Als die beiden Brüder Ueli und Jürg Liesch 1991 gemeinsam von ihren Eltern den Landwirtschaftsbetrieb in Malans übernahmen, wurden auf dem «Treib» genannten Gut nur gerade zwei Weine erzeugt: Ein Riesling x Sylvaner und ein Blauburgunder. Zwar hatte bereits Grossvater Johann Peter Liesch, der 1936 den Hof ausserhalb des Dorfkerns errichtet hatte, Reben kultiviert, doch die waren nur von marginaler Bedeutung. Erst 1969 sollte sich dies ändern. Vater Jakob gründete zusammen mit Hans Wegelin (der Vater des Winzers Peter Wegelin vom «Scadenagut»), Godi Clavadetscher und Georg Fromm eine Torkelgemeinschaft. 1970 kelterte er erstmals seinen eigenen Wein. Als feststand, dass sich auch die beiden Söhne Ueli und Jürg zum Weinbau hingezogen fühlten und ihre Winzerlehren absolviert hatten, entschloss sich Jakob Liesch, den Stall in einen Weinkeller umzubauen. Seit 1984 steht auf dem ehemaligen Mischbetrieb «Treib» der Wein im Zentrum.

Auskommen für zwei Familien

Nach einem mehrjährigen Kalifornien-Aufenthalt in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre und bestandener Winzer-Meisterprüfung übernahmen Ueli und Jürg Liesch 1991 den väterlichen Hof, der mittlerweile über eine Rebfläche von 3 ha verfügt. «Das war eine spannende Zeit», erinnert sich Ueli Liesch. «Eine Phase des Umbruchs im hiesigen Weinbau. Man begann, den Reben mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den Ertrag gezielt zu reduzieren.» – «Auch im Keller tat sich vieles», ergänzt Jürg Liesch, «denn nur wenn man auch kleine Details beachtet, kann die Qualität der Weine verbessert werden.» Gleichzeitig verdoppelten die Brüder Liesch die Rebfläche auf heute 6,5 ha, erneuerten alte Rebbestände und pflanzten neue Sorten an.

Aus den inzwischen zehn kultivierten Varietäten keltern Ueli und Jürg Liesch auf ihrem Zweifamilienbetrieb, auf dem auch die Frauen Nicole und Kornelia mitarbeiten, elf Weine.

Trotz der ansehnlichen Weinpalette von vier Weissweinen (ein frisch-fruchtiger Riesling x Sylvaner, ein Pinot gris, ein in Barriques ausgebauter Chardonnay und ein leicht restsüsser Rheinriesling) dominiert mit gut drei Vierteln der Rebfläche der Blauburgunder. Aus dieser noblen Sorte erzeugen die Lieschs fünf eigenständige Gewächse: Einen süffigen Rosé, einen klassischen Blauburgunder, eine gehaltvolle, während zehn Monaten in gebrauchten Barriques ausgebaute Auslese, einen tiefgründigen Pinot noir Barrique sowie einen dezent süssen Strohwein.

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Der schmeichlerische Merlot, von dem rund 800 Flaschen abgefüllt werden, rundet das Rotweinangebot ab. Das süsse Meisterstück ist der Deseo, der aus den Sorten Pinot gris, Rheinriesling und Kerner gekeltert wird. Bevor die Trauben in der zweiten Dezemberhälfte abgepresst werden, lässt man sie in der ehemaligen Scheune zwei Monate lang in Kistchen antrocknen.

Mit diesem breit gefächerten Weinsortiment haben die Lieschs die Weichen für die Zukunft gestellt. Vorläufig haben sie auch nicht die Absicht, weitere Sorten zu pflanzen. «Weinbau ist eine langlebige Angelegenheit», kommentiert Ueli Liesch. «Es empfiehlt sich nur dann, eine zusätzliche Sorte zu kultivieren, wenn man auch voll und ganz dahinterstehen kann. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass wir dereinst eine krankheitsresistente Neuzüchtung pflanzen werden.» Freilich nur dann, wie Bruder Jürg ergänzt, wenn sich aus dieser Sorte ein qualitativ überzeugender Wein keltern lasse.

Keine klassische Arbeitsteilung

Seit rund zwei Jahrzehnten arbeiten die Brüder Liesch nun schon eng zusammen. Wie teilen sie sich die Arbeit auf? Ist einer der beiden für den Keller, der andere für die Rebkulturen verantwortlich? Beide winken gleichzeitig ab. «Wir haben uns die Arbeiten nicht aufgeteilt», antwortet Ueli Liesch. «Jeder von uns macht alles, im Rebberg wie im Keller.» Und Bruder Jürg doppelt nach: «Es ist interessant und spannend, bei allen Arbeitsschritten dabei zu sein.» Dazu gehören freilich auch die Präsentation und der Verkauf der Weine. Dieses Jahr haben die beiden Brüder erstmals an der Weinmesse Prowein in Düsseldorf teilgenommen und ihre Weine vorgestellt. «Wir Schweizer Winzer brauchen uns doch mit unseren Weinen nicht zu verstecken», sagt Ueli Liesch, «deshalb haben wir diesen Schritt gewagt.»

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