Seit Februar treten Atel und EOS unter dem Namen Alpiq auf. Diese bisher grösste Fusion in der Schweizer Strombranche wird nicht die letzte gewesen sein. Von den heute rund 900 Stromversorgungsunternehmen werde in den nächsten fünf bis zehn Jahren «mindestens die Hälfte einen Partner suchen müssen», sagt Professor Matthias Finger von der ETH Lausanne; Finger hält den von der Post finanzierten Lehrstuhl für das Management von Netzwerkindustrien und ist Mitglied der Eidgenössischen Elektrizitätskommission, des Aufsichtsorgans des Bundes. Selbst wenn es in der Schweiz aber nur noch 400 Energieunternehmen gäbe, wären das immer noch viele: Im zehmal grösseren Deutschland streiten sich 900 Energieunternehmen um Kunden.

BKW als nächster Kandidat

Nach der Alpiq-Fusion wird erwartet, dass die Konsolidierung unter den Riesen der Schweizer Strombranche weitergeht. Als nächster Kandidat wird die Berner BKW gehandelt. Sie ist nach der Fusion von Atel und EOS von der neu entstandenen Alpiq eingekesselt; offen ist nur noch ihre Ostflanke in Richtung Axpo-Konglomerat. «Auch die BKW muss sich mittelfristig nach einem Partner umsehen», sagt Professor Finger. Der europäische Strommarkt internationalisiere sich, und daran teilhaben könne man nur noch, wenn man international vernetzt sei. Zum heutigen Zeitpunkt könne sich die BKW noch aus freiem Willen mit einer anderen Firma zusammenschliessen - und müsse dies nicht aus Notwendigkeit tun.

Die Marschrichtung für die BKW ist vorgegeben: In Richtung Osten hin zur Axpo. Mit ihr hat die BKW zwei Projekte für neue Kernkraftwerke eingereicht. BKW-CEO Kurt Rohrbach hält von solchen Überlegungen zu einer Fusion jedoch wenig; die BKW fühle sich in ihrer heutigen Situation wohl, betont er auf Anfrage. Fusionsgespräche mit der Axpo gibt es laut Rohrbach nicht. Die Strommarktliberalisierung löst nicht nur bei den Überlandwerken Anziehungskräfte aus. Mit der Marktöffnung für Grosskunden gelten neue Anforderungen an alle Elektrizitätsversorger, selbst wenn diese keine Grosskunden beliefern. Jeder Versorger muss belegen, wie viel er für die Durchleitung des Stromes berechnet. Die Folgen davon lassen sich am Fall der Elektra Römerswil ablesen: Die Elektrizitätsgenossenschaft wurde 1914 gegründet, weil sich die Centralschweizerischen Kraftwerke damals weigerten, Strom in die Region zu liefern. Vor kurzem nun ist Elektra Römerswil zum einstigen Gegner übergelaufen.

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Präsident Walter Aeschlimann bedauert es zwar, dass seine traditionsreiche Genossenschaft verschwindet. «Doch die Berechnung der diversen Kostenkomponenten, die aufwendigere Buchhaltung und die Rechnungsstellung ist für eine Milizorganisation kaum noch zu handhaben», sagt er. Aeschlimann weiss noch von anderen Genossenschaften, die sich in die Arme eines Grösseren flüchten möchten - und von anderen, die sich noch gar nicht recht bewusst sind, «was mit der Liberalisierung auf sie zukommt». Generalisieren will Aeschlimann allerdings nicht: Es gebe durchaus kleine Versorger, die sich dank einem kompakten Versorgungsgebiet und vorteilhaften Strukturen weiterhin im Markt behaupten könnten.

Kooperation als Mittelweg

Das sieht auch Matthias Finger so. Zu Zusammenschlüssen werde es am ehesten bei den Stromproduzenten kommen. Bei den Stromverteilern sieht Finger hingegen das Eingehen von engen Kooperationen als gangbare Lösung - gerade auch, weil Verkäufe politisch oftmals nur schwierig durchsetzbar sind. Denkbar sind laut Finger dabei der gemeinsame Stromeinkauf und Kooperationsmodelle, wie man sie aus der Airline-Branche kennt.

 

 

nachgefragt


«Schweiz ist ein Juwel in der Stromlandschaft»

Der Alpiq-Verwaltungsratspräsident Hans E. Schweickardt ist der Architekt der Fusion von EOS und Atel zur Alpiq.

Was bringt der Zusammenschluss von EOS und Atel zur Alpiq?

Hans E. Schweickardt: In ganz Europa findet eine Konsolidierung statt. Das bedeutet ein gewisses Risikopotenzial für die Schweiz, könnten Schweizer Firmen doch Opfer von ausländischen Begehrlichkeiten werden.

Aber unsere Stromunternehmen gehören Kantonen und Gemeinden, Übernahmen sind schwierig.Schweickardt: Ja, solange Kantone und Gemeinden das Geld nicht brauchen. Die Schweiz ist ein Juwel in der europäischen Stromlandschaft. Ein grosser Anteil der Stromtransite geht über unsere Grenzen, dank dem Wasserschloss können wir wichtigen Spitzenstrom liefern.

Bei der Alpiq ist die französische EDF an Bord. Warum?

Schweickardt: Ein ausländischer strategischer Partner kann einem in schwierigen Zeiten helfen. Er soll aber nicht dominieren.