Anleger sind im gegenwärtigen Marktumfeld hin- und hergerissen. Die Kurs-Gewinn-Bewertungen an den europäischen Aktienmärkten, basierend auf den erwarteten Ergebnissen für 2011, liegen mit 10,7 deutlich unter dem langfristigen Durchschnitts.

Dies spricht eigentlich für einen schrittweisen Auf- oder Ausbau der Aktienquote. Doch unter Experten herrscht Uneinigkeit über die weiteren makroökonomischen Entwicklungen. Die drastischen Sparmassnahmen zahlreicher Regierungen schränken das Wirtschaftswachstum wohl vorerst einmal ein.

Konsequenterweise wäre dies ein Argument für sichere Anleihen. Doch auch hier bremsen zwei Faktoren den Investitionswillen: Einerseits sind es die gegenwärtig relativ geringen Renditen für sichere Staatsanleihen, anderseits die Risiken mittelfristig steigender Zinsen. Hohe Barbestände drängen sich ebenfalls nicht auf, da die expansive Geldpolitik der Notenbanken für verschwindend geringe Erträge und erhöhte Inflationsrisiken sorgt.

Tiefere Duration

Wandelanleihen stellen in einem solch schwierigen Marktumfeld eine mögliche Lösung dar. Wandelanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die dem Anleger das Recht einräumen, sie in einem vorher festgelegten Verhältnis in Aktien der emittierenden Gesellschaft umzutauschen. Sie sind somit mit den Vorteilen von Schuldinstrumenten (feste Verzinsung) ausgestattet, können aber gleichzeitig auch am Aufwärtspotenzial der zugrunde liegenden Aktie teilhaben. Auch wenn die Faustformel «Zwei Drittel der Aufwärtsbewegung, ein Drittel nach unten» in der Regel etwas zu optimistisch ist, zeigt das Bild doch eine deutlich stärkere Beteiligung an Aktienkursgewinnen. Durch dieses asymmetrische Risiko-Rendite-Profil weisen Wandler in einem möglichen Baissemarkt wesentlich geringere Werteinbussen auf als Aktien. Gleichzeitig partizipieren sie am Haussemarkt. Im Vergleich zu Aktien haben sie über die letzten 10, 15 und 20 Jahre bessere Renditen erzielt, bei wesentlich geringerem Risiko. Die latente Gefahr sinkender Anleihenkurse lässt beim Anleger die Frage aufkommen, ob es vor diesem Hintergrund überhaupt sinnvoll ist, eine anleihenähnliche Investition zu tätigen.

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Anleger haben jedoch nichts zu befürchten, da die Duration von Wandelanleihen im Allgemeinen klar tiefer liegt als jene von herkömmlichen Anleihen. Eine Ursache hierfür liegt darin, dass sich mit steigenden Kursen der zugrundeliegenden Aktie die Abhängigkeit gegenüber Veränderungen des Zinsniveaus reduziert. Um die relative Veränderung des Anleihenkurses in Abhängigkeit einer Veränderung des Zinsniveaus zu messen, hat sich die modifizierte Duration etabliert. Diese berücksichtigt jedoch die oben erwähnten Optionalitäten nicht und verliert dadurch an Aussagekraft.

Problem grosse Stückelung

Für Wandelanleihen erachten wir es als sinnvoller, sich auf die effektive Duration abzustützen. Diese berechnet das Verhalten der Wandelanleihe bei einer allfälligen Zinsänderung und berücksichtigt dabei die verschiedenen Optionen.

Im gegenwärtig schwierigen Anlageumfeld können Wandelanleihen ihre Vorteile ausspielen: Asymmetrische Partizipation am Aktienmarkt bei geringem Zinsrisiko. Zudem sind viele Wandler derzeit günstig bewertet. Jedoch geben viele Emittenten diese Papiere nur in Stückelungen ab 50 000 Euro aus. Deshalb und aufgrund der Komplexität der Instrumente sollten interessierte Privatanleger eine Fondslösung in Betracht ziehen.