Rund zweieinhalb Monate nach dem Verlassen des EU-Rettungsschirmes hat Portugal einen Krisenherd gelöscht. Die Richtung Pleite taumelnde Grossbank BES (Banco Espírito Santo) bekommt eine Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro und wird von faulen Geschäften gereinigt.

Zentralbank-Chef Carlos Costa gab den Rettungsplan in der Nacht zum Montag in Lissabon bekannt. Die faulen Kredite und Geschäfte der BES sollen nach Angaben der Notenbank in eine Bad Bank ausgelagert werden. Eigentümer sind die bisherigen BES-Aktionäre. Aus dem gesunden Teil wird mit einer Kapitalspritze eine neue Bank.

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Staat und Steuerzahler verschont

Die Finanzspritze werde weder den Staat noch die Einlagenbesitzer in Mitleidenschaft ziehen, versicherte Costa. Das Abwicklungsprogramm sehe «im Gegensatz zu früheren Lösungen überhaupt keine Kosten» für den Staat oder für den Steuerzahler vor.

Dank der Finanzspritze erhöht sich die Kernkapitalquote der BES, die im Zuge der Krise auf fünf Prozent - zwei Punkte unter der von der Notenbank gesetzten Mindestgrenze – gefallen war, auf 8,5 Prozent. Die Bank wird nicht mehr an der Börse notiert werden.

Wenig Glück haben dabei die Aktionäre. Bei BES verlieren sie nun ihren Einsatz, darunter die mit 20 Prozent beteiligte Familie Espirito Santo und die französische Bank Crédit Agricole, die 14,6 Prozent hält. Auch die Käufer nachrangiger Verbindlichkeiten sollen bluten. Die Sparer und die Besitzer besicherter Schuldpapiere werden geschützt. BES hatte in großem Stil Anleihen auch an die eigenen Kunden verkauft.

Crédit Agricole zahlt für BES

Die Crédit Agricole muss mit herben Verlusten rechnen. «Die Schwierigkeiten der BES können Crédit Agricole eine Milliarde Euro kosten, 500 Millionen Euro durch Abschreibungen auf die Anleihen und 500 Millionen durch den Verlust der BES im zweiten Quartal», sagte ein Händler in Paris gegenüber Bloomberg.

«Sie wird die Verantwortung für die verbleibenden Risiken tragen müssen», so auch Zentralbank-Chef Costa. Die Crédit Agricole ist nach der Banco Espírito Santo Financial Group der grösste Teilhaber der BES. Ihre Aktie bewegte sich heute kaum, sie gewann 0,7 Prozent. Sie hat allerdings seit Mitte Juni 16 Prozent verloren. Der Pariser Händler erläuterte: «Ein Grossteil der Auswirkungen ist bereits eingepreist.»

BES-Chef soll Posten behalten

Die 1869 gegründete BES gehörte bisher einem Firmengeflecht des Banker-Clans Espírito Santo an. Die Bank hatte am Mittwoch für das erste Halbjahr einen Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro bekanntgegeben. Die Notenbank sprach von «Hinweisen« auf illegale Geschäfte. Allein vergangene Woche war der Kurs der Bank von 0,45 auf 0,12 Euro pro Aktie eingebrochen.

Der Hauptaktionär der Bank, die Espírito Santo Financial Group, die 20 Prozent des Kapitals hielt, hatte Insolvenz angemeldet und war bereits am Donnerstag von der Notenbank vom Stimmrecht ausgeschlossen worden. Auch andere Töchter der Gruppe Espírito Santo hatten Gläubigerschutz beantragt.

Auf Druck der Zentralbank, die das Institut von den Problemen der Gruppe Espírito Santo abschirmen wollte, war Vítor Bento zum Nachfolger von Ricardo Espírito Santo Salgado ernannt worden. Dieser hatte 22 Jahre an der BES-Spitze gestanden.

Nach seiner Ablösung war der 70-Jährige wegen Geldwäscherei festgenommen, dann gegen eine Kaution von 3 Millionen Euro wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Bento soll seinen Posten in der neuen Bank behalten. Es gebe nun keine Ungewissheiten mehr, liess der angesehene Ökonom wissen.

(me – mit Material von sda und reuters)