Die Schweizer Start-up-Szene wurde von der Wirtschaftskrise weniger stark getroffen als befürchtet. Das zeigen die im vergangenen Jahr neu im Handelsregister eingetragenen Firmen: Die Zahl der Jungunternehmen ist 2009 im Vergleich zu 2008 nur um 4,3% auf 35 380 zurückgegangen. Zudem setzte die Aufhellung noch im alten Jahr ein: Bereits im Dezember 2009 gab es 4,0% mehr Neugründungen als im Dezember 2008.

Diese Erholungsphase setzte sich auch im Januar 2010 mit einem Plus von 3,81% fort, im Februar 2010 stieg die Zahl sogar um 15,8% gegenüber dem Vorjahresmonat.

Optimismus aus der IT-Branche

Die Non-Profit-Organisation Business Tools ist eine Tochtergesellschaft des Startzentrums Zürich und fördert seit 15 Jahren nachhaltig das Jungunternehmertum mit den Kursen «Lust auf eine eigene Firma», die an der ETH Zürich entstanden sind und von Business Tools übernommen sowie weiterentwickelt wurden. Das Fazit: Rund 18 000 Kursteilnehmer seit 1995. Die Hälfte stammt von der ETH Zürich, die andere Hälfte machen Teilnehmer von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Universität Zürich sowie Berufstätige (Anteil 28%) aus.

Die neusten Zahlen, Anfang März präsentiert von Ruth Imholz, Geschäftsführerin von Business Tools, belegen: Am meisten Mut bewiesen Gründer in der IT- und Internetbranche; diese ist mit 55% am stärksten vertreten, gefolgt von der Gesundheits- und Schönheitsbranche, dahinter die Bereiche Ausbildung, Forschung, Informatik und Marketing.

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Als Hauptschwierigkeiten gelten nach wie vor Finanzierungs- und Aufbauprobleme bei der Kundenakquisition. Deshalb ist das Startzentrum Zürich eine wichtige Adresse für Gründungswillige. Lanciert wurde es vor elf Jahren als die erste Schweizer Institution ihrer Art überhaupt, dies auf Initiative des heutigen Ehrenpräsidenten und Schweizer Konsuls der Niederlande, Charles J. Zijderveldt, eines Pioniers der Start-up-Szene. Es unterstützt den Firmenaufbau mit Beratung und Coaching, umfassenden Dienstleistungen, kompletter Infrastruktur, flexiblen Räumlichkeiten, Unterstützung bei Kapital- und Partnersuche, Kursen sowie Networking Events. Seit 1999 wurden mehr als 150 Jungunternehmen betreut. Die Erfolgsquote: Über 90%.

Venture als Spiegel des Erfolgs

Der nationale Venture-Wettbewerb von ETH Zürich und McKinsey Schweiz, dessen siebte Austragung im Mai in die Endrunde geht, hat sich in den vergangenen Jahren klar als Initiative vor allem für Hightech-Start-ups etabliert. 2010 kamen 124 von total 142 Teams von einer Schweizer Hochschule, davon 47 von der ETH Zürich und 27 von der EPF Lausanne.

Zwischen 1998 und 2008 wurden über 200 Firmen gegründet, die mehr als 2000 Arbeitsplätze geschaffen haben. «Am Investorentag, den wir in der zweiten Phase allen Finalisten von Venture anbieten, stossen wir auf immer grösseres Interesse von Seiten der Investoren», sagt Venture-Begründer Thomas Knecht, ehemaliger Leiter von McKinsey Schweiz und aktueller Patron der Knecht Holding (siehe «Nachgefragt»).

Er ist stolz, dass in diesem Jahr knapp 60 Anmeldungen von Investoren mit einem Capital under Management von gegen 5,5 Mrd Fr. eingetroffen sind. Knecht sieht in jedem Wettbewerb, dass von den Jungunternehmen neben den klassischen Industrien auch neue, sehr aktuelle Themen vorangetrieben werden und diese im Vergleich zu früher einen deutlichen Zuwachs erfahren haben, primär Energie und Umwelt. In der ersten Phase von Venture 2010 haben so zwölf Teams aus diesen Sparten teilgenommen. «Dies ist eine sehr positive Entwicklung.»

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Ein neuer Trend ist der steigende Anteil von Frauen. Doch so weit wie die Chemikerin Nina Geib haben es bisher nur wenige Gründerinnen gebracht. Sie wurde im Januar mit ihrer Firma Virometix für die Entwicklung einer neuen Impfstoffgeneration für eine der zehn besten Geschäftsideen ausgezeichnet. Mit ihr standen weitere drei Frauen aus drei anderen Teams im Finale.

Venture hat Veranstaltungen speziell für Unternehmerinnen ins Leben gerufen. Über 50 Frauen waren kürzlich am ersten Women@Venture Workshop in Zürich dabei. Am 27. April 2010 findet die zweite Auflage in Lausanne statt.

 

 

Nachgefragt


«Die Qualität der Ideen nimmt zu»

Thomas Knecht ist der Initiant des Start-up-Wettbewerbs Venture.

Was hat sich seit dem Start 1998 verändert?

Thomas Knecht: Mit Sicherheit haben Qualität und Sophistiziertheit der Ideen zugenommen, dies betrifft auch die Zusammensetzung der Teams und deren Advisory Boards.

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Venture ist sehr techniklastig. Haben andere Ideen eine Chance?

Knecht: Tibits ist ein solches populäres Beispiel. Der Anteil mit Serviceideen ist sehr hoch - jedes Jahr zwischen 14 und 25%. Auch wenn die ETH Zürich von Anfang an Partnerin war, richtet sich Venture nicht nur an deren Studierende und Doktoranden. Es ist ein Businessplan-Wettbewerb für die Schweiz, 40% der Teilnehmer sind mit keiner Universität affiliiert.

Welche Teams haben Sie besonders beeindruckt?

Knecht: Unter anderen: Endoart von der EPF Lausanne, verkauft für 100 Mio Dollar an Allergan; Esbatech von der Universität Zürich, verkauft für 140 bis 600 Mio Dollar je nach erreichten Meilensteinen an Alcon/Novartis; oder Glycart von der ETH Zürich, verkauft für 230 Mio Fr. an Roche.