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Andermatt-Investor Sawiris unterstützt Burkaverbot

Samih Sawiris: Vater von Neu-Andermatt. Keystone

Samih Sawiris stammt aus einem mehrheitlich muslimischen Land. Trotzdem spricht der Ägypter für ein Verbot der Vollverschleierung aus. Wegen der Kultur in der Schweiz.

Von Marc Iseli
am 22.09.2016

Seit Juli gilt im Tessin ein Verschleierungsverbot. Und auch auf nationaler Ebene laufen Bestrebungen, die Burka zu verbieten. Federführend ist SVP-Nationalrat Walter Wobmann. Er ist Verfasser der parlamentarischen Initiative für ein «Verbot der Verhüllung des eigenen Gesichts».

Touristiker befürchten, dass ein derartiges Anliegen – sollte es zur Abstimmung kommen und angenommen werden – den Ruf der Schweiz in der arabischen Welt beschädigen könnte. Kaufkräftige Kunden könnten ausbleiben, Destiantionen wie Interlaken, Genf und Zürich müssten sich Millionen ans Bein schmieren.

Sawiris befürwortet Burka-Verbot

Anderer Meinung ist Andermatt-Investor Samih Sawiris. Er befürwortet in der Schweiz ein Vebot der Vollverschleierung – aus kulturellen Gründen. «Mit einem Kopftuch kann ich noch leben, obschon ich es ablehne», sagt Sawiris zur «Handelszeitung». «Die Burka aber ist eine saudische Erfindung, um die Frauen aus dem Leben der ­Gesellschaft zu entfernen. Das ist nicht akzeptabel.»

Sawiris macht auch Sicherheitsbedenken geltend. «In der heutigen Zeit, wo wir so viele gefähr­liche Menschen unter uns haben, geht es nicht, dass jemand mit einem Niqab oder einer Burka ­herumlaufen kann», sagt der koptische Christ und Präsident der Immobilienentwicklungsfirma Orascom.

«Wir sind Geschäftsleute»

Derartige Aussagen sind brisant für einen Unternehmer, der einen Grossteil des Umsatzes in ­einem muslimischen Land erwirtschaftet. Als ­Samih Sa­wiris’ Bruder Naguib vor neun Jahren sagte, er fühle sich wie in Iran, weil immer mehr Frauen das Kopftuch in Ägypten trügen, forderte ein islamischer Geistlicher einen Boykott aller Firmen, die zum koptischen Sawiris-Imperium gehörten.

Samih Sawiris befürchtet aber keine Repressalien. Dass er, Andermatt oder andere Orascom-Destinationen deswegen ins Visier von Fanatikern geraten, sei ­unwahrscheinlich. Sawiris: «Wir sind Geschäftsleute, keine Gegner des Islam.» Und weiter: «Im Übrigen sind die meisten meiner Freunde Moslems. Alles vernünftige Menschen, die sich über die Burka genauso ärgern.»

Streit um Geld

Derweil treibt Sawiris sein Projekt in Andermatt voran. Im Sommer eröffnete ein 18-Loch-Golfplatz, neue Bahnen für die Skiarena Andermatt-Sedrun sind bewilligt und das Fünf-Sterne-Deluxe-Haus «The Chedi» heimste den Titel «Hotel des Jahres 2017» ein. Ein zweites Hotel ist im Bau. Es soll Ende 2017 fertig werden und 2018 in Betrieb gehen.

Wer der Betreiber sein wird, ist noch nicht ganz klar. «Wir sind in der letzten Verhandlungsphase», sagt Sawiris. Die Hotelkette Radisson Blu habe die besten Karten. In der Branche werden aber auch andere Namen herumgereicht. Die US-amerikanische Wyndham Group soll angeklopft haben. «Es kann sein, dass der Deal nicht zustande kommt», sagt auch Sawiris. Der Streitpunkt: Geld. «Wir haben uns noch nicht gefunden», so der Chef von Neu-Andermatt.

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