Die bestehenden Wasserkraftanlagen lassen für einen weiteren Ausbau noch einen gewissen Spielraum offen. Dabei stehen die Optimierung von Kraftwerken sowie der qualitative Zubau im Vordergrund. Gefordert sind eine bessere Anpassung der Produktion an die Nachfrage mittels Vergrösserung der Speicherkapazität und eine Leistungssteigerung. Nachdem der Zuwachs gemäss der Statistik des Bundesamts für Energie (BFE) 2008 rund 12 MW an maximal möglicher Leistung ab Generator sowie 30 GWh an der mittleren Produktionserwartung im Jahr betragen hat, ist dank der in Neubau oder Ausbau befindlichen Zentralen eine Zunahme um 794 MW bzw. 461 GWh zu erwarten.

Kraftwerkbau der Superlative

Eine gewaltige Steigerung der Energieproduktion wird ab 2015 durch das neue Pumpspeicherwerk der Kraftwerke Linth-Limmern (KLL) im hintersten Teil des Kantons Glarus generiert. Die Leistung des seit bald 50 Jahren in Betrieb stehenden Kraftwerks werden sich durch die vier in unterirdischen Kavernen betriebenen Turbinen um 1000 auf 1460 MW erhöhen.

Das bedingt für die zur Axpo-Tochtergesellschaft Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) gehörende Kraftwerke Linth-Limmern AG Investitionen von 2,1 Mrd Fr. Entsprechend den Besitzverhältnissen der KLL von 85% NOK und 15% Kanton Glarus gestaltet sich auch die Finanzierung. So soll in einem ersten Schritt das Aktienkapital der KLL von gegenwärtig 50 auf 350 Mio Fr. aufgestockt werden. Die NOK müssen demnach 255 Mio Fr. neues Kapital bereitstellen. Die restlichen 45 Mio Fr. sind durch den Kanton Glarus einzuschiessen, heisst es dazu von der NOK. Für das Gros von 1,8 Mrd Fr. planen die NOK langfristiges Fremdkapital am Markt zu beschaffen. Trotz dieses grossen Brockens erwartet die Kraftwerkgesellschaft, die Anlagen über die Konzessionsdauer von 80 Jahren wirtschaftlich betreiben zu können.

Herausfordernde Baustellen

Aber auch technisch wartet die neue Kraftwerkanlage mit einigen Superlativen auf: Damit wird das grösste Wasserkraftwerkprojekt und momentan das umfangreichste Bauvorhaben im Energiebereich der Schweiz realisiert. Das KLL-Projekt basiert auf dem Konzept, das Wasser aus dem Limmernsee in den 630 m höher gelegenen Muttsee zurückzupumpen, um es bei Bedarf wieder zur Stromproduktion nutzen zu können. Damit wird sich die Leistung auf 1460 MW verdreifachen.

Das Herzstück des Projekts Linthal 2015 bildet ein neues unterirdisches Pumpspeicherkraftwerk. Dazu wird auf 1700 m ü. M. und 600 m tief im Berginnern am Fuss der heutigen Staumauer des Limmernsees eine riesige Felskaverne ausgebrochen, in der vier Pumpturbinen mit je 250 MW Leistung eingebaut werden. Die Turbinenzentrale wird über zwei parallel geführte Druckschächte und einen Druckstollen mit dem Muttsee und durch zwei rund 500 m lange Unterwasserstollen mit dem Limmernsee verbunden. Von Tierfehd im Talboden aus wird ein neuer Zugangsstollen zur Kraftwerkkaverne vorgetrieben und mit einer Standseilbahn für den Transport der schweren Anlagenteile ausgerüstet.

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Staumauer als Herzstück

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Projekts ist der Bau einer Gewichtsstaumauer am südlichen Ufer des Muttsees. Der Muttsee wird mit einem auf 2474 m erhöhten maximalen Stauziel zum höchstgelegenen Speicherbecken Europas. Er wird mit einer bis zu 35 m hohen und über 1 km langen Staumauer - der längsten in der Schweiz - vergrössert. Dabei wird das Fassungsvermögen des Sees, der heute über ein Speichervolumen von 9 Mio m³ Wasser verfügt, auf 24 Mio m³ fast verdreifacht.

Hinzu kommt ein zusätzliches Ausgleichsbecken in Tierfehd, das nördlich der Freiluftschaltanlage angelegt wird. Das Speichervolumen kann damit von heute 210000 m³ auf 560000 m³ gesteigert werden. Nachdem das Baugesuch dafür im Frühjahr 2008 eingereicht worden war, sind nun die Hauptarbeiten im Gange.

Das Ausbauprojekt Linth-Limmern ist durch schwierige logistische und klimatische Verhältnisse gekennzeichnet. So ist ein umfangreiches Netz von Zugangstunnels, Stollen und Druckschächten zu erstellen. Das Hauptbaulos umfasst einen Zugangsstollen I zur Versorgung der Kavernenbaustelle. Er führt von 800 m ü. M. bis auf 1600 m, hat eine Länge von 4,5 km und eine Neigung von 24%. Dieses Stollenbauwerk ist als Vortrieb mit Tunnelbohrmaschine von 8 m Durchmesser projektiert. Zum Hauptbaulos gehören die Turbinenkaverne und die Staumauer Muttsee.

Nach umfangreichen Bauvorbereitungen beginnen die Hauptarbeiten im Frühjahr 2010. Diese umfassen ein Auftragsvolumen von 620 Mio Fr. und wurden an eine Arbeitsgemeinschaft unter Federführung der Marti Baugruppe mit Toneatti AG, Tubau SK und Iceland Prime Contractor Island vergeben.

Wesentlicher Bestandteil der Logistik für das neue Kavernenkraftwerk sind die beiden Schwerlast-Luftseilbahnen: Die Teilabschnitte Tierfehd-Kalktrittli und Ochsenstäfel-Muttsee sind durch den bestehenden Kraftwerkstollen verbunden und werden für eine Nutzlast von je 25 t und eine Ausnahmelast von 40 t errichtet.

Bereits fertiggestellt ist der rund 800 m lange Sondierstollen vom Fuss der Staumauer Limmernboden in die künftige Kraftwerkzentrale.