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Ferien
Angst um die Ägypten-Buchungen

Entspannte Ferien am Roten Meer - Proteste in Kairo: Die Schweizer zeigen sich weiterhin reisefreudig. (Bild: Keystone)

Ägypten sehen und sterben: Das Land ist eines der beliebtesten Urlaubsländer der Schweizer – und zunehmend ein Pulverfass. Wie reagieren Reiseanbieter auf die dramatischen Unruhen?

Von Reto Vasella
am 03.07.2013

In Ägypten spitzt sich die Situation immer mehr zu. Die Demonstrationen gegen die Regierung von Mohammed Mursi werden intensiver. In der Nacht auf Mittwoch kamen durch die Gewalt mindestens 23 Menschen ums Leben. Der Staatspräsident betonte in einer Fernsehansprache jedoch, dass er nicht zurücktreten und bis zu seinem Tod in seinem Amt ausharren werde.

Es ist ein ganz anderes Bild, als es die Schweizer Reiseanbieter vermitteln. «Hautnah, voller Schätze, gespickt mit Geheimnissen – Ägypten ist ein Bilderbogen und wirkt nicht nur auf Geschichtsinteressierte wie ein Magnet», schreibt Kuoni auf ihrer Homepage. Tui preist seine «mehr als 100 attraktiven Hotels» im Land am Nil.

In Bern warnt man vor Reisen

Die neue Gewalt veranlasst nun aber die schweizerischen Behörden zu Warnungen. Das Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät denn auch seit Dienstagabend von nicht dringenden Reisen nach Kairo und in andere Grossstädte wie Alexandria, Port Said, Suez und Ismailia ab. In allen Landesteilen ist gemäss EDA grosse Vorsicht geboten.

Kuoni hat zurzeit 190 Personen im Urlaub in Ägypten, davon praktisch alle an den Badedestinationen am Roten Meer. Laut Mediensprecher Peter Brun wolle keiner von ihnen die Ferien abbrechen, denn «am Roten Meer ist von den Demonstrationen in Kairo oder Alexandria nichts zu spüren. Hotels, die Versorgung und die Infrastruktur funktionieren wie gewohnt. Lediglich Ausflüge nach Kairo führen wir zurzeit nicht durch».

Bislang keine Zwischenfälle

So sei es gemäss Brun bis anhin auch zu keinen Zwischenfällen gekommen, bei denen Schweizer Touristen betroffen waren, denn praktisch alle Kunden hielten sich in den Badeorten Sharm-el-Sheik, Hurghada und Marsa Alam auf. Dort sei es aber überhaupt zu keinen Zwischenfällen gekommen.

Für die Sommerferien sieht Kuoni denn auch keine grossen Veränderungen, da es in Ägypten zu dieser Jahreszeit für die Schweizer klimatisch zu heiss und das Land als Feriendestination nicht besonders gefragt sei. Somit hätte es auch keine Annulierungen gegeben. Helvetische Touristen seien laut Brun insgesamt «gut informiert und können wie schon in den letzten 2 1/2 Jahren unterscheiden, zwischen Unruhen in den grossen Städten und der ruhigen Situation in den Touristengebieten.»

Tui zeigt sich kulant

Ähnlich ist die Situation bei Tui. Das Reiseunternehmen hat bereits seit vergangener Woche keine Gäste mehr in den grossen Städten wie Kairo oder Alexandria. Die Ausflüge von den Badeorten am Roten Meer nach Kairo wurden ausgesetzt. Sollten Touristen ihre Ferien wegen Sicherheitsbedenken abbrechen oder gar nicht erst antreten wollen, übernimmt Tui je nach Fall die Kosten.

Mediensprecher Roland Schmid betont jedoch: «Der Entscheid, ob jemand ein bestimmtes Land besuchen will oder nicht, muss individuell gefällt werden. Wir lassen eine kostenfreie Kündigung durch den Reisenden zu, wenn entweder die Sicherheit der Gäste oder aber die Reisedurchführung erheblich gefährdet ist.»

Hotelplan meidet Städte

Zu Zwischenfällen, bei denen Schweizer Touristen von Tui betroffen waren, sei es nie gekommen. «Seit Beginn des Arabischen Frühlings in Ägypten im Januar 2011 ist noch keinem unserer Gäste etwas zugestossen» sagt denn Schmid weiter. Auch ist es bei Tui zu keinen Annullierungen von Ägypten-Reisen gekommen, so lag laut Schmid «der Buchungseingang für Ägypten auch in der vergangenen Woche gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode im Plus.»

Hotelplan geht mit der aktuellen Situation in Ägypten ähnlich um. Gemäss Mediensprecherin Anja Domes hat die Migros-Tochter keine Leute in den grossen Städten, sondern nur in den Badedestinationen am Roten Meer. Es bestehe ein ständiger Kontakt mit den Leuten vor Ort und mit dem EDA, um auf allfällige Veränderungen sofort reagieren zu können.

Im Sommer sowieso zu heiss

Reisen nach Kairo oder ins Niltal würden wegen der grossen Hitze im Sommer ohnehin nicht angeboten. Zur Aussicht für Ferien im Herbst und Winter - der Hochsaison für Ägyptenferien -  sagt Anja Domes: «Es hat vereinzelte Umbuchungen gegeben, aber nicht im grossen Stil»

(Mitarbeit: Vasilije Mustur)

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