Der Kurs griechischer Staatsanleihen ähnelt derzeit dem von Lehman Brothers im September 2008. Zu Wochenbeginn befanden sich die Notierungen griechischer Staatsanleihen vorübergehend im freien Fall. Rette sich, wer kann, lautet die Parole. Am Finanzmarkt rechnet kaum noch jemand mit einem glimpflichen Ausgang des Schuldendramas.

Papiere mit zweijähriger Restlaufzeit verloren binnen Stunden mehr als 4% an Wert. Im Gegenzug schoss die Rendite auf fast 13% nach oben. Würde Athen versuchen, den Kapitalmarkt anzuzapfen, müsste es jetzt mehr zahlen als der Krisenstaat Pakistan, dessen Staatsgebiet zu einem Viertel von Taliban beherrscht wird und dessen Inflationsrate bei 22% liegt.

Grundprobleme ungelöst

Der Euro kam nach einer kurzen Erholung wieder unter Druck. Nur mit Mühe konnte sich der Kurs über 1,33 Dollar halten. Noch im November hatte die Einheitswährung bei über 1,51 Dollar notiert. Nur die Aussage des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble, dass die deutsche Hilfe für Hellas schon in den nächsten beiden Wochen auf den Weg gebracht werden soll, konnte den Euro etwas stabilisieren. Gefragt war hingegen die Fluchtwährung Gold.

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«Die Aktivierung des Rettungspakets für Griechenland mag eine vorübergehende Erleichterung gebracht haben, das grundsätzliche Problem, das auf dem Euro lastet, bleibt unberührt», sagt Hans-Günter Redeker, Devisenexperte bei der BNP Paribas. Mit dem grundsätzlichen Problem meint der Experte die auseinanderklaffende Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Kern- und den Peripheriestaaten. Im Extremfall könnte diese Divergenz die Eurozone zerreissen.

Schulden-Panik schwappt über

Allen Beschwichtigungen zum Trotz sehen die Marktteilnehmer mehr und mehr die Gefahr, dass die Schulden-Panik auf andere Länder der Währungsunion überschwappt. Am Montag stiessen Investoren Staatsanleihen von Irland und Portugal ab. Die beiden Staaten gelten als nächste Wackelkandidaten. Der Zins stieg auf 4,9 für irische und 5,1% für portugiesische Papiere mit zehn Jahren Restlaufzeit. 5% Rendite sind für viele Anleger eine Alarmschwelle.

Devisenexperten rechnen wegen der Schuldenkrise mit einer fortgesetzten Schwäche des Euro. Institute wie die Bank of America oder Nordea sagen bis 2011 einen Absturz auf 1,20 Dollar voraus. Gold könnte daher als sicherer Hafen gefragt bleiben. «Das Edelmetall profitiert von der Flucht aus dem Risiko», sagt Ole S. Hansen von der dänischen Saxo Bank. Der Trend sei jetzt klar nach oben gerichtet. Seit Oktober 2009, als das Ausmass der Griechen-Defizite bekannt wurde, hat sich die Unze zum Euro um fast 26% verteuert.

Mit bedingt durch die Euro-Schwäche haben auch andere Rohstoffe und Importgüter im Preis stark angezogen. Für Palladium müssen Importeure im Euro-Raum 111% mehr zahlen als vor einem halben Jahr, für Platin 48%, für Rohöl 30% und für Silber 21%. Importierte Waren aus Südkorea verteuerten sich allein durch den Wechselkurseffekt um 17% und solche aus den USA um 10%.

 

 


Der Westen war gestern: Anleihenanleger finden in Schwellenländern inzwischen mehr Chancen

Die westlichen Industriestaaten versinken in Schulden. Nicht nur Griechenland, sondern auch die grossen Wirtschaftsnationen wie die USA, Grossbritannien und Japan häufen im Rekordtempo Schulden an. Die Gesamtverschuldung dieser Staaten ist gigantisch: Japans Schuldenlast beträgt schon das Doppelte dessen, was das ganze Land in einem Jahr erwirtschaftet.

Ganz anders dagegen in den Schwellenländern, jenen Staaten, die jahrzehntelang als unsichere Kantonisten, als Risikoregionen galten. Die Staatsschuld Südafrikas beläuft sich gerade mal auf ein Drittel der Wirtschaftsleistung; in China ist es nur ein Viertel, in Russland sogar nur ein Zehntel. Und im Gegensatz zu den westlichen Staaten wächst die Wirtschaft dieser Länder mit grossen Sprüngen. Das hat positive Auswirkungen auf die Entwicklung der Schuldenlast und birgt daher auch Chancen für Anleihen.

Wer sich jedoch Schwellenland-Papiere ins Depot holen möchte, sollte dazu nun nicht einzelne Staatsanleihen von Mexiko, Russland oder Brasilien kaufen. Besser ist es, auf einen Fonds mit Schwellenländer-Anleihen zu setzen. Anleger sollten sich dabei nicht blenden lassen. Denn manche Fonds haben ein Plus von mehr als 60 oder 70% binnen zwölf Monaten zu verzeichnen. Dies ist jedoch vollkommen untypisch und liegt in der zurückliegenden Kursrally begründet.

Zudem sollten Anleger darauf achten, worin der Fonds genau investiert. Einige legen das Geld nur in Staatsanleihen an, andere auch in Firmenbonds, wodurch sich das Risiko erhöht. Bei Anleihen in Lokalwährungen besteht ein höheres Wechselkursrisiko, was aber auch positiv sein kann. Denn die gute Verfassung der meisten Schwellenländer dürfte dazu führen, dass auch ihre Währungen aufwerten. (Frank Stocker)