Der französische Industriekonzern Alstom will mit einem dicken Auftragsbuch im Rücken und einem stärkerem Engagement in den Schwellenländern in den nächsten drei Jahren seinen Umsatz kräftig steigern. Jährlich sei ein Plus von mehr als fünf Prozent angepeilt, sagte Vorstandschef Patrick Kron am Freitag zur Veröffentlichung der Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr (Ende März). Ebenso solle sich die operative Marge bis 2015 schrittweise auf 8 Prozent steigern.

Im vergangenen Geschäftsjahr war die für das Unternehmen relevante Kennziffer für den Gewinnanteil am Umsatz auf 7,1 Prozent gesunken. Sie erreichte damit nur das untere Ende der Zielmarke von 7 bis 8 Prozent. Vor allem zwei Faktoren stehen hinter diesem Rückgang: Die Auswirkungen der schwachen Konjunktur mit wenig Bestellungen in den Krisenjahren 2009/2010 und ein Preisverfall bei den Erneuerbaren Energien, wo besonders im Windkraftgeschäft die Margen schmolzen. Darunter leiden aber auch Konkurrenten wie die deutsche Siemens.

Der Umsatz war im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 19,9 Milliarden Euro geschrumpft, der operative Gewinn noch stärker um zehn Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Analysten hatten mit dem Rückgang beim Umsatz gerechnet und für den operativen Gewinn ein noch deutlicheres Minus eingepreist. Unter dem Strich blieben indes mit 732 Millionen Euro 58 Prozent mehr übrig als noch vor einem Jahr. Damals hatten hohe Kosten für den Unternehmensumbau, bei dem Alstom tausende Stellen im Turbinen- und Kraftwerksbau und der Zugsparte strich, den Gewinn belastet.

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Der Umbau sei grösstenteils abgeschlossen, hiess es von Alstom. Lediglich in den Transportgeschäften in Deutschland, Italien und Spanien stehe das Programm noch vor dem Abschluss. Während Alstom seine Kapazitäten in den Industrieländern reduziert, investiert der Konzern in Schwellenländern in den Aufbau. Die Verschiebung lässt sich bereits deutlich an den Auftragseingängen ablesen. Die Schwellenländer stehen bei Alstom bereits für rund 60 Prozent aller neuen Bestellungen. Sie waren 2011 insgesamt um 14 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro nach oben geklettert. Damit wuchs der Auftragsbestand um fünf Prozent auf 49,3 Milliarden Euro.

Seinen Aktionären will das Unternehmen für das vergangene Jahr eine Dividende von 0,80 Euro je Aktie zahlen. Ein Zuwachs von 29 Prozent. Damit dürfte sich die Verschuldung des Konzerns allerdings weiter erhöhen. Im vergangenen Jahr hatte unter anderem die Dividende neben negativen Zahlungszuflüssen dafür gesorgt, dass sich die Verbindlichkeiten von Alstom auf knapp 2,5 Milliarden Euro fast verdoppelt hatten.

(chb/awp)