Für die beiden weltgrössten Rückversicherer Munich Re und Swiss Re geht es am Klimagipfel in Kopenhagen um die eigene Zukunft. Denn die Rückversicherer decken Grossschäden ab, welche die Kapazitäten der Erstversicherer übersteigen. Dazu zählen Naturkatastrophen. «Unsere Statistiken zeigen eindeutig, dass die Schadensbelastung aus wetterbedingten Naturkatastophen steigt», sagt Torsten Jeworrek, der im Vorstand von Munich Re für das Rückversicherungsgeschäft zuständig ist. Zwar spielten viele Faktoren eine Rolle, aber es gebe deutliche Belege, dass der Klimawandel eine Ursache sei.

Hoffen auf Rahmenbedingungen

«Es muss etwas unternommen werden», ist denn auch Jeworreks Forderung im Vorfeld des Klimagipfels, der vom 7. bis 18. Dezember dauert. Zwar rechnet er kaum damit, dass in Kopenhagen ein umfassendes Abkommen unterzeichnet wird. Aber: «Zumindest wesentliche Rahmenbedingungen sollten festgeschrieben werden», so Jeworrek. «Einen Aufschub zulasten künftiger Generationen können wir uns nicht leisten.»

Die Nummer zwei der Branche, die Swiss Re, die sich im Vorfeld des Klimagipfels im Gegensatz zur Konkurrentin aus München mit öffentlichen Forderungen zurückhält, hat dennoch klarere Erwartungen. Andreas Spiegel, Senior Climate Advisor oder Klimaverantwortlicher des Schweizer Rückversicherers, wünscht sich, dass bei den Emissionszielen eine maximale Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur von zwei Grad über den vorindustriellen Werten sichergestellt wird. Dabei sollen staatliche Rahmenbedingungen in Kombination mit einer marktwirtschaftlichen Umsetzung im In- und Ausland eingeführt werden.

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Laut dem Swiss-Re-Klimaverantwortlichen Spiegel sind die Klimagipfel-Ergebnisse für die Gesellschaft und für die Versicherungsindustrie, welche die wetterbedingten Risiken zu einem Teil abdeckt, wichtig. «Aufgrund neuester Forschungsresultate und aufgrund eigener Untersuchungen stellen wir fest, dass langfristig weterbedingte Schäden massiv zunehmen werden.» In einer kürzlich veröffentlichten Studie in acht Ländern hat Swiss Re errechnet, dass die jährlich erwarteten Wetterschäden bis zu 19% des lokalen Bruttoinlandprodukts ausmachen werden. «Das heisst, langfristig wird der Umgang mit Klimarisiken teurer werden, was Auswirkungen auf die Preisgestaltung von Risikoprämien haben wird und die Versicherbarkeit bestimmter Regionen infrage stellt», so Spiegel.

Beängstigende Szenarien

Gemäss der neusten Sigma-Studie von Swiss Re litt Europa 2009 unter überdurchschnittlich hohen Schäden. Die Auswirkungen des Klimawandels dürften künftig weltweit häufigere und heftigere Stürme und Überschwemmungen mit sich bringen. Swiss Re rechnet damit, dass Sturmfluten in Nordeuropa, die bisher eine Wiederkehrperiode von tausend Jahren hatten, bis Ende dieses Jahrhunderts im Durchschnitt alle 30 Jahre vorkommen werden.

Beliefen sich die versicherten Naturkatastrophenschäden gemäss Swiss-Re-Studie im Zeitraum von 1970 bis 1989 weltweit durchschnittlich auf 5,1 Mrd Dollar jährlich, stiegen sie zwischen 1990 und 2009 auf 27,1 Mrd Dollar jährlich an. Mit dieser Verfünffachung der Summe im Hinterkopf pilgern Munich Re und Swiss Re nach Kopenhagen und hoffen auf konkrete Resultate.