Von einer eigenen Firma träumten Manuel Aschwanden und David Niederer bereits während ihres Studiums an der ETH Zürich. Dass diese dann aber so kurz nach der Gründung derart für Furore sorgen würde, daran haben die beiden Jungunternehmer nicht im Traum gedacht. Doch der Reihe nach.

Im Februar 2008 gründeten sie Optotune zusammen mit Mark Blum und Peter Vonesch. Das Ziel des KMU: Die Welt der Optik mit den von Aschwanden während seiner Forschungszeit an der ETH Zürich entwickelten Speziallinsen, bestehend aus elektroaktiven Polymeren, zu revolutionieren.

Seitdem sie im Mai 2008 den ersten Preis beim Businessplan-Wettbewerb Venture 2008 gewonnen haben, scheinen die ambitionierten Jungunternehmer ihrem Ziel einen grossen Schritt näher gekommen zu sein. «Diese Auszeichnung hat uns nicht nur zu Geld, sondern auch zu viel mehr Visibilität bei potenziellen Investoren, Kunden und Mitarbeitern verholfen», sagt Aschwanden. Zudem sei das Erstellen des Businessplans eine sehr gute Stressprobe gewesen, da das Ziel ganz klar gelautet habe, den 1. Preis zu holen. «Obwohl wir uns alle von der Hochschule oder von Weiterbildungen kannten, war diese Feuerprobe Gold wert; wir lernten neue Seiten von uns kennen.» Nun sei klar, dass sie auch in stürmischen Zeiten zusammen funktionierten.

Eine Grundvoraussetzung für das junge Team, um seine hochgesteckten Ziele zu erreichen. Eines davon lautet: Global tätige Handy-Hersteller mit stufenlos regulierbaren Linsen für optische Zoom zu beliefern. Erste Modelle sollen 2011 auf den Markt kommen. Bereits wurden zwei Mitarbeiter eingestellt und zwei weitere folgen. Und nachdem sie bei der Startkapitalinitiative Venture Kick 2008 ebenfalls zu den Gewinnern zählten und noch einmal über 100000 Fr. generieren konnten, steht nun die erste Finanzierungsrunde kurz vor dem Abschluss.

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Wichtig war es den Partnern, von Beginn weg mit klaren Strukturen zu arbeiten. So fungiert Manuel Aschwanden als Erfinder der Speziallinse als CEO, David Niederer als ehemals engster Mitarbeiter als CTO, Mark Blum als Verantwortlicher Marketing & Sales und Peter Vonesch aufgrund seiner ökonomischen Zusatzausbildung als Verantwortlicher Finance & Legal.

Auch über den Umgang mit zukünftigen Mitarbeitern hat sich das Gründerquartett schon Gedanken gemacht. «Da wir als Jungunternehmen noch keine hohen Löhne zahlen können, müssen wir die guten Leute auf anderen Wegen für uns begeistern», sagt Aschwanden. Dazu zählen ihm zufolge eine offene Firmenkultur und viel Gestaltungsfreiraum.

Ein gesundes Selbstvertrauen

Im neuen Business-Inkubator an der Empa in Dübendorf (siehe Artikel unten), in dem Optotune eingemietet ist, stehen bereits einige selbst gekaufte Geräte zur Produktion von Kleinserien der revolutionären Linsen. «Für die industrielle Produktion brauchen wir nun mehr Geld», sagt Vonesch. Und mehr Mitarbeiter. Denn eines der obersten Ziele des Jungunternehmens lautet auch, hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Schweiz zu schaffen. «Hochpräzise Produkte profitieren ganz stark vom Made in Switzerland. Zudem haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung», ergänzt Vonesch.

Neben einem revolutionären Produkt besitzen die Jungunternehmer auch ein gesundes Selbstvertrauen. «Als junges Start-up ist Zurückhaltung fehl am Platz», konstatiert Aschwanden. Daher tingelt er im Moment meistens zusammen mit einem der Optotune-Mitgründer durch die Welt der Grosskonzerne, präsentiert mit Verve seine Produkte und verhandelt über Verträge. Dabei vergessen sie aber nie, dass das Thema Innovation weiterhin zuoberst auf der To-do-Liste stehen muss. Und zwar in allen Bereichen, wie Vonesch betont. «Wir haben nicht nur ein innovatives Produkt, sondern auch innovative Produktionsprozesse.»

Will heissen: Die patentierte, stufenlos variierbare Linse für optische Systeme ist nicht nur vielfältiger einsetzbar als ähnliche Produkte auf dem Markt, sondern auch günstiger in der Herstellung. «Wir werden auch innovativere Vermarktungswege beschreiten.» Wie diese aussehen, möchte Vonesch aber nicht preisgeben.

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Viel gestalterischer Freiraum

Doch wie gelingt es den umtriebigen Unternehmensnovizen, trotz lauter operativer Hektik den Kopf für neue Innovationen frei zu halten? «Innovationen», davon ist Aschwanden überzeugt, «entstehen immer aus der idealen Kombination von vielen kleinen Wissensteilchen.» Damit diese erworben und kombiniert werden können, brauchen die in den Innovationsprozess involvierten Personen viel physischen und psychischen Freiraum. Etwas, das sich die vier Gründer Manuel Aschwanden, David Niederer, Mark Blum und Peter Vonesch auch als Firmenbesitzer weiterhin zugestehen.