Der Gewinn des Online-Versandhändlers Amazon ist vergangenen Jahr um beinahe die Hälfte eingebrochen. Der Umsatz sprang im Gesamtjahr um 41 Prozent auf 48,1 Milliarden Dollar nach oben. Die meistverkauften Produkte waren nach den Worten von Gründer und Konzernchef Jeff Bezos ein ums andere Mal die Kindle-Lesegeräte für elektronische Bücher und der neue Tabletcomputer Kindle Fire. «Sowohl in den USA wie auch in Europa», fügte Bezos an.

Analysten gehen allerdings davon aus, dass Amazon am Kindle wenig verdient oder sogar etwas drauflegt. So kostet der Kindle Fire in den USA weniger als die Hälfte von dem, Apples iPad kostet: 199 Dollar gegenüber 499 Dollar. Zudem steckte Amazon jede Menge Geld in den Ausbau seiner Lieferzentren. Angesichts der hohen Kosten schmolz der Gewinn um 45 Prozent auf 631 Millionen Dollar.

Heikles Weihnachtsquartal

Besonders dramatisch sah die Lage im wichtigen Weihnachtsquartal aus: Nicht nur, dass Amazon sein Wachstumstempo nicht halten konnte und den Umsatz für seine Verhältnisse um magere 35 Prozent auf 17,4 Milliarden Dollar steigerte. Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum überdies um 58 Prozent auf 177 Millionen Dollar. Sogar ein Verlust schien zwischenzeitlich möglich.

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Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Bezos betonte vor allem das überdurchschnittliche Wachstum der Fremdanbieter. Amazon verkauft über seine Website nicht nur eigene Waren, sondern hat sie auch für Dritte als Verkaufsplattform geöffnet. Auf diese fremden Händler entfielen nach Stückzahlen mittlerweile 36 Prozent aller Verkäufe, sagte Bezos.

Aktie bricht ein

Amazon fährt zweigleisig: Auf der einen Seite ist das Unternehmen ein klassischer Online-Händler, der mit günstigen Preisen die Konkurrenz auszubooten versucht, etwa den Marktplatz Ebay. Zum anderen entwickelt sich Amazon immer mehr zum Anbieter von Inhalten wie Filmen und Musik. Dazu hat Amazon den Kindle Fire herausgebracht, und damit sein Profil als einer der schärfsten Rivalen von Apple geschärft.

An der Börse kamen die Geschäftszahlen gar nicht gut an. Die Analysten hatten mit einem besseren Abschneiden zu Weihnachten gerechnet. Zudem zeigten sie sich unzufrieden mit dem Ausblick auf das laufende Quartal. Der Konzern stellt ein Umsatzzuwachs von vergleichsweise schwachen 22 bis 36 Prozent in Aussicht und schlimmstenfalls einen Verlust. Nachbörslich brach die Aktie um 9 Prozent ein.

(laf/tno/sda/awp)