Alternative Anlagen meistern in Portfolios von Pensionskassen gleich zwei Herausforderungen: Sie stellen eine geeignete Anlage dar und können auch zur Lösung spezifischer Problemstellungen eingesetzt werden. Dennoch muss aber das Portfolio alternativer Anlagen auf bestimmte Anlagecharakteristika ausgerichtet sein. Bei Vorsorgeeinrichtungen mit Leistungsprimat sollte der Schwerpunkt auf der Kombination unterschiedlicher, jedoch sich ergänzender zielgerichteter Strategien für alternative Anlagen liegen. Beim Aufbau von Portfolios ist es zentral, sowohl den anfänglichen und den angestrebten Deckungsgrad einer Pensionskasse als auch deren Risikofähigkeit zu berücksichtigen. Durch den Einbezug alternativer Anlagen in diesen Prozess lässt sich ein Portfolio sehr genau an die individuellen Bedürfnisse eines Kunden anpassen.

Was ist alternativ?

Zahlreiche Investoren verfügen über eine feste Liste an Strategien, die sie als alternative Anlagen definieren. Auf dieser Liste stehen in der Regel Private-Equity-Hedgefonds, Infrastruktur und das Währungsmanagement. Immobilien gelten oft als traditionelle Anlagen. Ein besserer Ansatz ist unseres Erachtens, zunächst alle Investments als «alternativ» zu betrachten, die zum jeweiligen Zeitpunkt nicht in der strategischen Asset Allocation eines Portfolios enthalten sind. Ist das Universum alternativer Anlagen einmal definiert, sollten die individuellen Merkmale jeder Strategie und ihre Wechselwirkung untereinander betrachtet werden. Wir verwenden dabei einen Ansatz, der die verschiedenen alternativen Anlagen in Gruppen nach deren Beta, Alpha und Liquiditätsmerkmalen einteilt.

Wird das Risikobudget einer Vorsorgeeinrichtung an das tragende Unternehmen gekoppelt, wird vor allem deutlich, dass die Risikobereitschaft je nach Deckungsgrad variiert. Weist die Pensionskasse eine Unterdeckung auf, profitiert sie in der Regel durch den gezielten Einsatz zusätzlicher risikoreicherer Anlagen; verfügt sie jedoch bereits über ausreichende finanzielle Mittel, profitieren die Begünstigten nicht zwangsläufig von einer risikoreichen Strategie.

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Die Anwendung des «dynamischen Risikobudgets» lässt sich am besten mit den Grundlagen des Liability-Driven Investment (LDI) erklären. Beim LDI bewegt sich der Schwerpunkt der Asset Allocation zwischen einem auf Performance ausgerichteten Portfolio (Performance-Seeking Portfolio, PSP) und einem auf Risikomanagement ausgerichteten Portfolio (Risk Management Portfolio, RMP). Während bei einer Unterdeckung das PSP dominiert, verschiebt sich der Schwerpunkt mit wachsenden finanziellen Mitteln hin zum RMP. In der Praxis entspricht dies oftmals der Verlagerung von Aktien hin zu Anleihen, wobei alternative Anlagen eine untergeordnete Rolle spielen. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass auch das diversifizierte Portfolio an alternativen Anlagen einer Pensionskasse stets im Einklang mit der aktuellen Finanzierungssituation des Fonds stehen sollte.

Das Portfolio optimieren

Bei Vorsorgeeinrichtungen, deren Finanzierung nur teilweise gesichert ist, liegt der Schwerpunkt auf der Verbesserung des langfristigen Deckungsgrads. Somit dominiert das PSP über das RMP. In dieser Phase bieten sich alternative Anlagen wie Private Equity, Anlagen im Sekundärmarkt sowie ausgewählte Infrastruktur- und private Immobilien-Investments an. Ist ein Plan jedoch in finanzieller Hinsicht ausreichend ausgestattet, sodass sich PSP und RMP etwa im Gleichgewicht befinden, sollte das Engagement an den Privatmärkten reduziert und der Schwerpunkt eher auf liquidere alternative Anlagen gelegt werden. Weist die Kasse eine Überdeckung aus, ist darauf zu achten, dass das PSP auf ein Minimum zurückgefahren und volatile Strategien gemieden werden. Die im Portfolio vertretenen alternativen Anlagen sollten in dieser Phase auf Absicherung ausgerichtet sein und eine breit gefächerte Mischung aus Alpha-Strategien aufweisen.

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Unseres Erachtens sollten alternative Anlagen für die Pensionskassen von Unternehmen mehr sein als blosses Beiwerk. Ein dynamischer Ansatz bei der Einbeziehung alternativer Anlagen erlaubt es, ein Portfolio gemäss spezifischen Bedürfnissen zu optimieren. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, auf Veränderungen des verfügbaren Spektrums an alternativen Anlagen zu reagieren. Ausserdem lassen sich durch die Rotation zwischen unterschiedlichen alternativen Strategien Erträge generieren. Da die fortlaufende Anpassung der alternativen Anlagen und das Cashflow-Management besonders für kleinere Pensionskassen einen zu grossen Aufwand darstellen können, empfiehlt sich der Beizug eines Asset Manager mit entsprechender Expertise.