Morten Hannesbo, der CEO der Amag-Gruppe und damit des umsatzstärksten Schweizer Autoimporteurs mit einem Marktanteil von annähernd 30 Prozent, bedauert den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), das Kapitel «Euro-Mindestkurs» zu beenden. «Auch wenn es für uns klar ist, dass die Untergrenze als Strategie nicht haltbar war, ist doch vor allem der Zeitpunkt sehr überraschend gekommen und mit grossen Risiken verbunden», sagte er anlässlich der Medienkonferenz am Freitag.

Für die Autobranche sei der SNB-Entscheid unverständlich. Seit Donnerstag dieser Woche stelle sich nun den Autoimporteuren in der Schweiz – neben der CO2-Lenkungsabgabe und der fehlenden Transparenz in der Preisbekanntmachungsverordnung (PBV) – ein zusätzliches Problem.

Maximale Preisdifferenz: 5 Prozent

Im Moment sei es entscheidend, nicht einer unüberlegten Hektik zu verfallen. Deshalb lässt sich Hannesbo auch nicht auf die Äste hinaus, wie sich die hiesigen Preise für Neuwagen als Konsequenz der neuen Situation auf dem Währungsmarkt entwickeln.

Verkraftbar sei für die hiesigen Importeure und den Handel maximal eine Preisdifferenz zwischen 4 und 5 Prozent zu den tieferen Angeboten im Ausland. Höhere Preisunterschiede würden hingegen den Direktimport zusätzlich attraktiv machen und die Wettbewerbsfähigkeit des Handels stark mindern.

Hoffnung auf ein Einpendeln bei 1.10 Franken

Angesprochen auf die Entwicklung in den nächsten Wochen, hofft der Amag-Chef, dass sich der Euro in ein bis zwei Wochen bei 1.10 Franken einpendeln wird. Die nächsten Tage müssten nun genutzt werden, um Szenarien für die Bewältigung der neuen Situation zu erarbeiten und durchzusetzen.

Im Zusammenhang mit Autokäufen am Mittwoch und der veränderten Situation seit Donnerstag empfiehlt Hannesbo den Händlern, eine gewisse Grosszügigkeit an den Tag zu legen. Überhaupt gelte es, die Preis- und Rabattpolitik in den nächsten Wochen festzulegen. Indirekt geht Hannesbo wohl davon aus, dass sich die Neuwagenkäuferinnen und -käufer in den kommenden Wochen zurückhalten werden.

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Offene Frage: Lagerbestand

Für Hannesbo ist jedoch offen, was mit den Lagerbeständen passiert. Immerhin betrug der Lagerbestand des mit den Marken VW (inklusive Nutzfahrzeuge), Audi, Skoda und Seat sowie wichtigsten Porsche-Verkäufer unseres Landes am Freitagmorgen rund 13’900 Fahrzeuge und somit 15 Prozent der jährlichen Neuwagenverkäufe.

Das vergangene Jahr schliesst der grösste Schweizer Autoimporteur mit einem konsolidierten Umsatz von 4,6 Milliarden Franken und damit einem Plus von 100 Millionen Franken. Das sei in einem rückläufigen Markt (301’942 Neuimmatrikulationen, minus 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr) ein Zeichen der Stärke. Verkauft wurden durch die Amag insgesamt 96’350 Neuwagen, nämlich 40’146 VW (Marktanteil 13,3 Prozent), 20’949 Audi (6,9 Prozent), 19’517 Skoda (6,5 Prozent), 9378 Skoda (3,1 Prozent), 6307 VW-Nutzfahrzeuge (19,9 Prozent) und 53 Skoda-Nutzfahrzeuge (0,2 Prozent). Und was ebenfalls nicht vergessen gehen darf: Mit 1645 Porsches ist die Amag-Gruppe der unangefochtene Leader bei den Verkäufen der Stuttgarter Sportwagenmarke.