Wie laufen die Geschäfte?
André Kudelski: Sehr erfreulich. Wir können deutliche Fortschritte im Digital-TV-Geschäft verzeichnen und unsere führende Position im weltweiten Kabel-TV-Markt weiter ausbauen.

Wie viele Smart Cards - Chips also zur Entschlüsselung von TV-Signalen - konnten in diesem Jahr bislang verkauft werden?
Kudelski: Dazu geben wir noch keine detaillierten Zahlen ab. Wir verzeichnen bei den Smart Cards aber einen sehr positiven Trend. Der Januar 2005 war der intensivste Monat in unserer Geschichte. Dieser Trend setzt sich fort.

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Wo wollen Sie wachsen?
Kudelski: Digital-TV bleibt für uns weltweit der grosse Wachstumsmotor. Mit den Verschlüsselungssystemen für Digitalfernsehen möchten wir einerseits in Amerika weiter wachsen, anderseits sehen wir ein riesiges Potenzial in Asien. Auch in Europa werden wir weiter expandieren.

In Europa verfügt Kudelski doch bereits über eine sehr starke Stellung?
Kudelski: Im Bereich des digitalen terrestrischen Fernsehens sehe ich in Europa dennoch bedeutende Expansionschancen. Wir sind führend in Grossbritannien und in Italien. Auch in Frankreich streben wir eine Führungsposition an. In Deutschland planen wir ebenfalls einen Ausbau.

Nicht erwähnt haben Sie Osteuropa: Bestehen da für Kudelski nicht auch grosse Wachstumschancen?
Kudelski: Wir sind heute unter anderem in Polen und Rumänien präsent. Sie haben jedoch Recht: In Osteuropa bestehen für uns noch grosse Wachstumschancen. So zum Beispiel erreicht UPC, der Marktleader in Osteuropa, 4,7 Mio Haushalte mit seinem Kabelangebot. Das könnte ein Treiber für unser künftiges Wachstum werden. Dieses voll zu erschliessen braucht aber Geduld.

Werden wir weitere Übernahmen sehen?
Kudelski: Wir werden Akquisitionen vornehmen, um neue Segmente zu erschliessen und schneller zu wachsen.

Schwieriger präsentiert sich die Lage im Bereich Zugangssysteme: Kommt 2005 in diesem Bereich der Turnaround?
Kudelski: Erste positive Resultate werden wir im 2. Halbjahr 2005 sehen.

Für das 1. Halbjahr 2005 wird die Sparte somit erneut einen Verlust ausweisen?
Kudelski: Ja, allerdings war in den letzten fünf Jahren das erste Halbjahr immer negativ. Das hat saisonale Gründe. Das 2. Halbjahr dürfte sich besser entwickeln.

Der Bereich Zutrittkontrollsysteme wird also 2005 nicht wieder rote Zahlen schreiben?
Kudelski: Nein, wir gehen davon aus, dass wir in dieser Sparte keinen Verlust mehr haben werden.

Damit Sie dies erreichen, müssen die Kosten stark gesenkt werden. Sind Sie auf gutem Weg?
Kudelski: Beim Kostensparprogramm sind wir auf einem guten Weg. Da sehen wir klare Fortschritte.

2006 soll der Bereich Public Access eine Marge von 10% erwirtschaften: Wieweit ist man, um dieses Ziel zu erreichen?
Kudelski: Die Marge von 10% für den Bereich Public Access ist ein mittelfristiges Ziel. Wir werden 2006 nicht weit davon entfernt sein, dieses Ziel zu erreichen.

Kann Kudelski für die ganze Gruppe auch künftig ein zweistelliges Wachstum erreichen?
Kudelski: Wir kämpfen dafür. Wir haben eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass wir dies erreichen.

Wie entwickeln sich die Margen?
Kudelski: Positiv. Da habe ich absolut keine Bedenken.

Wird somit die Profitabilität im ersten Halbjahr erneut auf ein Rekordniveau steigen?
Kudelski: Wir investieren derzeit sehr viel in die weitere Entwicklung. Das kostet. Dennoch bleibt die Profitabilität sehr hoch.

Ihre Ebit-Prognose für 2005 liegt in der Bandbreite von 110 bis 120 Mio Fr. Werden Sie diese Prognose erreichen?
Kudelski: Ich habe nach fünf Monaten keinen Grund, daran zu zweifeln.

Es besteht also auch kein Grund, die Prognose zu ändern?
Kudelski: Nein. Die Entwicklung, die wir in diesem Jahr im Digital-TV-Bereich bislang gesehen haben, lässt uns sehr zuversichtlich sein.

Beim Umsatz hatten Sie ein Ziel für 2005 von 670 bis 690 Mio Fr. genannt. Sind Sie auf Kurs?
Kudelski: Nach fünf Monaten sind wir gut auf Kurs. Auch beim Umsatz bin ich guten Mutes.

Sie könnten die Ebit-Prognosen für 2005 ja erhöhen?
Kudelski: Ich bestätige unsere Prognosen und bestätige ebenfalls, dass wir für das Gesamtjahr optimistisch sind. Zum jetzigen Zeitpunkt wollen wir jedoch unsere Guidance nicht erhöhen. Zudem wollen wir neue Geschäfte entwickeln, die dann 2006 einen positiven Einfluss haben.

Da waren Sie ja bereits ziemlich erfolgreich mit den beiden neuen Aufträgen von UPC Broadband und Canal+. Welchen Einfluss haben diese Grossaufträge auf das Resultat von Kudelski?
Kudelski: Die Zusammenarbeit mit UPC Broadband umfasst ein weltweites Kooperationsabkommen im Bereich von Zugangs- und Content-Protection-Systemen. Ausserdem konnten wir dank der Wahl des Mediaguard-Zugangssystems für die terrestrischen Paychannels unsere wichtige Zusammenarbeit mit Canal+ weiter ausbauen. Beide Aufträge bringen uns einen grossen Schritt vorwärts und werden unseren Gewinn und den Umsatz 2006 stark beeinflussen. Die Aufträge zeigen, dass wir in der Lage sind, 2006 weiter zu wachsen.

Was bedeutet dies in Zahlen: Was sind Ihre Gewinnprognosen für 2006?
Kudelski: Wir veröffentlichen diese Ziele noch nicht.

Stehen nach UPC Broadband und Canal+ weitere Neuaufträge an?
Kudelski: Wir rechnen damit, dass wir unseren positiven Entwicklungstrend bestätigen und damit weitere Aufträge im Laufe des Jahres ankündigen können.

Inwieweit beeinflussen die aktuellen Dollarschwankungen das Resultat?
Kudelski: Momentan verzeichnen wir wieder einen positiven Einfluss. Der Dollar ist heute höher, als wir erwartet hatten. Natürlich wäre es für uns noch besser, wenn der Dollar wie früher auf 1.50 Fr. oder 1.80 Fr. stehen würde.

Sichern Sie sich gegen eine weitere Dollarschwäche ab?
Kudelski: Ja, wir sind gut abgesichert. Aber das nützt nur mittelfristig. Langfristig müssen wir mit jeder Dollarentwicklung leben können. Das können wir, indem wir innovative Produkte entwickeln.

Kudelski zahlte für das Geschäftsjahr 2004 erstmals eine Dividende: Können Ihre Aktionäre davon ausgehen, dass Kudelski üblicherweise eine Dividende ausschüttet?
Kudelski: Ja, davon kann man ausgehen. Wenn wir weiter gut arbeiten, werden die Aktionäre auch in den nächsten Jahren jeweils eine Dividende erhalten.

Was dürfen die Aktionäre von Kudelski erwarten?
Kudelski: Die Aktionäre dürfen von uns ein sehr hohes Wachstum erwarten. Seit 1991 nahm unser Umsatz von 19 Mio Fr. auf 619 Mio Fr. im letzten Jahr zu. Ich kann nicht eine exakt gleich hohe Wachstumsrate in den nächsten 15 Jahren versprechen. Ich kann aber versichern, dass wir eine Wachstumsfirma bleiben.

Erkennen die Investoren das Potenzial von Kudelski bereits genügend?
Kudelski: Nein. Es sind nur wenige Investoren, die sich intensiv mit dem vollen Potenzial unserer Gesellschaft auseinander setzen. Derzeit werden sicher nicht alle Qualitäten genügend berücksichtigt.

Heisst dies, dass die Kudelski-Aktien nach Ihrer Ansicht derzeit zu tief bewertet sind?
Kudelski: Ich äussere mich nicht zu unserem Aktienkurs.

Welches sind Ihre persönlichen Ziele: Wie lange beabsichtigen Sie, auch CEO von Kudelski zu bleiben?
Kudelski: Solange ich der Firma positive Impulse geben kann. Die Firma ist in einer guten Verfassung. Jetzt möchte ich sie weiterentwickeln und international noch breiter abstützen.

Könnten Sie sich vorstellen, die Einheitsaktie einzuführen?
Kudelski: Nein, absolut nicht. Für unsere Kunden ist es sehr wichtig, dass sie einen langfristig orientierten Partner haben. Wenn wir die Kontrolle abgeben, wäre dies nicht mehr im gleichen Umfang gewährleistet. Jetzt können wir nicht einfach übernommen oder von irgendeinem Aktionär zu einem Strategiewechsel gezwungen werden. Diese Sicherheit im Aktionariat ist für unsere Kunden wichtig.

Ist die Schweiz für Wachstumsfirmen wie Kudelski attraktiv genug?
Kudelski: Wir sind zwar ein Schweizer Unternehmen. Allerdings fallen 98% unserer Geschäftsaktivitäten im Kerngeschäft ausserhalb der Schweiz an. Wenn sich die Rahmenbedingungen in der Schweiz für uns weiter verschlechtern würden, hätten wir absolut kein Problem, in die USA umzuziehen.
Ist es möglich, dass Kudelski eines Tages die Schweiz verlässt?
Kudelski: Ich stand 1991 schon einmal vor dieser Frage. Berater hatten mir empfohlen, aus der Schweiz wegzuziehen. Wir blieben. Stattdessen haben wir innovative Produkte kreiert und neue Jobs geschaffen. Bislang war das Umfeld in der Schweiz gut. In letzter Zeit stelle ich aber eine klare Verschlechterung der Rahmenbedingungen für die Firmen fest. Leider entwickelt sich die Politik in diesem Land in die falsche Richtung. Wenn das Umfeld für die Firmen noch schlechter wird, müssen wir einen Wegzug erneut erwägen.

Was müsste in der Schweiz getan werden, um die Rahmenbedingungen für Sie als Unternehmer zu verbessern?
Kudelski: Die Steuerbelastung für Unternehmer ist viel zu hoch. Die Regulierung nimmt immer mehr zu, gleichzeitig nimmt aber die Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Schweiz gegenüber dem Ausland ab. Andere Staaten haben ihre Steuern gesenkt, wir erhöhen sie laufend. Wir müssen die Staatsausgaben verringern und die Steuern reduzieren.

Ist das alles?
Kudelski: Wir müssen vermehrt Prioritäten setzen. Wir sollten die Bürokratie und die Regulierungsflut reduzieren und das eingesparte Geld lieber in bessere Bildung investieren. Nicht nur der Bund sollte sparen. Auch in den Kantonen müsste viel genauer darauf geschaut werden, wofür das Geld ausgegeben wird. Bei der Regulierung stelle ich fest, dass wir negative Dinge aus den USA übernehmen, die positiven Faktoren, die den Unternehmen mehr Anreize bieten, indes nicht. Auch bei den internationalen Beziehungen müssen wir darauf achten, dass wir unsere Chancen nicht verpassen.

Worauf zielen Sie?
Kudelski: Die Schweiz sollte bei ihren Beziehungen den Fokus nicht allein auf Europa richten, sondern auch die Chancen in den USA und Asien wahrnehmen. Es wäre sinnvoll, rasch ein Freihandelsabkommen mit den USA und einem unserer Handelspartner in Asien abzuschliessen.