind immerhin 63 ha Rebfläche: 31 ha gehören zum Gut Tòr Löwengang, weitere 32 ha zusammenhängende Weinberge zum 1991 erworbenen Ansitz Casòn Hirschprunn. Auf dem nur wenige Schritte vom Ansitz Tòr
Löwengang entfernt liegenden Anwesen im Dorfzentrum von Margreid hat Lageder, inspiriert von der Bordelaiser Château-Phi losophie, mit der Südtiroler Tradition gebrochen, wonach Ernte, Kelterung und Ausbau nach Rebsorten getrennt erfolgen. Stattdessen keltert er auf Casòn Hirschprunn – grösstenteils als Traubencuvée verschiedener Sorten – je zwei rote und zwei weisse Lagenweine.


Geburtshelfer und Erzieher

Lageder vergleicht seine Rolle als Winzer mit der eines Geburtshelfers und Erziehers. «Das Potenzial eines Weines ist bereits in den Trauben enthalten, unsere Aufgabe besteht darin, das, was in der Natur angelegt ist, auf möglichst sanfte Art in eigenständige, ausdrucksvolle Weine zu verwandeln.» Die Trauben stammen aus seinen beiden Güter sowie aus selektionierten Lagen von qualitätsbewussten Rebbauern.

Neben den Cuvées des Ansitzes Casòn Hirschprunn erzeugt Lageder auf dem Gut Tòr Löwengang 30 Weine, die in vier Qualitätslinien aufgeteilt sind: Die aus den traditionellen Südtiroler Rebsorten gekelterten «Klassischen Weine», die Gewächse der «Weinhöfe» von ausgesuchten Einzellagen, je eine weisse und rote Weinguts-Cuvée («Portico dei Leoni») sowie die in Barriques ausgebauten Spitzenweine der «Weingüter». So unterschiedlich Lageders Weine je nach Sortenzusammensetzung, Reblage, Ausbau und Jahrgang auch sein mögen, ihnen allen ist Finesse, Eleganz, Nuancenreichtum und ein grosses Alterungspotenzial eigen.

------

www.aloislageder.eu
www.bindellaweine.ch

------

Gut Tòr Löwengang

Weissweine

2006 Haberle, Pinot bianco: Feines, fruchtiges Bouquet. Im Gaumen elegant, saftig, schöne Balance, langer, trockener Abgang (2005: 19.90 Fr.).

2006 Benefizium Porer, Pinot grigio: Markante Nase mit Aromen von weissen Früchten. Kräftiger, aber eleganter Körper, facettenreiche Aromatik, harmonische Säure, lang anhaltender
Nachhall (22.50 Fr.).

2006 Lehen, Sauvignon blanc: Sortentypische Nase mit Aromen von Brennnesseln und Holunderblüten. Im Gaumen mittelgewichtig, strahlende Frucht, gut eingebundene knackige Säure, langes Finale(2005: 27 Fr.).

2004 Löwengang, Chardonnay: Ausdrucksvolles, delikates Bouquet. Vollmundig, vielschichtige Aromatik, frische Säure, schön ausbalanciert, langer, saftig-frischer Nachhall (39.50 Fr.).

Rotweine

2003 Lindenburg, Lagrein: Reichhaltige Nase mit Aromen von schwarzen Früchten und Würznoten. Fleischiger, voller Körper, nuancenreiche Aromenpalette, präsentes, gut integriertes Tannin, saftige Säure, langes Finale (30.50 Fr.).

2003 Còr Römigberg (Cabernet Sauvignon, Petit Verdot): Vielschichtiges, nobles Bouquet mit fruchtigen und würzigen Geruchsnoten. Im Gaumen vollmundig, dicht gewobene Textur, komplex, kräftiges, gut integriertes Tannin, sehr lang anhaltender, frisch-fruchtiger Abgang (2000: 61.50 Fr.).