Baukräne hier, Bagger da – wer in unserem Land derzeit unterwegs ist, hat das Gefühl, dass überall gebaut wird. Der Schein trügt nicht, gerade im Wohnungsbau ist in den letzten Jahren überdurchschnittlich viel Neues entstanden. Während 2003 noch rund 33000 neue Wohnobjekte errichtet wurden, sind im Jahr 2006 bereits rund 42000 Wohneinheiten neu gebaut worden. Im letzten Jahr entstanden neu gar knapp 44000 Wohnungen, womit die Wohnungsproduktion wieder das hohe Niveau von Mitte der 90er Jahre erreicht hat. Für das laufende Jahr rechnen Immobilienexperten mit 42000 zusätzlichen Wohneinheiten, was einem leichten Rückgang um rund 1500 Einheiten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bei den Mietwohnungen wird für 2008 mit 12000 neuen Einheiten gerechnet.

Aufgrund der leicht abnehmenden Wohnbautätigkeit sowie rückläufiger Planungsdaten lässt sich zwar auf ein Nachlassen des Baubooms schliessen. Angebot und Nachfrage bewegen sich aber laut der Immobilienmarktstudie 2008 der Credit Suisse nahezu im Gleichschritt, weshalb generell keine Überhitzungstendenzen auszumachen seien. Einzig im Zweitwohnungsmarkt stellen die Experten gewisse Übertreibungen fest. Im Weiteren wird von einer nach wie vor robusten Wirtschaftslage ausgegangen und mit einem BIP-Wachstum von rund 2% fürs laufende Jahr gerechnet. Die Autoren der Studie sind sich sicher, dass am schweizerischen Hypothekarmarkt ein ähnliches Debakel wie in den USA ausgeschlossen werden kann.

Erhöhter Wohnflächenanspruch

Vor allem in städtischen Regionen besteht eine rege Nachfrage insbesondere auch nach Mietwohnungen. Die aktive Bautätigkeit der letzten Jahre kam hier gerade richtig, denn die positive wirtschaftliche Entwicklung und damit einhergehend die Erhöhung der Einkommen sowie die Zuwanderung aus dem EU-Raum liessen auch die Nachfrage weiter ansteigen. Wie die erwähnte Studie der Credit Suisse ausführt, ist die Einkommensentwicklung denn auch einer der ganz wichtigen Faktoren beim Bedarf nach Wohnraum, weil mit steigender Wohlfahrt die Ausgaben fürs Wohnen in ähnlichem Umfang ansteigen. Zusätzliches Einkommen wird somit zu einem grossen Teil auf dem Immobilienmarkt wieder ausgegeben. So gaben die Haushalte in der Schweiz trotz markanter Wohlstandssteigerungen über die letzten Jahrzehnte hinweg stets rund 15 bis 18% ihrer Einkommen zu Wohnzwecken aus. Die Tendenz der Haushalte, zusätzliche Einkommen für eine Verbesserung der Wohnsituation auszugeben, schlägt sich insbesondere im angestiegenen Bedarf nach Wohnfläche nieder. Tatsächlich hat in den letzten Jahrzehnten der Wohnflächenanspruch pro Kopf deutlich zugenommen. Allein zwischen 1990 und 2000 ist dieser von 39 auf 44 m2 angestiegen und dürfte sich seither noch weiter erhöht haben. Weil die Zunahme an Wohnfläche pro Kopf direkt mit den steigenden Einkommen zusammenhängt, ist aber damit zu rechnen, dass bei einer allfällig abnehmenden Wirtschafts- und Einkommenslage auch der Wohnungsbedarf wieder rückläufige Tendenzen aufweisen wird. Erfahrungsgemäss rückt dann die Bevölkerung wieder näher zusammen. Junge Menschen wohnen länger bei ihren Eltern, Zweitwohnsitze werden teilweise aufgegeben und Wünsche nach grossräumigeren Wohnungen vorübergehend fallen gelassen.

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