Die Amag, der mit 4,5 Milliarden Franken umsatzstärkste Schweizer Autoimporteur, hat seinen nationalen Marktanteil 2011 auf auf 26,6 Prozent gesteigert. Damit stammt jedes vierte in die Schweiz importierte und hierzulande neu immatrikulierte Fahrzeug aus dem Amag-Kanal mit den Marken VW, Audi, Skoda und Seat. 2012 könnte allerdings gemäss Amag-CEO Morten Hannesbo gewisse Bremsspuren bringen.

Nach gesamthaft 318'958 neu zugelassenen Fahrzeugen im vergangenen Jahr (plus 8,4 Prozent gegenüber 2010) vermutet Hannesbo, dass sich in diesem Jahr die Autoverkäufe in der Schweiz zwischen 280'000 und 290'000 Neuzulassungen einpendeln werden. «Die ersten sechs Monate werden noch gute Steigerungsraten bringen», prognostiziert der Chef des Branchenleaders für den hiesigen Gesamtmarkt.

Diese Zuwachsraten würden durch die Tatsache gefördert, dass der eine oder andere Käufer noch vor Inkrafttreten des verschärften CO2-Gesetzes Mitte Jahr sein Fahrzeug tauschen oder in eine höhere Klasse umsteigen wird. Das wird gemäss Hannesbo zur Konsequenz haben, dass sich die Nachfrage im zweiten Semester 2012 im Vergleich zum Vorjahr im hohen einstelligen oder knapp zweistelligen Bereich verlangsamt und letztlich in der Gesamtbetrachtung des Autojahres 2012 zu Neuimmatrikulieren unter der 300'000er-Grenze führen wird.

«Trittbrettfahrer» mit Grauimporten

Für Hannesbo ist der künftig geltende CO2-Ausstossgrenzwert (120 Gramm/Kilometer CO2) ein Problem. Denn dieser orientiert sich an den gesamteuropäischen Auflagen und berücksichtigt nicht die besonderen schweizerischen Begebenheiten (Topografie, kleinerer Dieselanteil, höherer 4x4-Anteil, im Durchschnitt nur 14'000 km Fahrleistung pro Jahr in der Schweiz). Zusätzlich stört er sich an Grauimporten.

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Diese lagen, ausgehend vom schwachen Euro und einer Differenz zum Franken, die im Juli/August zu Preisunterschieden bis zu 25 Prozent führten, für den schweizerischen Markt 2011 erstmals bei für die Branche hohen 7,4 Prozent, bei einzelnen Marken des Luxussegmentes, wie beispielsweise Audi mit 10,6 Prozent, aber noch deutlich höher.

Hannesbo stört sich an den «Trittbrettfahrern», die sich nicht um die Infrastruktur, auf die eine Automarke baue, kümmerten, beispielsweise keinen Teil an der Ausbildung künftiger Berufsleute des Autogewerbes leisten würden. «Zusammen mit den Werken muss die Problematik der Direktimporte vertieft angegangen werden», kündigt der CEO an. Zudem weisst er darauf hin, dass der Amag wegen dieser Graumarktkäufe im vergangenen Jahr rund 450 Millionen Franken Umsatz entgangen seien.

30 Prozent Marktanteil als Ziel

Statt 4,75 Milliarden Franken weist die Nummer 1 des schweizerischen Autohandels für 2011 einen Umsatz von 4,3 Milliarden Franken aus (Vorjahr 4 Milliarden Franken). Erarbeitet wurden die Verkäufe und Dienstleistungen von 5290 Beschäftigten, darunter 662 Lernenden.

Weitere Zahlen gibt das Familienunternehmen im Besitz der Familie Haefner nicht bekannt, summarisch wird die Situation der Amag aber als „sehr gesund“ bilanziert. Das werde auch 2012 grössere Investitionen zulassen, primär in die Verbesserung und Verbreiterung des Vertriebsnetzes. 2011 lagen die Investionen etwas höher als 100 Millionen Franken.

Die Investitionen sind gemäss Hannesbo allesamt darauf ausgerichtet, sich schrittweise der 30-Prozent-Limite beim Marktanteil anzunähern: «Dieses Ziel ist im Fokus – und  erreichbar.» Ausgehend davon, dass sich vorläufig am Franken-Euro-Kurs nichts ändert (Hannesbo: «Wünschenswert wäre allerdings 1.40 Franken»), erwartet die Amag für 2012 weiteres Wachstum und eine zusätzliche Stärkung der Leaderpositionen.

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Amag als Porsche-Verkäufer

Das bedeutet, dass die Nummer-1-Positionen als umsatzstärkster Importeur, als wichtigster Diesel- und 4x4-Verkäufer und als Premium-Segment-Leader (Audi) verteidigt würden. VW war 2011 in der Schweiz unangefochten Markenleader (40'594 Fahrzeuge, Marktanteil 11,5 Prozent), Audi lag auf dem 2. Rang (18502/5,7) und Skoda (17470/4,9) auf dem 6. Platz. Einzig Seat (8314/2,6) schaffte es mit Rang 16 nicht unter die Top ten. Hannesbo sieht für Skoda 2012 einen Vorstoss aufs Podest und für die spanische Marke Seat eine deutliche Verbesserung des Marktanteils.

Sechs der in der Schweiz meistverkauften PKW stammen von Amag-Marken. Unangefochten in der Leaderposition fährt seit 36 Jahren der VW Golf, dies vor dem Skoda Octavia und dem VW Polo. Die höchste Wachstumsrate verzeichnete 2011 im Vorjahresvergleich mit 38 Prozent die Sparte Nutzfahrzeuge. Zu den verkauften 84'880 Personenwagen (plus 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sind bei Amag 4576 leichte Transporter von VW und 80 von Skoda dazuzuzählen.

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Nicht vergessen gehen darf zudem die Bedeutung der Amag als Porsche-Verkäufer. In den acht eigenen Retail-Betrieben wurden 1194 Porsches ausgeliefert, 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Ob sich auch hier die Leasing-Rate in der Höhe von 38 Prozent aller Verkäufe bewegt, wird seitens Hannesbo zwar nicht kommuniziert; die Zahl dürfte aber auch für die Sportwagenmarke zutreffen, wurden doch seitens Amag 2011 für alle Verkäufe mehr als 40000 neue Leasingverträge abgeschlossen.