Die Amag, mit annähernd 100000 verkauften Neuwagen Leader im Schweizer Automobilhandel, rechnet für 2013 für den hiesigen Markt mit rückläufigen Neuimmatrikulationen. Amag-CEO Morten Hannesbo sieht die gesamtschweizerische Nachfrage in diesem Jahr zwischen 290'000 und 295'000 Personenwagen. Hannesbo budgetiert damit ein Minus gegenüber 2012 von neun bis zehn Prozent.

Hannesbo rechnet für die heimische Autobranche  nach dem sehr guten 2012 (328139 verkaufte Neuwagen, zweitbestes Resultat nach 1989) für die kommenden zwei Jahre mit schwierigen Zeiten und zunehmenden Herausforderungen. Seiner Meinung nach ist die europäische Krise, insbesondere jene bei den direkten Nachbarn, «in der Schweiz noch gar nicht angekommen.»

Die rückläufige Nachfrage und die damit verbunden schlechten Verkaufszahlen in Deutschland führten beispielsweise dazu, dass Händler aus grenznahen Gebieten, die wirtschaftlich unter Druck stehen, mit sogenannten Tageseinlösungen von Neuwagen den Markt Schweiz «beackern.» Diese Neufahrzeuge mit wenigen Kilometern würden mit attraktiven Rabatten angeboten und so hier in der Schweiz sowohl den Neuwagen- wie auch den Occasionsmarkt und vor allem deren Preisstruktur massiv beeinflussen. Gemäss Hannesbo ist diese Strategie der ausländischen Händler nicht neu, sie akzentuiere sich aber unter dem Druck derer Heimmärkte. Der Amag-Chef vermutet deshalb, dass sich der Anteil der Direktimporte in den nächsten Jahren zwischen 6 und 8 Prozent einpendelt und damit dem hiesigen Handel das Geschäft mit mehr als 20000 Fahrzeugen verloren geht.

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Eurokurs eher bei 1.10 denn bei 1.30 Franken

Wesentlich beeinflusst wird die Schweizer Autobranche durch die Währungssituation. Trotz der kurzfristigen Schwäche des Frankens in den letzten Tagen sieht Hannesbo den Eurokurs in den nächsten 18 Monaten eher bei 1.10 denn bei 1.30 Franken. Fundamental habe sich wenig geändert, so seine Begründung. Hannesbo: «Wir arbeiten und budgetieren deshalb im Moment mit einem Kurs von 1.20 Franken.» Die Situation der Schweiz als Hochpreisinsel mit all ihren negativen Einflüssen werde weiter zementiert, so Hannesbo. Mit massiven Negativeinflüssen auf den Wirtschaftsstandort. Hannesbo: «Vergleichen wir eine Neuinvestition in einen mittelständischen Garage- und Handelsbetrieb, so erreicht diese in der Schweiz relativ rasche die 10-Millionen-Franken-Grenze. Für das Gleiche sind in Deutschland umgerechnet etwa 3 bis 5 Millionen Franken aufzuwenden.»

Ziel: Jedes dritte Auto von Amag

Trotz der wenig rosaroten Prognosen für 2013 und 2014 gibt der Amag-Chef zu, dass der Branchenleader «auf hohem Niveau leide und klage.» Denn:  2012 verkaufte die Nummer eins des schweizerischen Autohandels mit ihren Marken VW (44258 Fahrzeuge, plus 9 Prozent), Audi (22083, plus 19,4 Prozent), Skoda (19132, plus 9,5 Prozent), Seat (8934, plus 11,2 Prozent) sowie den etwas mehr als 5000 Nutzfahrzeugen der Marken VW und Seat gesamthaft 99610 neue Autos. Damit erreicht die Amag einen Marktanteil von aktuell 28,8 Prozent (plus 2,2 Prozent gegenüber Vorjahr). Erstmals belegen mit VW, Audi und Skoda in der Schweiz drei Marken des Volkswagenkonzerns die Podestplätze. Amags-Marktposition liegt gar noch leicht höher, wenn man die 1253 durch ihre Retailbetriebe verkauften Porsches dazurechnet; die Amag gehört damit weltweit zu den fünftgrössten Verkäufern der Sportwagenmarke aus Stuttgart.

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Hannesbo will sich allerdings mit dieser Leaderposition und dem steilen Aufstieg der letzten acht Jahre (2004 lag der Marktanteil noch knapp unter 20 Prozent) nicht zufrieden geben. «Mittelfristig müssen wir eine Position von 30 Prozent erreichen.» 2013 werde dieses Ziel noch nicht realisierbar sein. In einem rückläufigen Markt geschehe dies nur auf Kosten von Mitbewerbern. Hannesbo sieht die grössten Chancen für die Volkswagen-Konzernmarken bei den Kleinst- und Kleinwagen, so etwa bei VW im Fox-, Up- sowie Polo-Segment. Nicht beeinflussen wird hingegen den Marktanteil der kleinen, aber exklusiven Stückzahlen wegen eine andere Neuigkeit. Die Amag ist neu Bentley-Vertragspartner und eröffnet im Sommer dieses Jahres für die britische Nobelmarke einen Stützpunkt in Zug.

Die Amag erzielte 2012 einen konsolidierten Gruppenumsatz von 4,5 Milliarden Franken, wuchs damit im Vorjahresvergleich um rund 200 Millionen Franken. Mit 3 Milliarden Franken ist der Retailbereich die wichtigste Sparte; diese hat denn auch in den letzten sechs Jahren um die 600 Millionen Franken in ihr Verkaufsnetz investiert. Nach dem Rekordjahr 2011 sei der Ertrag im letzten Jahr etwas kleiner ausgefallen, bilanziert Hannesbo, „er sei aber stabil und nach wie vor auf hohem Niveau“. Trotz Investitionsfreude und -möglichkeiten bestehe keine Absicht, das Geschäft ins benachbarte Ausland auszudehnen. 2012 beschäftigte die Amag 5250 Mitarbeitende, 40 weniger als im Vorjahr.

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