Nicht einmal die zahlreichen erfreulichen Halbjahreszahlen der Unternehmen konnten in der letzten Woche die Aktienmärkte beflügeln. Sowohl der auf die Börsenschwergewichte fokussierte Swiss Market Index (SMI) als auch der breit abgestützte Swiss Performance Index (SPI) sanken innert Wochenfrist um mehr als 4%. Als einziger Faktor dafür dient die in den letzten Tagen gestiegene Verunsicherung der Investoren. In Anbetracht der Probleme im US-Immobilienmarkt spukt das Gespenst einer stärkeren Korrektur an den Aktienmärkten in den Köpfen der Anleger.

An solchen Tagen braucht die Finanzgemeinde starke Nerven, eine gesunde Vorsicht und ein gutes Händchen in der Titelwahl – Eigenschaften, die in der Finanzwelt typischerweise den Frauen zugeschrieben werden.

Frauen halten an Anlagen fest

Diverse Studien haben ergeben, dass Frauen bei ihren
Finanzentscheiden Wagnisse meiden und riskanten Anlageformen kritisch gegenüberstehen. Bevor sie sich auf ein Investment festlegen, informieren sich Anlegerinnen viel genauer als die männlichen Investoren. Dies führt dazu, dass sie in wirtschaftlich kritischen Zeiten auch eher an ihren Entscheiden festhalten, statt überstürzt in womöglich schlechtere Alternativen umzuschichten. «Man muss aber beachten, dass es sich dabei um Durchschnittsaussagen handelt», so Renate Schubert, Professorin für Nationalökonomie an der ETH Zürich und Leiterin mehrerer Studien zum Anlageverhalten von Frauen.
Mit den Ergebnissen dieser Studien decken sich auch die Praxiserfahrungen der Kundenbetreuerinnen des BKB-Lady-Consult der Basler Kantonalbank. «Männer sind impulsiver und bereit, mehr Risiken einzugehen», weiss Stefanie Kaps, Leiterin der Bankdienstleistung für Investorinnen, und ergänzt: «Frauen dagegen sind sensitiver und überlegen sich Anlagestrategien genauer.»

Von den Frauen lernen

Angesichts dessen könnte man davon ausgehen, dass Frauen die derzeitige Phase der Unsicherheit an der Börse besser meistern werden als ihre männlichen Kollegen. «Wenn die Frauen ihr traditionelles Verhalten beibehalten, ist dies tatsächlich zu erwarten», bestätigt Schubert. Genau dies ist jedoch der springende Punkt: Die Zurückhaltung zahlreicher Investorinnen ist dadurch begründet, dass viele Frauen nach wie vor über tiefere Einkommen verfügen und mit Finanzanlagen weniger vertraut sind als Männer. «Wenn alle Rahmenbedingungen jedoch gleich wären, sprich Wissensstand und finanzielle Lage, gäbe es zwischen dem Anlageverhalten von Mann und Frau wahrscheinlich keinen Unterschied mehr», ist Anette Joswig Schmid überzeugt. Die Finanzberaterin und Börsenbuch-Autorin hat das Anlageverhalten ihrer Kunden längerfristig beobachtet.
In der aktuellen Börsensituation den Rat bei den Frauen zu suchen, wäre somit eine zu einfache Lösung. «Die derzeitigen Unsicherheiten haben viel mit Psychologie zu tun. Ängste, Hoffnung, aber auch Gier sind deren Ausprägungen», begründet Kaps. Bei der Ausarbeitung einer persönlichen Anlagestrategie hätten die Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer – unabhängig vom Geschlecht – diesen Aspekten Rechnung zu tragen. Hinzu kommt, dass Frauen in der Kundenbetreuung und im Asset Management der Banken nach wie vor klar untervertreten sind. «Der vermehrte Einsatz der Fähigkeiten und Talente von Frauen wäre sehr zu begrüssen und würde zur Diversität in diesen Bereichen beitragen», ist Kaps überzeugt.
Wer auch immer am Ende die Anlageentscheide fällt – vom traditionellen Anlageverhalten der Frauen kann die Finanzgemeinde lernen und die starke Diversifizierung, den Verzicht auf das teure «Traden» sowie die Bescheidenheit übernehmen.
Gebannt schauen die Anleger derzeit wieder einmal nach Amerika. Die Probleme im US-Immobilienmarkt, die eine weltweite Kreditkrise auslösen könnten, bereiten den Investoren nach wie vor grosse Sorgen. Insbesondere die Finanzinstitute sind nach den Debakeln der Hedge-Fonds von Bear Stearns verstärkt unter Druck geraten.

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Die hohe Verunsicherung im Markt wirkt sich negativ auf die Entwicklung der Aktienmärkte aus. So sind die weltweit führenden Handelsplätze in der vergangenen Woche deutlich zurückgekommen, obwohl die Fundamentaldaten der Unternehmen und konjunkturelle Indikatoren eigentlich ein positives Bild für die Zukunft zeigten.
In der Schweiz überzeugten die Blue Chips ABB, Lonza und Julius Bär sowie einige Small und Mid Caps mit starken Halbjahreszahlen. Zudem kann aufgrund der Entwicklung des Kof-Barometers mit einer weiteren Beschleunigung des BIP-Wachstums gerechnet werden. Trotzdem verloren sowohl SMI als auch SPI über 4%. Für einige Marktbeobachter ergeben sich durch diese Konstellation wieder Einstiegschancen, da einzelne Titel mittlerweile zu einem günstigen Preis erhältlich sind.