Wir verlangen nichts Verrücktes, sondern wollen nur, dass die Ökobilanz des Baustoffes Aluminium nach den gleichen Kriterien berechnet wird wie im übrigen Europa», sagt Marcel Menet, Geschäftsführer des Aluminium-Verbands der Schweiz. Das heutige System verzerre den Wettbewerb unter den verschiedenen Baumaterialien, wodurch rund 4000 Arbeitsplätze gefährdet seien.

Mit den Sorgen der Alu-Branche beschäftigen sich mittlerweile auch Bundesrat und Parlament. In der kommenden Wintersession behandelt der Ständerat eine Interpellation des Thurgauer CVP-Vertreters Philipp Stähelin, der die Regierung dazu verpflichten möchte, bei der ökologischen Beurteilung von Baustoffen künftig internationale Standards anzuwenden.

Streit um Hilfsmittel

Der Konflikt dreht sich um den «eco-devis», ein Hilfsmittel, «mit dem der Planer und die Planerin ökologisch interessante Materialien und Bauleistungen bei der Ausschreibung erkennen und berücksichtigen können», wie es auf der Homepage des Vereins «eco-bau» heisst. Der private Verein, dem öffentliche Bauherren des Bundes, der Kantone und verschiedener Städte angehören, will die Nachhaltigkeit vor allem im öffentlichen Bau fördern. Der Bund hat die Ökobilanzierung mit 250000 Fr. subventioniert.

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Die Alu-Branche kritisiert, dass die Ökobilanz, die dem «eco devis» zugrunde liegt, die Recyclierbarkeit eines Produkts nicht berücksichtige. Das trifft zu. Für die Autoren des «eco-devis» nimmt die sogenannte «Graue Energie», die in einem Baustoff steckt, «eine vorrangige Stellung ein, da die Herstellung mit Abstand der umweltrelevanteste Lebensabschnitt ist». Bei dieser Betrachtungsweise muss Aluminium schlecht abschneiden, da zu seiner Herstellung enorm viel Energie nötig ist.

Nach Auffassung des Alu-Branchenverbandes müsste eine «faire» Ökobilanz die Tatsache miteinbeziehen, dass Aluminium zu 100% wieder verwertet werden könne und die Recyclingquote im Bauwesen über 90% betrage. Die Branche selber sei an einer hohen Rücklaufquote interessiert, da beim Umschmelzen bis zu 95% des Energiebedarfs bei der Hüttenaluminiumgewinnung eingespart würden, sagt Geschäftsführer Menet.

Vorbild für die Schweizer Alu-Industrie ist die europäische Norm ISO 14040, gemäss der in der Ökobilanz eines Produktes «immer dessen gesamter Life Cycle betrachtet werden muss». Eine auf dieser Basis durchgeführte Studie der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) weist nach, dass Unterkonstruktionen aus Aluminiumprofilen auf «Graue Werte» kommen, die halb so hoch sind wie beim «eco-devis». Für massive Bauteile aus Aluminium ergeben sich gar Verbesserungen von bis zu 75%. Niedrigere Marktpreise würden diese Werte kaum verändern.

«Gleich lange Spiesse»

Paul Gilgen von der Empa spricht denn auch von «Benachteiligungen und Wettbewerbsverzerrungen» zuungunsten der Alu-Branche. Negativ auswirken könnte sich dies laut Andreas Tobler, Geschäftsführer der Tobler Metallbau AG in St. Gallen, «sobald bei einer Abflachung der Baukonjunktur Konkurrenzkampf und Druck aus dem Ausland härter werden». Die Branche stelle sich zwar dem Wettbewerb, «will aber gleich lange Spiesse».

Bei Eco-Bau hat man zwar ein gewisses Verständnis, dass die vergleichsweise schlechte Ökobilanz der Alu-Branche «gewisse Imageprobleme» verursache. Doch entspreche die Bilanzierung gemäss «eco-devis» dem weltweit anerkannten Nachhaltigkeitsprinzip, wonach sich die heutige Generation nicht auf Kosten der Zukunft entlasten dürfe. Zudem gehe es nicht an, Alu anders zu bewerten als die übrigen Baumaterialien.

In diesem Methodenstreit hofft Hans-Peter Fahrni, Chef der Abteilung Abfall und Rohstoffe im Bundesamt für Umwelt (Bafu), doch noch auf eine einvernehmliche Lösung zu kommen. Wie er der «Handelszeitung» sagte, möchte er die beiden Konfliktparteien an einen Tisch bekommen und versuchen, «von der heutigen Schwarz-Weiss-Beurteilung zu einer etwas differenzierteren Betrachtungsweise zu gelangen».