1. Home
  2. Unternehmen
  3. Angeklagte Euribor-Händler berieten EZB

Betrug
Angeklagte Euribor-Händler berieten EZB

Deutsche Bank: War beim Zinssatz-Manipulieren ganz vorne dabei.   Keystone

Deutsche-Bank-Händler müssen wegen Euribor-Manipulationen vor Gericht. Neben ihren Betrugsgeschäften haben sie auch die Europäische Zentralbank beraten.

Veröffentlicht am 14.11.2015

Sechs Investmentbanker der Deutschen Bank müssen sich im nächsten Jahr wegen Zinsmanipulationen vor einem Londoner Gericht verantworten. Die für Wirtschaftskriminalität zuständige britische Behörde Serious Fraud Office (SFO) erhob zum ersten Mal Anklage gegen Banker, die in die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Euribor verwickelt sein sollen. Betroffen sind auch vier Mitarbeiter der britischen Barclays Bank.

Der prominenteste der Angeklagten ist der Franzose Christian Bittar, der bekannt geworden war, weil er mit 80 Millionen Euro 2009 den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Der Derivate-Spezialist war 2011 entlassen worden.

Vorwurf: Gemeinschaftlicher Betrug

Der Vorwurf des SFO lautet auf gemeinschaftlichen Betrug. Die Ermittlungen dauerten an. Die Beschuldigten müssen am 11. Januar vor einem Gericht im Londoner Stadtteil Westminster erscheinen. Weitere Anklagen seien zu erwarten, heisst es in der Mitteilung des SFO. Das SFO, die als unabhängige Abteilung der britischen Regierung nur dem Generalstaatsanwalt unterstellt ist, hatte die Ermittlungen im Euribor-Fall vor dreieinhalb Jahren an sich gezogen.

Bank hat bereits 2,5 Milliarden bezahlt

Wie viele der angeklagten Deutsche-Bank-Händler noch für ihren Arbeitgeber tätig sind, blieb zunächst offen. Die Bank wollte sich zu dem Fall nicht äussern. Die vier Barclays-Banker arbeiten dort nach Angaben der Bank nicht mehr.

Das Frankfurter Institut hatte wegen der Manipulation des Euribor im April 2,5 Milliarden Dollar gezahlt. Die britische Finanzaufsicht FCA hatte damals aus E-Mails und Internet-Chats unter den Händlern zitiert, die auf eine Beteiligung Bittars schliessen liessen. Bittar hatte erst in dieser Woche einen Prozess gegen die FCA in erster Instanz gewonnen, weil er durch die Veröffentlichung blossgestellt worden sei. Obwohl Bittars Name nicht genannt worden war, sei er zumindest in der Branche eindeutig identifizierbar, hatte sein Anwalt moniert. Bittar hatte für die Deutsche Bank in London mit Derivaten auf Basis des Euribor gehandelt, was ihm den Mega-Bonus einbrachte, ehe er 2010 für die Bank nach Singapur wechselte. Eine Rechtsvertreterin erklärte später, dass Bittar sich gegen die Anklage zur Wehr setzen werde.

Auch der Libor-Zinssatz war manipuliert worden. Tom Hayes, ein ehemaliger Händler von Citi und UBS, war deswegen im August zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Prozesse gegen weitere Libor-Händler laufen in London, andere sollen im Januar 2016 beginnen.

Wegen Euribor-Affäre Angeklagte berieten EZB

Drei wegen Zinsmanipulationen angeklagte Händler waren EZB-Unterlagen zufolge auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise Mitglieder eines Beratergremiums für die Währungshüter. Die drei Verdächtigen, die damals für Barclays und die Deutsche Bank arbeiteten, sassen in der sogenannten Geldmarkt-Kontaktgruppe (Money Market Contact Group), die der Europäischen Zentralbank bei der Bekämpfung der Krise beistand. Dies belegen Dokumente, die auf der Webseite der Europäischen Zentralbank veröffentlicht wurden.

Die drei Händler zählen zu den zehn Verdächtigen, die von der britischen Behörde Serious Fraud Office beschuldigt werden, in die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Euribor verwickelt zu sein. Der Vorwurf lautet auf gemeinschaftlichen Betrug. Sie sassen 2010 beziehungsweise 2011 in dem Gremium. Die Mitglieder trafen sich regelmässig und berieten sich in Telefonkonferenzen.

Länder wie Griechenland, Portugal oder Irland liefen damals Gefahr, den Euro verlassen zu müssen. Zudem liehen sich Banken untereinander kaum noch Geld. Eine Kernbotschaft der Berater war damals, dass die EZB unbegrenzt Geld zur Verfügung stellen solle, um die Liquidität zu ersetzen, die Investoren und Bankkunden abzogen.

Die Notenbank erklärte nun, bei der Kontaktgruppe handele es sich um ein Forum, in dem mit Branchenvertretern über Trends auf dem Geldmarkt gesprochen werde. «Die EZB spielt bei der Feststellung des Euribor keine Rolle.»

(reuters/chb)

Anzeige