Es sind die eigentlich für ihre Vorsicht bekannten Genfer Privatbankiers, die in der Schweiz im grossen Stil in die Madoff-Falle getappt sind. Institute wie Union Bancaire Privée (UBP) oder Banque Bénédict Hentsch wurden vom Milliarden-Betrugsfall hart getroffen. Zu den Geschädigten des Skandals zählen vor allem die Bankkunden, besonders Institutionelle und vermögende Privatkunden.

Die europäische Aktionärsvereinigung Deminor geht in der Schweiz in einem ersten Schritt aber nicht gegen Genfer Banken vor, sondern will gegen die UBS klagen, die ohnehin schon an diversen juristischen Fronten kämpft. «Deminor sieht gute Erfolgschancen», sagt Elie Nada, der die Vereinigung in der Schweiz vertritt. Deminor analysiert Beschwerden verschiedener Anleger, die Anteile von Fonds halten, die in Madoff investiert sind. Neben der angekündigten Klage gegen die Grossbanken UBS und HSBC (siehe Kasten) sind weitere Klagen gegen Fonds in Vorbereitung.

UBS als Depotbank betroffen

Auch die Luxemburger Finanzaufsicht Comission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) untersucht unter anderem, welche Rolle die UBS Luxembourg über die Fonds Luxalpha und Luxinvest im Madoff-Skandal gespielt hat. In einer CSSF-Mitteilung heisst es: «Die Depotbank muss jederzeit wissen, wie die Vermögenswerte investiert sind und wo und wie diese verfügbar sind.» Der Hinweis der Behörde, die UBS bleibe als Depotbank verantwortlich, auch wenn sie diese Funktion an Madoff Securities delegiert habe, wertet Nada als sehr positiv. Die Behörde teilt auf Anfrage weiter mit, dass für den Fonds American Selection, ein Sub-Fonds von Luxalpha, die Berechnung des inneren Wertes sowie Zeichnungen und Rücknahmen der Anteile per 15. Dezember 2008 ausgesetzt wurden.

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Die UBS fungiert als Depotbank von Luxalpha, doch für die Anlageentscheide des Fonds, der offenbar mit rund 1,4 Mrd Dollar in Madoff investiert war, ist die amerikanische Access International Advisors verantwortlich. Die UBS hat den Fonds Luxalpha auf Wunsch der wohlhabenden Kundschaft aufgebaut. Ein Argument, das Deminor aber nicht gelten lässt.

Noch vor Ende des Quartals soll die angedrohte Klage eingereicht werden. Die Vereinigung macht keine Angaben über die gesamte Schadenssumme und zu den Anlegern, die sich bereits beteiligt haben. Aber: «Die Zahl der Investoren ist bereits signifikant, und täglich stossen neue Anleger dazu.» Wie Medien berichten, wollen französische Kunden und ihre Hausbanken die UBS ebenfalls einklagen.

Auch in Deutschland sind UBS-Kunden zu Schaden gekommen. Es handelt sich um eine sehr vermögende Privatklientel der deutschen Tochtergesellschaft Sauerborn. UBS-Sprecherin Tatiana Togni spricht von einem «beschränkten Exposure» in ihren Kundenportfolios, sei es über direkte Investitionen in Madoff-Fonds oder via kollektive Anlagevehikel von UBS Sauerborn.

UBS: Engagement nicht materiell

Die UBS hat Madoff-Anlagen nicht aktiv empfohlen. Gemäss eigenen Angaben ist auch Global Asset Management bei ihrer Anlagetätigkeit kein materielles direktes oder indirektes Engagement in Madoff-Fonds eingegangen. Der Hedge-Fonds-Anbieter Alternative and Quantitative Investments habe keine direkten Anteile an irgendwelchen von Madoff gemanagten Fonds. Und das Madoff-Engagement im Investment Banking wird folgendermassen aufgeschlüsselt: «Bernard Madoff Investment Securities LLC ist kein Prime-Brokerage-Kunde der Investmentbank, und bei der Investmentbank von UBS besteht nur ein sehr geringfügiges Kreditengagement.»

Zu den bekanntesten Madoff-Opfern in der Schweiz gehört neben Genfer Banken unter anderem die Privatbank Reichmuth. Wegen des Anlegerschutzes hat auch hierzulande die Finanzmarktaufsichtsbehörde eine Untersuchung eingeleitet. Finma-Sprecher Alain Bichsel: «Grundsätzlich sollten wir im 1. Quartal erste Resultate haben. Aber das kann sich erfahrungsgemäss verzögern.»

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