Draussen macht sich mit lautem Getöse ein Airbus A340 von Swiss auf der Rollbahn startklar. Drinnen können die Bewegungen des mächtigen Flugzeugs in Echtzeit auf einer grafischen Darstellung mitverfolgt werden. Das Büro von Jürgen Weder, CEO von Neuropie Solutions, im fünften Stock des Operation Center 1 am Flughafen Zürich bietet eine klare Sicht auf Realität und Abbildung.

Geliefert wird die grafische Übersicht, die nicht nur den A340, sondern alle Maschinen und sämtliche Prozessabläufe rund um den Flughafen Zürich detailliert erfasst, von Zeus. Die elektronische Steuerungssoftware hat Neuropie im Auftrag der Betreiberin Unique entwickelt und mit der Lancierung vor vier Jahren massgeblich dazu beigetragen, Zürich zu einem Flughafen mit effizienteren Abläufen und hoher Servicequalität zu machen.

Der Ökonom Weder, Mitgründer und Hauptaktionär von Neuropie, erinnert sich: Mit seinem damaligen Geschäftspartner Walter Zünd, der im vorletzten Jahr nach einem tragischen Unfall leider verstarb, wurde er 2002 von Unique für die Erarbeitung eines Projekts zur zentralen Steuerung der Prozesse am Flughafen angefragt. Damals herrschte im Zuge des Swissair-Grounding das nackte Chaos. Unzählige Firmen sowie Systeme, die zuvor als Teil der SAir Group in ein ganzheitliches System eingebunden waren, mussten plötzlich individuell funktionieren.

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Die Folge waren unkoordinierte Abläufe, die den Airport zusätzlich negativ beeinträchtigten. Für die Passagiere manifestierte sich dies in Form massiver Flugverspätungen. 2002 und 2003 rangierte Zürich von 27 europäischen Flughäfen punkto Pünktlichkeit abgeschlagen auf der vorletzten oder letzten Position.

«Top Ten» bei der Pünktlichkeit

«Heute ist alles anders», sagt Weder nicht ohne Genugtuung. Zürich hat sich auf den Positionen acht und neun eingependelt. Aufgrund der Flughafengrösse sei damit das Maximum erreicht. Auch während der bevorstehenden Sommerferien dürften trotz massivem Verkehrsaufkommen 90% aller Passagiere pünktlich abfliegen. Zu verdanken ist diese markante Verbesserung Neuropie. Ihr Steuerungssystem Zeus basiert auf den vier Kernprozessen Passagier, Gepäck, Flugzeug und Cargo. «Wir haben eine Software erarbeitet, die sämtliche Abläufe von der Ankunft am Flughafen des Passagiers im Taxi bis zu seinem Abflug erfasst, überprüft, koordiniert sowie mögliche Schnittstellen erschliesst», erklärt Weder. Zeus registriert mit einem Bodenradarsystem jede Bewegung aller Organismen am Flughafen mit Ausnahme der Passagiere selbst. Das System verbessert die Servicequalität und Pünktlichkeit sämtlicher Prozesse sowohl am Boden als auch in der Luft.

So konnten dank Zeus die Standzeiten der Maschinen zwischen zwei Flügen von 40 auf 30 Minuten gesenkt werden. 10 Minuten, die für Fluggesellschaften pures Geld sind und etwa den Billigflieger Easyjet zur Rückkehr nach Zürich bewogen haben. Dazu Weder: «Mit jährlich 20 Mio Passagieren generiert der Zürcher Flughafen sehr viel Umsteigeverkehr, der für eine maximale Wirtschaftlichkeit mit optimalen Prozessen abgewickelt werden muss.» Das klappt laut Weder seit der Einführung von Zeus hervorragend und hat viele andere Airports hellhörig ge-macht. Weder, der als ehemaliger IT-Spezialist bei Swissair seit vielen Jahren an der Idee zu Zeus tüftelt, empfängt heute in den Büros von Neuropie regelmässig Delegationen von Flughäfen aus aller Welt. Bereits eingeführt wurde das Steuerungssystem mittels Lizenz in London Heathrow und London Stansted. Zurzeit werden die südafrikanischen Flughäfen Johannesburg, Kapstadt und Durban mit der Software von Neuropie ausgerüstet.

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Vom Grossauftrag aus Südafrika, für den die Schweizer Firma über 90 Konkurrenten ausgestochen hat, erhofft sich Weder nun die Initialzündung für einen globalen Siegeszug von Zeus. Weitere Abschlüsse stehen ihm zufolge kurz bevor, bis 2013 sollen weltweit an die 50 Airports umgerüstet sein.

Markanter Ausbau bis Verkauf

Der CEO von Neuropie hat mit Zeus auch Ambitionen über das Fluggeschäft hinaus und möchte mittelfristig ein Pilotprojekt in einer anderen Branche lancieren. Sollte dies so eintreffen, dann muss sich Neuropie bald nach neuen Räumlichkeiten am Flughafen Zürich umschauen. Derzeit beschäftigt Weder neun Personen, bis Ende Jahr 2008 baut er auf 12 bis 15 Vollzeitstellen aus. Doch das ist erst der Anfang. In den kommenden fünf bis sechs Jahren will er mit Neuropie bezüglich Geschäftsvolumen mehrere Quantensprünge erzielen. Danach dürfte der Verkauf folgen.

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Ein riesiges Interesse an Neuropie und Zeus seitens grosser Technologiekonzerne ist bereits vorhanden. In Anbetracht der blühenden Aussichten und lockenden Wachstumschancen tut Weder wohl gut daran, sein Start-up nicht schon heute und weit unter Wert abzustossen.