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Pharma
Amazon: Licence to pill

Jeff Bezos
Jeff Bezos: Hat Ambitionen für das US-Gesundheitssystem.Quelle: Keystone

Amazons Pillpack-Kauf ist weniger brisant, als die Kursreaktionen glauben machen. Dennoch ist der Deal ein kluger Schachzug von Jeff Bezos.

Marcel Speiser
Kommentar  
Von Marcel Speiser
am 29.06.2018

Mehrere Milliarden Dollar an Börsenwert haben sich bei den grossen US-Apotheken-Ketten wie Walgreens und CVS in Luft aufgelöst, als der E-Commerce-Gigant Amazon angekündigt hat, den Online-Pillenversender Pillpack zu übernehmen. Das zeigt: Börsen sind in der kurzen Frist denkbar schlecht darin, die Relevanz von neuen Entwicklungen richtig einzuschätzen.

Die Reaktionen auf den Deal sind völlig überzogen. Erstens, weil Pillpack auch unter dem Dach von Amazon in den nächsten Jahren keine Chance hat, den US-Apothekenmarkt nachhaltig zu verändern. Das Unternehmen ist ein KMU, das noch nicht einmal 100 Millionen Dollar Umsatz macht. Notabene in einem Markt von 400 Milliarden Dollar.

Pillpack interessant aufgrund der Lizenzen

Zweitens ist Pillpack keine ausgewachsene Online-Apotheke wie etwa die Schweizer Zur Rose. Ihr Kerngeschäft ist das Portionieren und Dosieren von Medikamenten für chronisch kranke Menschen, die täglich einen Cocktail an Pillen einnehmen müssen. Pillpack wendet sich also an eine überschaubare Kundengruppe.

Drittens schliesslich: Der Service mag in den USA mit seiner ineffizienten Medikamenten-Versorgung und antiquierten Apotheken-Struktur interessant sein. In der Schweiz und in weiten Teilen Europas aber sieht die Welt anders aus. Hierzulande bietet jede vernünftige Apotheke den Pillpack-Service längst an – Hauslieferung inklusive.

Warum also legt Jeff Bezos 1 Milliarde Dollar für Pillpack auf den Tisch? Was macht das Unternehmen so wertvoll? Es sind seine Apotheken-Lizenzen und -Bewilligungen in 49 von 50 US-Bundesstaaten. Müsste Amazon selbst durch die Mühlen der Medikamenten-Regulierung, wäre das Unternehmen damit Jahre beschäftigt. Kurz: Bezos kauft sich mit Pillpack Lizenzen und Speed. Und das kann dann langfristig für die etablierten Apotheken-Player heikel werden.

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