ROHSTOFFE . Bei Rohstoffen handelt es sich um eine altbewährte Anlageklasse. Schon die Bibel überliefert zum Beispiel den Aufbau von Nahrungsmittelvorräten mit dem Bild der sieben guten und der sieben schlechten Jahre. Gold zum Beispiel wurde von vielen Kulturen als gute Anlage angesehen. Auch bei uns galten Goldbarren und Goldvreneli lange Zeit als zuverlässige Notgroschen und beliebte Göttibatzen. Mit der Etablierung von modernen Finanzinstrumenten wurde es aber möglich, Rohstoffe zu kaufen und zu verkaufen, ohne diese physisch zu besitzen. So sind zum Beispiel die gigantischen Silberinvestments der Gebrüder Hunt in den 70er Jahren in die Annalen der Rohstoffanlagen eingegangen.

Vom Bärenmarkt zum Boom

Nach einem fast 20-jährigen Bärenmarkt gerieten Rohstoffanlagen beinahe in Vergessenheit. Diese Entwicklung hat nicht nur dazu geführt, dass sowohl physische Investments – zum Beispiel Goldmünzen –, aber auch Rohstoffanlagen über Finanzinstrumente bei der Anlegerschaft ein Mauerblümchendasein fristeten. Ein Resultat dieser Entwicklung war auch, dass viele Rohstoffspezialisten sich neu orientierten. So entstand auch bei den Banken ein grosser Mangel an Wissen in Bezug auf das Funktionieren und den Handel dieser traditionellen und bewährten Anlageklasse. Seit einiger Zeit feiern nun Rohstoffe als Anlageklasse eine Renaissance. Das solide Weltwirtschaftswachstum sowie die steigende Nachfrage aufstrebender Schwellenländer wie China und Indien haben den negativen Trend gebrochen. Vor allem im Hinblick auf ihre begrenzte Verfügbarkeit sind Rohstoffe seit der Jahrtausendwende wieder als Anlagethema in den Vordergrund gerückt, und es wurden einige neue Produkte aufgelegt, die dem privaten Anleger den Wiedereinstieg in dieses Thema erleichtern sollten. Der Mangel an Spezialisten hat aber auch dazu geführt, dass innovative Anlagelösungen rar blieben. Trotz einem Boom bei Rohstoffanlagen ist das physische Kaufen der Basiswerte wie Gold, Silber und Platin heute weniger gefragt. Der Anleger bevorzugt entweder direkte Investments in täglich handelbare und liquide Rohstoffindizes und Futures oder indirekte Anlagen über Produzenten und Verarbeiter von Rohstoffen (Aktien). Für ein Investment über Rohstoffaktien spricht im Moment die Tatsache, dass Unternehmen aus dem Rohstoffbereich im historischen Vergleich tief bewertet sind. Bei solchen Firmen kann es sich nicht nur um die Goldminen- oder Ölaktien handeln, sondern auch zum Beispiel um Agrarunternehmen oder Aktien von Firmen, die im Bereich der alternativen Energieproduktion tätig sind. Es gibt verschiedene Produkte, die wie ein klassischer Sektorfonds ein direktes Exposure in rohstoffpreisabhängige Aktien anbieten. Es gibt ausserdem Dachfonds, die aus einer kleinen Anzahl von Aktienfonds bestehen, die in erstklassige Unternehmen aus dem Rohstoffbereich investieren.

Direktes Engagement

Neben der Direktanlage über Futures auf einzelne Rohstoffe, die zum Teil sehr volatil sein können, haben sich breit diversifizierte Rohstoffindizes als bevorzugte Investitionsform etabliert. Grundsätzlich bieten direkte Rohstoffanlagen drei Renditequellen: Den risikofreien Zins, die Differenz der Spotpreise, die wiederum von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, und die Rollrenditen. Was hat es bei den Rollrenditen auf sich? Die Indizes bestehen vorwiegend aus Futures-Kontrakten mit Laufzeiten von einem Monat. Um die physische Lieferung der darunter liegenden Enderzeugnisse zu vermeiden – niemand will die Öl-Barrels oder die Schweinebäuche nach Hause geliefert erhalten –, werden die Kontrakte vor deren Ablauf in den Folgemonat verlängert. Diese Verlängerung wird auch Rollieren genannt. Da zwischen verfallenden und neu eingegangenen Kontrakten Monat für Monat Preisunterschiede auftreten, entstehen durch das Rollieren entweder Gewinne (Backwardation) oder Verluste (Contango). Der Grund für die positiven respektive negativen Rollrenditen kann im makroökonomischen und geopolitischen Umfeld, aber auch bei der Vorratshaltung liegen. Im Gegensatz zu den gängigen Indizes, erlauben die sogenannten optimierten Indizes eine Vergrösserung positiver sowie die Verkleinerung negativer Rollrenditen, indem herrschenden Marktgegebenheiten Rechnung getragen wird. Somit ist es möglich, sophistizierte Anlageformen zu konstruieren, die die Komplexität globaler Rohstoffmärkte berücksichtigen. Da Rollrenditen grossen Einfluss auf die Wertentwicklung von Rohstoffanlagen haben, können optimierte Indizes erhebliche Zusatzrenditen generieren. Solche Produkte – sie sind auch als Anlagefonds erhältlich – bieten heute überdies tägliche Liquidität und eignen sich somit auch für Anleger, die bisher alternative Anlagestrategien aufgrund bedingter Transparenz und Liquidität gemieden haben.

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