Obwohl die Schweiz mit ihren weltweit tätigen Konzern als höchst wettbewerbsfähig eingestuft wird, fällt das Land in Sachen Unternehmergeist ab. Es liegt hinter Kolumbien oder Chile. Das zeigt eine neue Studie des World Economic Forums über Jungunternehmen. Nur 7 Prozent der Schweizer sind demnach selber unternehmerisch tätig. Das ist ein tiefer Wert. Der Durchschnitt von 44 Nationen liegt bei 10,5 Prozent.

Spitzenreiter in der Kategorie Unternehmertum sind aufstrebende Länder wie Uganda (31,5 Prozent), Ecuador (24,9 Prozent) und Peru (23,0 Prozent). Dafür ist nicht nur die unterschiedliche wirtschaftliche Situation verantwortlich. «In der Schweiz sind die Opportunitätskosten für Fachkräfte mit technischen Ausbildungen hoch», fügt Gert Christen Leiter vom Startzentrum und dem Inkubator BlueLion an. Daher ziehen viele Hochschulabgänger diese Option erst gar nicht in Betracht. Auch herrscht in der Schweiz eine Kultur, die zum Perfektionismus antreibt und ein Scheitern der selbstständigen Erwerbstätigkeit ächtet.

Hohe Beschäftigung und Innovation

Werden die Schweizer Start-ups nach ihren Plänen befragt, so geben sich viele bescheiden. Nur 5,4 Prozent der Jungunternehmen sind überzeugt, dass sie in fünf Jahren mehr als 19 Personen beschäftigen werden. Andere wettbewerbsfähige Länder wie Taiwan und Japan weisen Werte von über 20 Prozent aus, aber auch in Amerika, Frankreich und Deutschland haben etwa doppelt so viele Unternehmer ambitionierte Pläne.

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Auffällig ist, dass aufstrebende Länder wie beispielsweise China besonders viele Jungunternehmen ausweisen. Den Unterschied sieht Christen einerseits in der Schweizer Bescheidenheit und andererseits in der geringeren Automatisation und grösseren Verfügbarkeit von billigen Arbeitskräften einiger Länder.

Aufholbedarf in der Schweiz

Schweizer Jungunternehmer beweisen aber Innovationskraft. In dieser Kategorie platziert sich das Land mit 33 Prozent unter die Top Ten. «Dieses Resultat kann der verbesserten Start-up-Förderung in den Hochschulen und Universitäten zugeschrieben werden», ist Christen überzeugt. «Viele dieser innovativen Start-ups entstehen in unmittelbarer Nähe zu einer Hochschule», unterstreicht Christen und weist auf die Verbesserungen der vergangenen zehn Jahre hin.

Künftig lassen weitere mögliche Unterstützungen hoffen. «Der Zukunftsfonds aus Pensionskassengeldern könnte schon bald noch mehr der innovativsten Jungunternehmer unterstützen», kommentiert Christen einen Vorstoss des Luzerner Ständerates Konrad Graber. Eine Arbeitsgruppe prüft nun im Auftrag des Bundesrates die Rahmenbedingungen und könnte schon bald einen Grundstein für weitere Schweizer Jungunternehmen legen.