Die Bauzulieferer leiden unter dem Liebesentzug der Anleger. Ehemalige Highflyer wie der Bauausrüster Arbonia Forster (AFG), dessen Aktie von 2004 bis 2007 über 280% zulegte, verloren angesichts negativer Baukonjunkturdaten aus dem In- und Ausland sowie Gewinnwarnungen branchenverwandter Unternehmen in den vergangenen 365 Tagen massiv an Börsenwert.

AFG hält an Umsatzziel fest

So brach die Aktie von AFG, die unter anderem Heiztechnik, Küchen und Fenster liefert, um 50% weg. CEO Edgar Oehler, der sich im Januar noch über die «Sippenhaft für die Bau-Titel» entrüstete, gibt sich gelassen. Am Umsatzziel – 2 Mrd Fr. bis 2012 – halte er fest. «Es wird akquisitorisch und organisch erreicht», so Oehler.

«In der Bauwirtschaft war das Wachstum in den Bereichen Heiztechnik und Sanitär in den letzten Monaten verhalten», räumt er gegenüber der «Handelszeitung» ein. Allerdings müsse man zwischen reifen und jungen Märkten unterscheiden. «Was den Küchenbereich angeht, sind die Überkapazitäten vor allem in Deutschland nach wie vor hoch», bestätigt Oehler. «Hier wird es noch zu Bereinigungen kommen.» Neue EU-Länder sowie die Schwellenländer im Mittleren und Fernen Osten dagegen boomten.

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Probleme bereite AFG auch die gestiegenen Rohwarenkosten. «Vor allem der explodierende Stahlpreis macht uns zu schaffen», sagt der AFG-Chef. Wie AFG die Aufschläge verkraftet, wird sich am 5. August 2008 zeigen, wenn der Konzern den Halbjahresabschluss vorlegt.Klar ist, dass Oehler die Wachstumschancen ausserhalb Westeuropas sucht: «Wir setzen neben den neuen EU-Ländern und Russland auf Asien-Pazifik», erklärt er. Deshalb hat AFG kürzlich einen Markt- und Verkaufsbereich Asia/Pacific in Schanghai geschaffen. Oehler warb dafür Felix Aepli ab, der bisher die Marktregion für den Sanitärtechniker Geberit führte.

Ein kleiner Schlag für die Rapperswiler: Geberit-Chef Albert Baehny hat, wie Oehler, grosse Pläne in Fernost. «Ganz Asien ist zentral für uns», sagte Baehny erst kürzlich im Interview (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 23 vom 4. Juni 2008). Die stärksten Impulse sehe er in China, Vietnam und Indonesien. Aeplis Abgang ist für Geberit kein Problem: Die Nachfolge sei bereits geregelt, heisst es.

Wie sich Geberit im 1. Halbjahr geschlagen hat, wird sich am 12. August 2008 zeigen. Geberit gibt wegen der Schweigeperiode keine Statements mehr zum Geschäftsverlauf ab. Sprecher Roman Sidler verweist auf die Aussagen Baehnys an der Telefonkonferenz vom 29. April. Damals blieb der CEO im Hinblick auf das Halb- und Gesamtjahr vorsichtig. Intakt sind nach wie vor die mittelfristigen Ziele, also ein jährliches Umsatzwachstum von 4 bis 6% und eine Ebitda-Marge von 23 bis 25%.

Forbo-Kauf: Marge nicht bedroht

Proaktiv tritt der Bodenbelag-, Klebstoff- und Fördertechnikhersteller Forbo auf. Am Montag gab CEO This Schneider bekannt, für 123 Mio Pfund den schuldenfreien britischen Bodenbelaghersteller Bonar Floors zu kaufen – trotz schwachem Lokalmarkt. «Das Unternehmen ist ein perfekter strategischer Fit für uns», begründet Schneider die Akquisition auf Anfrage. Bonar verfüge über ein zu Forbo komplementäres Produktsortiment und sei ebenfalls im Objektgeschäft tätig. Die Briten könnten nun vom weltweiten Vertriebsnetz Forbos profitieren und dadurch substanziell wachsen. Mit Bonar kaufe Forbo rund 11 bis 12% Umsatz zu. Eine Margenverwässerung befürchtet Schneider nicht: «Bonars Betriebsmarge liegt nur leicht unter derjenigen von Forbo.» Zudem werde das Cross-Selling zusätzliche Synergien freisetzen.