Die Chefin des grössten Schweizer Stromkonzerns, Jasmin Staiblin, liegt im Clinch mit dem Alpiq-Verwaltungsrat. Wie Recherchen der Handelszeitung zeigen, wollte Staiblin umfangreiche Wertberichtigungen auf den Schweizer Kraftwerkspark vornehmen. Gemäss eines Insiders ging es um Abschreiber in der Höhe von ein bis zwei Milliarden Franken.

Doch die vormalige Industriemanagerin konnte sich gegen Alpiq-Präsident Hans E. Schweickardt und die VR-Mitglieder aus der Romandie nicht durchsetzen. Die Impairment-Gegner hielten der Managerin vor, sie wolle sich ihre eigene Aufgabe durch den Milliardenabschreiber bloss erleichtern. Auch Staiblins Vorschlag, die AKW-Beteiligungen zu veräussern, schmetterte das oberste Gremium ab.

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«Weitere Abschreiber sind nicht auszuschliessen»

Offiziell betont Alpiq, die Werthaltigkeit der Produktionseinheiten würde jährlich im Detail geprüft und, falls nötig, die entsprechenden Abschreibungen vorgenommen. Doch Strom-Analyst Dominik Meyer von der Bank Vontobel warnt: «Weitere Abschreiber und Devestitionen sind nicht auszuschliessen, angesichts der angespannten Marktlage und der sich nicht abzeichnenden regulatorischen Änderungen.»

Besonders dominant tritt im Verwaltungsrat die grösste Alpiq-Aktionärin, die EOS Holding, auf. Die Vertreterin der welschen Regionalversorger hat im Zuge der Fusion zur heutigen Alpiq 2009 ihren Wasserkraftspark eingebracht und liess ihn sich in der damaligen Markteuphorie vergolden. Die hohen Amortisationskosten der überbewerteten Assets lasten nun auf der angeschlagenen Alpiq.

Doch eine ausserordentliche Wertberichtigung würde die Regionalversorger in der Romandie empfindlich treffen und käme für die mächtige EOS-Führungsmannschaft um deren Präsident Guy Mustaki einem Gesichtsverlust gleich. «Die Wasserkraft zu erhalten, hat deshalb oberste Priorität. Koste es, was es wolle», sagt ein Konzernmann.

Auch in Geschäftsleitung rumort es

Nicht nur mit dem Verwaltungsrat hat Jasmin Staiblin zu kämpfen. Auch in der Alpiq-Geschäftsleitung rumort es. So hat Finanzchef Patrick Mariller im Frühjahr seinen Rücktritt angekündigt, er bleibt aber bis zur Nachfolge im Amt. Die Suche sei im Gang, lässt Alpiq ausrichten.

Mit dem eher zurückhaltenden Mariller verlässt ein Mann den Stromkonzern, gegen den sich Staiblin ursprünglich im Auswahlprozess um den CFO-Posten ausgesprochen hatte, wie die «Handelszeitung» erfahren hat. Auch in dieser wichtigen Personalie musste sich die damals designierte Alpiq-Chefin dem VR-Entscheid fügen.

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