Vor 20 Jahren hat Amazon sein erstes Buch verkauft. Heute versucht der weltgrösste Online-Händler, sich im Alltag der Kunden auszubreiten, damit sie in jeder Lebenslage reibungslos bei ihm einkaufen. Und damit versetzt Amazon mehr als nur eine Branche in Aufruhr.

Logistiker verfolgen mit grosser Aufmerksamkeit jeden Schritt der US-Firma, Detailhändler beobachten den Konzern mit Argusaugen. «Ich schaue 100-mal mehr auf Amazon, Zalando oder Ebay als auf irgendeinen Schweizer Online-Shop», sagte unlängst Migros-Chef Herbert Bolliger in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Ob Amazon in die Schweiz komme, sei für den orangen Riesen die wichtigste Frage.

Offensive in Deutschland

Noch sind diesbezüglich keine konkreten Schritte bekannt. In Deutschland dagegen hat Amazon mit dem Aufbau eines eigenen Logistiknetzes begonnen. So hat das Unternehmen im Juli die ersten Gesellschaften für die Amazon City Logistik gekauft.

Zweck der Firmen ist die «Erbringung von logistischen Dienstleistungen, insbesondere Transport, Umschlag und Lagerung, und anderen Vertriebsleistungen, einschliesslich der damit verbundenen Dienstleistungen.» Gleichzeitig sucht der Online-Händler Mitarbeiter für den Aufbau der Verteilstationen. Vergleichbare Angebote hat der US-Online-Händler bereits in den USA und in Grossbritannien umgesetzt. Amazon hat die Eintragung nicht kommentiert.

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Schweizer Zuschauer

Während in Deutschland die Nervosität angesichts eines möglichen Markteintritts von Amazon in die Nahversorgung deutlich zunehmen dürfte, werden die hiesigen Anbieter die Entwicklung wohl noch für eine gewisse Zeit als unbeteiligte Dritte mitverfolgen können. Aufgrund der Marktgrösse und der Wettbewerbssituation scheinen die Rahmenbedingungen laut Branchenexperten derzeit noch wenig erfolgversprechend.

Einen gewichtigen Vorteil haben Anbieter wie Amazon aber dennoch, sollten sie sich für den Aufbau einer eigenen Verteillogistik entschliessen. So verdienen diese Anbieter ihr Geld nicht mit der Logistik, sondern mit dem Inhalt des Pakets. Daher wäre es ihnen möglich, die Logistikleistung auch ohne Marge anzubieten.