Für Nicolas G. Hayek ist klar: Die Schweiz soll sich nicht an der Rettungsaktion der US-Regierung beteiligen. «Die Ursache der Krise liegt in den USA», sagt der VR-Präsident der Swatch Group im Interview mit der «Handelszeitung». Via UBS, Credit Suisse und andere Banken sei die Schweiz bereits massiv involviert. «Mehr kann man von der Schweiz meines Erachtens nicht verlangen.»

Die gleiche Meinung vertritt Ex-Bundesrat und Unternehmer Christoph Blocher. Im Augenblick bestehe kein Grund, dass die Schweiz aktiv werde und sich an der Rettungsaktion der USA beteilige. «Ich bin der Meinung, dass die Schweizer Banken durchkommen ohne eine solche Rettungsaktion.» Dennoch lässt Blocher eine Hintertüre offen: «Wenn eines der grossen Finanzinstitute existenziell betroffen wäre, was ich im Moment nicht glaube, dann müsste man das nochmals prüfen.» Einen anderen Standpunkt vertritt indes Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber der Bank Wegelin: «Es ist blauäugig zu glauben, dass das Handeln der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse in den USA keine Auswirkungen haben könnte.» Da die beiden Finanzkonzerne bei den US-Hypothekargeschäften fleissig mitgemacht hätten, könne sich die Schweiz nicht einfach davonstehlen. «Ich persönlich glaube nicht, dass sich die Schweiz allfälligen Annäherungen der US-Regierung wird entziehen können.»

Hayek fordert Reformen

Für Swatch-Group-Präsident Nicolas G. Hayek braucht es einschneidende Massnahmen, um in der Finanzwelt wieder Ordnung zu schaffen. «Nicht nur die Banken, sondern auch die Unternehmen sollen sich an der Reform der Finanzmärkte stark und paritätisch beteiligen.» Hayek betont: «Das angekündigte Rettungspaket könnte die sachlichen Probleme ein wenig lindern.» Eine Lösung bringe es aber nicht. «Vergessen wir nicht, dass der Schuldenberg der USA damit weiter anwächst und dass dies nicht ohne Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft bleiben kann.»

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Auch PostFinance betroffen

Für die Schweizer Grossbanken gibt es trotz des US-Rettungspakets keine Entwarnung. Denn noch ist die genaue Umsetzung unklar. Pierin Vincenz, CEO der Raiffeisen Banken, warnt vor Illusionen: «Mit der Hilfsaktion wird die Finanzkrise nicht von heute auf morgen ausgestanden sein.»

Die Folgen der Finanzkrise bekommt sogar die PostFinance zu spüren – die Post-Tochter kann sich den Turbulenzen an der Börse nicht entziehen. «Wir werden voraussichtlich vereinzelte Wertberichtigungen auf Finanzanlagen vornehmen», bestätigt ein Sprecher Recherchen der «Handelszeitung». Immerhin positiv ist aber: PostFinance gewinnt aufgrund des Vertrauensverlustes bei den Grossbanken neue Kunden.