Erst das Verlagshaus Hachette und der Medienkonzern Time Warner, nun wohl auch Walt Disney: Der Versandriese Amazon weitet seine harte Verhandlungstaktik aus. Über 900 Buchautoren haben ihrem Unmut bereits mit einem Protestbrief Luft gemacht.

Kurz vor den Verkaufsstarts der DVDs der Filme «Captain America» und «Die dunkle Fee» aus dem Hause Disney hat Amazon die Funktion für Vorbestellungen in seinem Marktplatz deaktiviert. Wie zuerst das Fachblatt «Home Media Magazine» bemerkte, galt dies für nahezu alle Disney-Titel.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Verhandlungen um neue Vertriebs-Deals

Die Situation erinnert an Konflikte zwischen Amazon und Time Warner sowie dem Verlag Hachette. In beiden Fällen baute das Versandportal auf diese Weise Druck bei den Verhandlungen um neue Vertriebs-Deals auf.

Warner-Filme waren deshalb von Mitte Mai bis Ende Juni nicht vorbestellbar. Ob sich zwischen Walt Disney und Amazon ähnliches anbahnt, liess sich zunächst nicht aufklären. Die Unternehmen halten sich bislang bedeckt.

Protest von Schriftstellern

Mehr als 900 Schriftsteller, darunter berühmte Autoren wie Stephen King oder John Grisham, verurteilten das Vorgehen des Online-Händlers Amazon im Streit um E-Book-Preise scharf. «Weder Leser noch Autoren profitieren davon, dass Bücher als Geiseln genommen werden», schrieben sie in einem offenen Brief am Wochenende.

Sie kritisierten, dass Amazon in der Auseinandersetzung mit dem Verlag Hachette etwa die Auslieferung gedruckter Bücher verlangsamt sowie keine Vorbestellungen angenommen habe. Der Internethändler will niedrigere Preise für digitale Bücher durchsetzen.

Unter den Unterzeichnern des von Bestsellerautor Douglas Preston verfassten Protestbriefs finden sich auch Namen weiterer bekannter Literaten wie David Baldacci, Lincoln Child oder Suzanne Collins. Sie riefen die Leser auf, Amazon-Chef Jeff Bezos per E-Mail die Meinung zu sagen. Amazon verstosse gegen sein eigenes Versprechen, vor allem an die Kunden zu denken, indem der Konflikt mit Hachette auf dem Rücken der Leser ausgetragen werde.

Mehreinnahmen dank günstigeren Preisen

Amazon konterte den Vorstoss der Schriftsteller mit einem eigenen offenen Brief. Darin heisst es unter anderem, Literatur müsse günstiger werden, da sie mit vielen anderen Medien im Wettbewerb stehe. «Bücher konkurrieren mit mobilen Spielen, Fernsehen, Filmen, Facebook, Blogs, kostenlosen Nachrichten-Websites und mehr.»

Das Unternehmen verwies auch erneut auf frühere Berechnungen, wonach mit niedrigeren E-Book-Preisen wie 9,99 Dollar viel mehr Bücher verkauft würden als etwa bei 14,99 Dollar, so dass Schriftsteller und Verlage am Ende sogar mehr verdienen würden.

Amazon verteidigte zudem den viel kritisierten massiven Druck auf Hachette. Der Verlag habe in den Verhandlungen drei Monate lang gemauert und sich erst zähneknirschend mit den Amazon-Argumenten auseinandergesetzt, «als wir Massnahmen ergriffen, den Verkauf ihrer Titel in unserem Store zu reduzieren».

Amazon habe vorgeschlagen, für die Dauer des Streits gemeinsam die Einbussen der Autoren auszugleichen - Hachette habe dies aber abgelehnt. Die Leser wurden im Gegenzug aufgerufen, E-Mails an den Hachette-Chef zu schicken.

E-Book für 9,99 Dollar

Amazon hatte früh auf digitale Bücher gesetzt und mit Preisen bei 9,99 Dollar das Geschäft in den USA zunächst dominiert. US-Verlage nutzten den Start von Apples E-Book-Store auf dem iPad-Tablet, um ein Modell nach dem Muster der deutschen Buchpreisbindung durchzusetzen, bei dem sie selbst und nicht der Händler den Preis bestimmen können.

Nach Einschreiten von US-Behörden wurde dieses Verfahren jedoch gekippt, und Amazon kann wieder die Bücher bei Verlagen zum Grosshandelspreis beziehen. Hachette stemmt sich in Verhandlungen über einen neuen E-Book-Deal gegen den von Amazon geforderten niedrigeren Preis bei 9,99 Dollar.

Einen ähnlichen Streit um die Preise für E-Books gibt es auch im deutschsprachigen Raum. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beschwerte sich beim deutschen Kartellamt über den Onlinehändler. Amazon wies den Vorwurf zurück, im Zuge von Verhandlungen die Auslieferung gedruckter Bücher aus der Verlagsgruppe Bonnier.

(sda/dbe)