André Kudelski ist einer der erfolgreichsten Unternehmer der Schweiz. Jetzt schliesst er nicht mehr aus, dass er das Land aus Wut über zu viel Bürokratie, Regulierung und steigende Steuern Richtung USA verlässt. «Wenn sich die Rahmenbedingungen in der Schweiz für uns weiter verschlechtern würden, hätten wir absolut kein Problem, in die USA umzuziehen», sagt Kudelski im Interview mit der «HandelsZeitung».

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Dass es sich dabei nicht um eine leere Drohung handelt, belegt die Tatsache, dass Kudelski schon einmal einen Wegzug geprüft hatte. «Ich stand 1991 schon einmal vor dieser Frage. Berater hatten mir empfohlen, aus der Schweiz wegzuziehen.» Dennoch blieb er und schuf innovative Produkte und neue Jobs. «In letzter Zeit stelle ich eine klare Verschlechterung der Rahmenbedingungen für die Firmen fest.»

Die Politik in der Schweiz entwickle sich in die falsche Richtung. «Wenn das Umfeld für die Firmen noch schlechter wird, müssen wir einen Wegzug erneut erwägen.» Rund 98% der Geschäftsaktivitäten im Kerngeschäft des Technologieunternehmens entfallen auf das Ausland. «Die Steuerbelastung für Unternehmer ist viel zu hoch», ärgert sich Kudelski. «Andere Staaten haben ihre Steuern gesenkt, wir erhöhen sie laufend.»

Laut Rudolf Walser, Chefökonom der Economiesuisse, wird die Standortqualität von international tätigen Firmen ständig geprüft. «Verfestigt sich einmal der Eindruck, dass sich die Rahmenbedingungen eines Landes relativ zu anderen dauernd verschlechtern, sind Standortverlagerungen letztlich unumgänglich.»