Zürich hat die ETH, die Universität - und dann kommt lange nichts. Der Bildungsstandort wird dominiert durch die beiden Hochschulen mit interna-tionaler Ausstrahlung. Doch im Windschatten gibt es einen Mitbewerber, der sich auf der Überholspur befindet: Die Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). «Wir positionieren uns nicht hinter, sondern neben ETH und Universität», korrigiert Jacques Bischoff, seit vier Jahren Rektor der HWZ. Er bezieht sich dabei auf den Bund, der den Unterschied so formuliert hat: «Fachhochschulen sind gleichwertig, aber andersartig.»

Der Begriff «andersartig» trifft auf die HWZ zu. «Sie ist als Fachhochschule per Definition praxisorientierter als Universitäten», sagt Bischoff und will dies als positives Differenzierungsmerkmal verstanden wissen. An der HWZ werden ausschliesslich berufsbegleitende Lehrgänge angeboten. Im Bereich Ausbildung sind das auf Bachelor-Stufe die drei Studiengänge Betriebsökonomie, Kommunikation und Wirtschaftsinformatik. Neu dazu kommt ab März ein zweijähriger Lehrgang Master of Science in Business Administration.

Zum Kernangebot der HWZ gehört aber auch der Weiterbildungsbereich. Dort offeriert das Institut, das seit 2003 im Sihlhof beim Zürcher Hauptbahnhof domiziliert ist, zwei Executive MBA und acht Master of Advanced Studies (MAS). Dazu kommen weitere Zertifikats- und Diplomstudiengänge. In den letzten vier Jahren ist die Zahl der HWZ-Studenten von 1300 auf 1700 gewachsen. Sie stammen aus der ganzen Deutschschweiz, teilweise aus dem süddeutschen Raum.

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Mit Hochwertigkeit profilieren

Das Kursprogramm wird in Fachkreisen als breit und diversifiziert gelobt. Noch wichtiger: Für das vorhandene Angebot hat die Nachfrage markant zugenommen. «Man nimmt uns immer besser wahr», freut sich der Rektor und räumt ein, dass die HWZ als Marke in der öffentlichen Wahrnehmung eher einen Langsam-Start hingelegt habe. «Der Namenswechsel im Jahr 1998 von der bekannten HWV zur heutigen HWZ wurde damals zu wenig klar kommuniziert.» Noch heute macht Bischoff Begegnungen mit Personen, die nicht wissen, dass die ihnen bekannte, berufsbegleitende HWV den Namen gewechselt haben soll.

Die Marketingsünde fällt heute allerdings kaum mehr ins Gewicht, denn die HWZ kann sich mit einem klar hochwertigeren Angebot profilieren. Das habe mit der Bologna-Reform und der neuen Unterteilung in Bachelor- und Master-Stufe zu tun, meint Bischoff. «Weil die Fachhochschulen voll in das System integriert worden sind, ist ihr Ansehen gestiegen.» Davon profitiert die HWZ, die sich heute als «grösste berufsbegleitende Hochschule im Bereich Wirtschaft» in der Schweiz positioniert.

Dieses Etikett, kombiniert mit der zentralen Lage in Zürich, wirkt offenbar anziehend. Von einem Anmelderückgang spürt Jacques Bischoff jedenfalls wenig. Die im Januar an der HWZ gestarteten MAS- und Zertifikations-Lehrgänge seien sehr gut ausgebucht. «Wir haben zurzeit wenig Indikatoren, um zu beurteilen, in welchem Ausmass die Krise uns treffen wird», sagt der Rektor. Deshalb sei es verfrüht, eine Prognose fürs Herbst-semester zu stellen. Geringfügige Rückgänge bei den Anmeldungen würden ihm indes keine Sorgenfalten auf die Stirn treiben. «Die HWZ steht finanziell auf einem soliden Fundament und verfügt über eine kerngesunde Bilanz.»

Die Wirtschaftskrise komplett ignorieren kann und will die HWZ indes nicht. Diese wird in den verschiedenen Studiengängen, vornehmlich in den Bereichen Volkswirtschaft sowie Banking and Finance mit Nachdruck thematisiert. Eine radikale Neuformierung aller Studieninhalte gebe es nicht, so Bischoff. «Natürlich werden die Gründe und Zusammenhänge der Krise in den Vorlesungen thematisiert und vertieft.» Hilfreich dafür seien die engen Kontakte der HWZ zur Wirtschaft. So könne jederzeit die aktualitätsbezogene Gestaltung der Lehrprogramme gewährleistet werden. Auch strategisch will die HWZ ein Zeichen setzen: Dank der grosszügigen Unterstützung einer privaten Stiftung kann demnächst ein neues Kompetenzzentrum für Corporate Social Responsibility errichtet werden.

Zahl der Studierenden wächst

Solche Aktivitäten, kombiniert mit der stetigen Entwicklung und Aktualisierung der Lehrinhalte, sind für Bischoff die geeigneten Instrumente, um das Image der HWZ weiter zu steigern. Dabei helfen auch öffentliche Auszeichnungen und Kooperationen mit renommierten ausländischen Instituten. 2008 wurde das Bachelor-Studium in Banking and Finance offiziell durch die Schweizer Bankiervereinigung anerkannt. Ebenfalls im vergangenen Jahr ist die HWZ eine neue Kooperation mit der international bekannten Steinbeis-Hochschule in Berlin eingegangen.

Solche Engagements steigern die Bekanntheit der HWZ. Der definierte Zielmarkt für Rektor Jacques Bischoff bleibt die Deutschschweiz. 1700 Studierende zählt die HWZ gegenwärtig. «2000 sind auf jeden Fall möglich, ohne dass wir eine räumliche Expansion in Betracht ziehen müssten.»