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Europa
Anhaltender Dissens schürt Grexit-Wahrscheinlichkeit

Alexis Tsipras: Wohin führt er seine griechischen Landleute? Keystone

Die Fronten zwischen Griechenland und den Euro-Partnern sind verhärtet. Erste Anleger schätzen nun das Risiko eines Austritts aus der Eurozone als sehr wahrscheinlich ein.

Veröffentlicht am 17.02.2015

Das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Währungsunion ist gestiegen, nachdem die Finanzminister des Euroraums weitere Gespräche über finanzielle Unterstützung davon abhängig machen, dass das Land eine Verlängerung des bestehenden Hilfsprogramms beantragt.

Nachdem in den drei Wochen seit dem Wahlsieg von Ministerpräsident Alexis Tsipras Forderungen und Gegenforderungen erhoben wurden, verhärtete sich die Haltung der Finanzminister des Euroraums am Montagabend. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis weigerte sich, den Forderungen des Euroraums zu entsprechen, worauf die Verhandlungen abrupt abgebrochen wurden.

Austritt mittlerweile die wahrscheinlichste Variante

Es werde keine Sitzung geben, auf der man sich erklären lasse, wie die Welt funktioniere, sagte der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling am Dienstag in einem Interview. Ein Treffen werde es nur geben, wenn klar sei, dass ein griechischer Antrag vorliege und wenn die Konditionen von den Institutionen bestätigt seien.

Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann sagte, einige Politiker unterschätzten die Risiken eines griechischen Austritts und seine unvorhersehbaren Folgen. Robin Marshall, Direktor Festverzinsliche bei Smith & Williamson Investment Management, sagte, ein Austritt Griechenlands sei mittlerweile die wahrscheinlichste Variante. Die Commerzbank-Volkswirte Jörg Krämer and Christoph Weil veranschlagen die Wahrscheinlichkeit eines Austritts neuerdings auf 50 Prozent. Vor einer Woche hatte sie ihrer Einschätzung zufolge noch 25 Prozent betragen.

Völlig neue Situation

Es sei eine völlig neue Situation eingetreten, sagte Michael Schröder, Volkswirt beim ZEW-Institut in Mannheim, auf einer Pressekonferenz. Die Möglichkeit eines Austritts Griechenlands werde relativ gelassen gesehen, obgleich niemand wisse, was geschehen könne.

Die Gespräche zwischen Griechenland und seinen Gläubigern aus dem Euroraum endeten am Montag im Dissens. In Athen wurde der Vorwurf erhoben, Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem habe Zusagen zurückgezogen, die er vergangene Woche Ministerpräsident Alexis Tsipras gegenüber gemacht habe. In einer Erklärung der griechischen Regierung hiess es, es sei «absurd» und «inakzeptabel», auf der Einhaltung der Konditionen des bestehenden Hilfspakets zu bestehen. Das Paket widerspreche dem Wählerwillen.

Dijsselbloem: «Wir stehen bereit»

«Ich hoffe, sie beantragen eine Verlängerung des Programms», sagte Dijsselbloem am Dienstagvormittag. «Es liegt wirklich an ihnen. Wir können es ihnen nicht aufzwingen, wir können sie nur darum bitten. Wir stehen bereit, mit ihnen zusammen zu arbeiten.»

Varoufakis sagte, Griechenland habe keine andere Wahl als sich der angebotenen Erklärung zu verweigern. «In der Geschichte der Europäischen Union hat ein Ultimatum noch nie etwas Gutes bewirkt», sagte er nach dem Treffen gegenüber Reportern.

Der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan zeigte sich optimistisch. «Ich bin überzeugt, dass wir eine gemeinsame Basis finden und zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen», sagte er. Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion komme «nicht in Frage.»

(bloomberg/ise/ama)

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