«Wir haben alles unternommen, umfassend zu kooperieren und eine Lösung zu suchen». Das sagt Urs Rohner in der neuen Ausgabe der «Handelszeitung» zum Steuerstreit mit den USA. «Tatsache ist aber, dass die Lösung nicht nur von uns abhängt», schildert der Credit-Suisse-Präsident die Lage der Bank. Die US-Justiz erhöhte den Druck auf die Credit Suisse in den letzten Tagen massiv.

Medienberichten zufolge könnten sie von der Grossbank ein Schuldeingeständnis verlangen und womöglich eine CS-Tochterfirma einklagen. «Wir haben die Angelegenheit von Beginn weg sehr ernst genommen», sagt Rohner zum eskalierenden Konflikt. Es gebe aber in den USA in jüngerer Zeit eine Diskussion darüber, wie man grosse Banken rechtlich direkter belangen könne.  «In diesem Zusammengang war unlängst von verschiedenen Banken die Rede, die in den USA wegen Themen der Vergangenheit untersucht werden», so Rohner. «Diese Diskussion hat sich nun intensiviert».

Keine Spekulation um Busse für CS

Zur Frage, ob der Bund wie bei der UBS Notrecht zur Lösung des Streits anwenden sollte, sagt der CS-Präsident: «Wir kooperieren seit drei Jahren eng mit den US-Behörden, um hier eine Lösung zu finden. Der Prozess hängt auch von den jeweiligen Positionen der beiden Regierungen ab.» Spekulationen über eine Busse bis zu 3 Milliarden Franken für die CS will Rohner nicht kommentieren. «Darüber kann und will ich nicht spekulieren», findet er.

Anzeige

Der oberste CS-Banker spricht sich dezidiert für eine Einführung des automatischen Informationsaustausch (kurz: AIA) aus. Dieser Tage hat die Schweiz die Einführung des OECD-Standards über den Austausch von Bankkundendaten bekräftigt. «Bei der Credit Suisse gehörten wir zu den ersten, die sich für den automatischen Informationsaustausch aussprachen.» Er sehe für die Schweiz auch keinen Grund, nicht von Anfang an dabei zu sein, erklärt Rohner.

Automatischer Informationsaustausch als konsequenter Weg

«Ich sehe dies als vernünftige Fortsetzung der sogenannten Weissgeldstrategie, die der Bundesrat vorgeschlagen hat.» Wenn der Automatische Informationsaustausch als globaler Standard eingeführt werde, müsse er jedoch für alle gelten. «Man darf keine Schlupflöcher zulassen», fordert der CS-Präsident.

Für Banken unter einer kritischen Grösse werde es schwieriger, die steigenden Regulierungskosten zu stemmen, während im Geschäft die Margen sinken, sagt Rohner. Ohnehin sei das Bankgeschäft in der Schweiz jahrzehntelang kein Musterbeispiel für Effizienz gewesen, so das Urteil des Präsidenten der zweitgrössten Schweizer Bank. Das ändere sich jetzt. «Wir werden uns nicht mehr von anderen Industrien unterscheiden, die Jahr für Jahr effizienter arbeiten müssen.»

Keine einmaligen Kostenübungen

Die CS selber werde ihre Kostenbasis bis 2015 um weitere 1,1 Milliarden Franker verringern, verspricht er. «Das sind keine einmaligen Kostenübungen, sondern es resultiert daraus eine um 4,5 Milliarden Franken tiefere Kostenbasis.» Die Credit Suisse müsse sich konstant überlegen, welche Geschäfte sich noch lohnen - aber auch, wo es neue Opportunitäten geben.

Anzeige

Den seit Jahresbeginn dümpelnden Aktienkurs der CS begründet Rohnen damit, dass der Titel im Branchenvergleich bezüglich des Buchwert relativ hoch bewertet sei. Im Übrigen habe man den Aktionären klar gesagt, wohin der Weg führe. «Einige Investoren waren der Meinung, dass in einzelnen Bereichen noch mehr zu tun wäre. Wir schauen uns das sehr genau an.»

«Wir werden in den nächsten Monaten zeigen müssen...»

Zu den Forderungen der Grossaktionäre gehört der Ausbau der Vermögensverwaltung gegenüber dem zyklischen Investment Banking. Derzeit steht bei der CS das Verhältnis jedoch 60-40 zugunsten der Investmentbank. Rohner verspricht: «Wir werden in den nächsten Monaten zeigen müssen, dass die Strategie eines fokussierten, kapitaleffizienten Investmentbanking funktioniert  – bei gleichzeitigem Ausbau der Vermögensverwaltung.»

Anzeige

Das ganze grosse Interview mit Urs Rohner lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.