Optimismus und Pessimismus sind im Bankgewerbe je nach Konjunkturzyklus jeweils rasch zur Stelle. Da ist es kaum verwunderlich, wenn sich die Bankiers beim jüngsten Global Private Banking Survey 2007 von PricewaterhouseCoopers geradezu euphorisch geben. Die 265 befragten Bankenchefs in 43 Ländern gehen davon aus, dass sich die verwalteten Vermögen (Assets under Management) in den nächsten drei Jahren um jeweils 30% jährlich erhöhen. Otto Bruderer, Partner bei der Privatbank Wegelin, rückt solche Zahlen allerdings ins richtige Licht: «Ein anhaltendes Wachstum in dieser Grössenordnung ist schlicht Wunschdenken.» Natürlich gebe es Banken, die mit solchen Zuwachsraten glänzen könnten, aber daneben würden auch die Verlierer stehen.

Gewinner und Verlierer

Die stabile Entwicklung der Weltwirtschaft, obwohl in den letzten Wochen durch Turbulenzen an den Finanzmärkten auf eine erste Probe gestellt, hat auch im 1. Halbjahr zu einem respektablen Neugeldzufluss bei den Banken geführt. «Die Situation wurde von den Bankiers kaum je derart günstig eingestuft», sagt Bruce Watherill, Management Leader Global Private Banking bei PricewaterhouseCoopers. In Asien sollen die Kundenvermögen pro Jahr um 34% und in Russland gar um 50% zunehmen.
Das war in den Zeiten nach dem Börsenkollaps von 2001 ganz anders. Damals sprachen die Bankiers bei einer gleichartigen Umfrage von sinkenden Vermögen. Nicht ganz zu unrecht, denn mit dem Einbruch am Aktienmarkt löste sich mehr als ein Drittel der Börsenkapitalisierung in Luft auf. Seit 2003 hat sich das Klima an den Finanzmärkten markant verbessert. Entsprechend schlagen sich die höheren Aktienkurse in den Vermögensbeständen der Banken nieder. Mittlerweile sind die Index-Rekordstände allerdings Vergangenheit.
Die Korrektur ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich der Zyklus seinem Höhepunkt nähert oder ihn gar schon überschritten hat. Nach den Kurseinbussen suchen die Anleger nach Orientierungspunkten. «Die Privatkunden sind verunsichert», bringt es Eric G. Sarasin, CEO Private & Institutional Clients bei der Bank Sarasin, auf den Punkt. Erfolgreich seien nur jene Geldinstitute, die über ein Qualitätsmanagement verfügen und eine ansprechende Performance ausweisen können.
Nicht alle Banken können von den wachsenden Vermögen in den Schwellenländern profitieren. Für Eftychia Fischer, Head of Global Risk bei EFG International, konzentrieren sich diese Gelder in wenigen Händen: «Das neue Kapital geht in Richtung Private Banking.» Der Wettbewerb in der Branche aber wird sich verschärfen. Es braucht an der Kundenfront qualifiziertes Personal, und die IT- und Risikomanagementsysteme haben sich den neuen Anforderungen anzupassen. Die Besitzer von hohen Vermögen sind wählerisch. Eine Studie der Boston Consulting Group zeigt, dass vier Fünftel der reichen Investoren über umfangreiche Kenntnisse im Finanzbereich verfügen. Sie vertrauen nicht nur auf die Dienste von einer Bank, sondern stehen mit durchschnittlich 2,8 Geldinstituten in Verbindung.

Qualität entscheidet

Die Qualität der Bankdienst-leistung ist für Michael Rüdiger von der Credit Suisse der Schlüsselbegriff: «Gewinner werden diejenigen Banken sein, die am besten mit ihren Kundenberatern umgehen können». Er sieht gute Chancen, dass sich die Fokussierung auch in den Zahlen spiegelt. Für die neuen Märkte erwartet er eine zweistellige Wachstumsrate, und für Europa sieht er sie im einstelligen Prozentbereich.

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