Der Halbleiterhersteller AMS soll einen Schlüsselkunden verloren haben. Apple wolle in der nächsten Produktgeneration keine NFC-Verstärker des österreichischen Unternehmens mehr einbauen, schreibt die «Finanz+Wirtschaft» in ihrer neusten Ausgabe und verweist auf «unternehmensnahe Kreise» – und bringt damit die Börsianer in Verkaufslaune.

Bis kurz vor 12.00 Uhr büssen die AMS-Papiere gut 23 Prozent ihres Wertes ein und kosten noch 43,30 Franken. Zeitweise war die Aktie sogar um 27 Prozent angestürzt. Gehandelt sind bislang fast drei Millionen Papiere. Das ist die neunfache Menge eines normalen Handelstages. Alleine in den ersten dreissig Handelsminuten wechselten eine Millionen Papiere den Besitzer.

AMS: Kein Kommentar

NFC-Module (Near-Field-Communication) werden in elektronischen Geräten wie Smartphones und neuartigen Uhren wie der Apple-Watch eingebaut, damit mit ihnen an elektronischen Terminals bezahlt werden kann. Der eigentliche Chip wird heute laut dem Medienbericht von der holländischen Firma NXP geliefert, AMS liefert einen «Verstärker», um die Leistung zu steigern. Ein neuer Chip von NXP braucht demnach keinen «Verstärker» mehr.

Ein AMS-Sprecher kommentierte auf Anfrage von AWP die Meldung nicht, «da wir uns allgemein zu einzelnen Kunden nicht im Detail äussern können».

Verwirrte Analysten

In Analystenkreisen herrscht Verwirrung. Die Analysten der UBS sind besorgt. So würden sie ihre Umsatzschätzungen für das laufende Jahr voraussichtlich um 4 Prozent und für 2016 um 8 Prozent reduzieren, sollte sich die Meldung bewahrheiten. Die Schätzung für den Gewinn pro Aktie würde um 7 Prozent respektive 14 Prozent verringert. Völlig überraschend kommt für die UBS-Experten das Gerücht allerdings nicht. Es sei bekannt gewesen, dass NXP die Booster-Funktion in seine Produkte einbauen wolle und dies für AMS ein Risiko sei.

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Ähnlich sehen dies die Experten von Kepler Cheuvreux: Sie würden ihre Umsatzschätzungen um 6 Prozent (2015) bzw. 18 Prozent (2016) und die Gewinnschätzung um 8 Prozent und 25 Prozent senken. Somit würde AMS deutlich zurückgeworfen. Sollte der Aktienkurs infolge der Meldung einbrechen, werde AMS zudem ein Übernahmekandidat, meint der zuständige Analyst.

Vontobel befürchtet Fehlinterpretation

Auf der anderen Seite befürchten die Analysten von Vontobel eine Fehlinterpretation. Gemäss ihrem Wissensstand habe AMS an einer Verkleinerung ihres Verstärkers gearbeitet, so dass dieser nun in den eigentlichen NFC-Chip eingebaut werden könne. «Sollte dies der Fall sein, könnte es gut sein, dass NXP oder ein anderer Chiphersteller die AMS-Technologie in seine NFC-Lösung integriert», heisst es in einem ersten Kommentar.

Generell halten es die Vontobel-Experten für unwahrscheinlich, dass die Leistung der AMS-Verstärker erreicht werden kann, ohne dass die Patente von AMS verletzt würden. Die Technologie sei «state of the art».

AMS-Papiere bleiben eine Kaufempfehlung

Auch die UBS-Experten malen nicht nur schwarz. Sie betonen, dass AMS in letzter Zeit bei der Diversifikation seines Portfolios Fortschritte gemacht habe. Es gebe Wachstumsmöglichkeiten in den Bereichen Automobil und Industrie.

Vontobel und UBS empfehlen die AMS-Papiere unverändert zum Kauf. Kepler Cheuvreux hingegen hat das Rating auf «Hold» von «Buy» reduziert und die Titel von der «Swiss Top Picks»-Liste entfernt.

(awp/ise/ama)